POLITIK
16/10/2015 14:45 CEST | Aktualisiert 16/10/2015 18:07 CEST

Ein Flüchtling fordert: "Lasst endlich niemanden mehr rein"

Ein kleiner Junge sitzt zusammengekauert auf dem Boden und wärmt seine Hände an einem Plastikbecher mit Tee, den ihm ein Helfer gegeben hat. Seine Schuhe sind völlig durchnässt, seine rote Jacke dreckverschmiert.

Eine Gruppe älterer Frauen hat sich unter einem Dachvorsprung ein notdürftiges Lager aus Plastiktüten gebaut, um sich vor der Kälte zu schützen. Ein Mann mit Handy am Ohr läuft ohne Pause auf und ab, ob aus Aufregung, oder um sich warm zu halten, ist nicht auszumachen.

Seit Tagen hat es in Berlin nicht aufgehört zu regnen, es herrschen Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt. Das Gelände vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) in Berlin ist eine einzige Schlammpfütze. Täglich warten hier Hunderte Flüchtlinge darauf, dass ihre Nummer an der Anzeigetafel vor dem Gebäude erscheint und sie sich registrieren können.

Flüchtlinge müssen tagelang im Freien warten: Caritas warnt vor Kältetoten

Alle neu angekommenen Asylbewerber müssen sich beim LaGeSo melden, sonst bekommen sie keine Unterkunft. Wann sie an der Reihe sind, wissen sie nicht. Deswegen kommen die Menschen jeden Morgen wieder zur Turmstraße, in der Hoffnung, dass das Warten heute ein Ende hat. Doch oft kommen sie vergeblich. Bis ihre Nummer angezeigt wird, vergehen mehrere Tage.

Für die Flüchtlinge ist das Warten ein Wettlauf gegen die Zeit. Schon in wenigen Tagen könnte es anfangen zu schneien. Was dann passiert, das will sich hier keiner ausmalen. Das Amt ist schon jetzt völlig überlastet. Die freiwilligen Helfer können nicht genügend warme Kleider und Regencapes organisieren, dass keiner friert.

(der Text geht nach dem Video weiter)

5 alarmierende Anzeichen, dass der Winter in Deutschland tödlich enden könnte

Mit jedem Tag wird die Lage vor dem LaGeSo prekärer. Die Caritas warnt bereits vor den ersten Kältetoten. Die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt setzen vor allem den Kindern massiv zu.

"Unter den Wartenden sind Kleinkinder, die zitternd und blau angelaufen in der Kälte stehen. Wir können nicht mehr ausschließen, dass Menschen sterben", warnte Caritas-Direktorin Ulrike Kostka erst vor wenigen Tagen in der “Berliner Morgenpost”. Bereits um ein Uhr nachts bilden sich die ersten Warteschlangen vor dem LaGeSo, sagt sie.

Afghanischer Flüchtling fordert, keine weiteren Asylbewerber ins Land zu lassen

Dass es vor dem LaGeSo nur so schleppend vorangeht, zehrt an den Nerven der Menschen. Die Stimmung ist gereizt. Mehrere Asylbewerber haben wegen der langen Wartezeiten schon Klage beim Sozialamt eingereicht. Laut der “Morgenpost” sind alleine am vergangenen Montag 20 Eilanträge eingegangen.

Ein Flüchtling aus Afghanistan, der seit vier Tagen vor dem LaGeSo darauf wartet, dass seine Nummer endlich an die Reihe kommt, ist mit der Geduld am Ende. Er wirft der deutschen Regierung Versagen auf ganzer Linie vor und fordert: Deutschland solle endlich aufhören, noch mehr Flüchtlinge ins Land zu lassen, wenn die Städte mit der jetzigen Situation schon nicht klar kämen.

Wäre in seiner Heimat Afghanistan Frieden, er würde keine Flüchtlinge aufnehmen, die dem Land nichts nützen, sagt er. Wenn es nach ihm ginge, würde Deutschland die Grenzen noch heute dicht machen.

Es sind harte Worte. Worte eines Mannes, der es schon geschafft hat nach Deutschland. Geschafft hat, zu frieren.

Es sind Worte, die Deutschland beschämen müssen.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Kleine Gastfreundschaft ganz groß: Hier macht ein Münchner Kleinkind vor, wie wir alle Flüchtlinge begrüßen sollten

Hier geht es zurück zur Startseite