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15/10/2015 16:42 CEST | Aktualisiert 23/10/2015 04:54 CEST

Spektakuläre Studie: Eine tödliche Krankheit könnte der Schlüssel für die Krebstherapie sein

Thinkstock
Forscher glauben: Malaria könnte der Durchbruch in der Krebsforschung sein.

Seit Jahrzehnten sind Wissenschaftler auf der Suche nach einem Mittel, das Krebs heilen kann. Nun könnte einem Forscherteam aus Dänemark und Kanada ein spektakulärer Durchbruch gelungen sein. Was zunächst einmal absurd klingt: Den Schlüssel sehen die Wissenschaftler von der University of Copenhagen dabei in einer anderen - gefährlichen - Krankheit: Malaria.

Die Entdeckung machten die Forscher durch einen glücklichen Zufall. Sie waren eigentlich auf der Suche nach einem Weg, schwangere Frauen besser vor Malaria zu schützen, da die Krankheit die Plazenta angreifen und zu schwerwiegenden Komplikationen während der Schwangerschaft führen kann. Bei ihren Versuchen machten sie aber eine Entdeckung, mit der sie nicht gerechnet hatten: Malaria könnte eine wesentliche Rolle bei der Krebstherapie spielen.

Wie kommen die Wissenschaftler zu dieser Erkenntnis? Malaria wird durch Parasiten ausgelöst, übertragen durch Stiche der so genannten Anopheles-Mücken. In ihrer Studie, die im Magazin “Cancer Cell” veröffentlicht wurde, stellten die Forscher fest: Diese Parasiten produzieren ein Protein, das sich an ein bestimmtes Zuckermolekül in der Plazenta bindet. Und jetzt kommt das Entscheidende: Das gleiche Zuckermolekül wie in der Plazenta ist auch in den meisten Krebszellen zu finden.

Das Team zählte eins und eins zusammen. Wenn das Malaria-Protein sich an das Zuckermolekül in der Plazenta bindet, müsste man das Protein auch nutzen können, um Medikamente zu den Krebszellen zu bringen, die eben solche Zuckermoleküle enthalten. Die Malaria-Proteine könnten also als schnelles Transportmittel von Krebsmedikamenten eingesetzt werden und den Wirkstoff gezielt an die Stelle leiten, an der sich der Tumor befindet.

Das Entscheidende an der Entdeckung der Forscher ist: Nicht nur Tumore in der Plazenta lassen sich somit gezielt behandeln. Laborversuche kamen zu dem Ergebnis, dass sich auch Tumore im Gehirn, den Eierstöcken, der Bauchspeicheldrüse, der Brust und in so gut wie allen anderen Organen behandeln ließen.

Das ist der bisherige Stand: Das Forscherteam testete seine Erkenntnisse anschließend an Mäusen und sah seine Vermutung bestätigt. Die Verbindung von Malaria-Protein und Krebsmedikament stoppte bei den Tieren das Tumorwachstum und hatte sogar einen Rückgang des Tumors zur Folge.

Und so sieht der nächste Schritt aus: Bis die Wissenschaftler die Wirksamkeit der Heilmethode auch an Menschen testen können, müssen sie das Vorgehen noch weiterentwickeln. Ali Salanti, Professor an der University of Copenhagen, aber ist zuversichtlich, dass die Kombination aus den beiden Wirkstoffen auch beim Menschen erfolgreich sein wird.

Wann wird klar sein, ob die Methode beim Menschen anwendbar ist? “Wir gehen davon aus, dass wir in vier Jahren die ersten Tests bei Menschen durchführen können. Die größten Fragen dabei sind, ob die Methode im menschlichen Körper überhaupt funktioniert und ob er die benötigte Dosis verträgt, ohne dass Nebenwirkungen auftreten”, schreibt Salanti auf der Homepage seiner Universität. “Aber wir sind optimistisch, denn das Zuckermolekül, an das sich das Protein bindet, ist nur in der Placenta und in Tumoren bei Menschen zu finden.”

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