POLITIK
15/10/2015 08:47 CEST | Aktualisiert 15/10/2015 09:55 CEST

Aus diesem bizarren Grund verweigert eine Tafel Flüchtlingen das Essen

dpa

Die Tafeln in Deutschland sind eine große Erfolgsgeschichte. Denn sie versorgen bedürftige Menschen mit Essen. Tausende Freiwillige engagieren sich, Supermärkte spenden Essen. Sicher, wenn die Gesellschaft sie nicht brauchen würde, wäre es noch besser. Doch wo Not ist, helfen sie.

Ein Vorfall im bayerischen Dachau lässt die gemeinnützige Einrichtung jetzt aber nicht mehr so gemeinnützig aussehen. Seit vergangener Woche gibt die dortige Tafel keine Lebensmittel mehr an Flüchtlinge aus. Die bizarre Begründung von Bernhard Seidenath, der als Kreisvorsitzender des Bayerischen Roten Kreuzes für die Tafel zuständig und CSU-Mitglied ist: Da die Asylbewerber Geld für Lebensmittel bekämen, sollten sie auch lernen damit umzugehen.

Gegenüber der "SZ" sagte Seidenath:

"Es geht mir um die Vorbereitung der Asylbewerber auf ein Leben auf eigenen Füßen. Wer hier in Deutschland aufgewachsen ist, weiß, wie er sich sein Geld einteilen muss. Menschen, die aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen und sich in unserem Land nicht auskennen, wissen das nicht."

Eine Erziehungsmaßnahme also...

Eine weitere erstaunliche Begründung für den Ausgabestopp liefert Edda Drittenpreis, die Leiterin der Tafel in Dachau. Der "SZ" sagte sie: "Das, was wir haben, essen die Asylbewerber ja alles nicht, die wollen Couscous und Kichererbsen." Außerdem habe sie bei der Tafel schlechte Erfahrungen mit "Migranten und Moslems" gemacht. Diese würden kaum Lebensmittel akzeptieren, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben.

Das Problem, wie die "SZ" schreibt, ist aber: Drittenpreis hat das noch nicht selbst gesehen, sondern kennt es nur vom Hörensagen. Und: Andere Tafeln folgen dem Dachauer Beispiel nicht und geben Essen weiterhin an Flüchtlinge aus.

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