POLITIK
15/10/2015 09:25 CEST | Aktualisiert 15/10/2015 10:38 CEST

Abgeordnete spielen Flüchtling: Die bizarre PR-Tour von Sahra Wagenknecht in einem Schlauchboot auf der Spree

Es ist eines dieser Videos, die umgehend ein absurdes Kopfkino auslösen.

Der erste Gedanke: Meinen die das tatsächlich ernst? Oder ist das eine geniale Satire?

Der zweite Gedanke: Echt jetzt?

Der dritte Gedanke: Lasst das bitte nicht wahr sein.

Der vierte Gedanke: Ach du Feuer.

Am Dienstag haben mehrere Dutzend Bundestagsabgeordnete bei einer PR-Aktion mitgemacht, die in Berlin Kopfschütteln und sogar Entrüstung auslöst. Eine Hilfsorganisation – die eigentlich sehr gute Arbeit leistet – hatte ein echtes libysches Flüchtlingsboot nach Berlin geschafft und es in der Spree zu Wasser gelassen.

Zahlreiche Mandatsträger der Linken und der Grünen nahmen darin Platz – zum Beispiel die neue Fraktionschefin der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, immerhin Oppositionsführerin im Bundestag. Oder ihr Kollege Dietmar Bartsch. Ebenso an Bord: die Grünen-Vorsitzende Simone Peter.

Wie fühlen sich Flüchtlinge in einem engen Schlauchboot auf dem Mittelmeer? Bundestagsabgeordnete auf Selbsterfahrungs-Fahrt.

Posted by SPIEGEL ONLINE on Mittwoch, 14. Oktober 2015

Allesamt hatten sie orangerote Schwimmwesten an. Es war sogar jemand dabei, der sich um den Motor kümmerte.

Und so kurvte das Schlauchboot über das spiegelglatte Wasser der Spree. Von der einen Seite des vollbefestigten Ufers am „Band des Bundes“ bis zur anderen waren es gerade einmal 20 Meter. Jeder Siebenjährige, der eine Seepferdchen-Prüfung ablegt, schafft es, eine größere Distanz zu schwimmen.

„Wir sind hier auf einem Fluss ohne Wellen unterwegs“, sagte Simone Peter nachher treffend.

„So genau einfühlen kann man sich nicht“, gab auch Sahra Wagenknecht zu. „Aber die Enge kriegt man schon mit.“

Wenn aber der Erkenntnisgewinn derart niedrigschwellig ausfällt, stellt sich zwingend die Frage nach dem Warum.

Eine Informationsveranstaltung war die kleine Bootsfahrt auf der Spree offenbar nicht. Und für eine Demo war das alles am Ende doch ein wenig zu brav. Die Antwort auf alle offenen Fragen dürften die Schnittbilder zwischen den Politikerstatements liefern: Zu sehen sind zahlreiche Foto- und Fernsehjournalisten, die sich am Ufer der Spree drängen.

Es ging also um die Bilder. Zufällig war es auch einer der ersten Termine von Sahra Wagenknecht als Fraktionsvorsitzende. Dass eine solche Selbstinszenierung aber auf dem Rücken der Flüchtlinge stattfindet, das ist schon mehr als bizarr.

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