POLITIK
16/10/2015 01:00 CEST

Diese 4 Entwicklungen löst die Flüchtlingskrise bei Wählern aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel
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Bundeskanzlerin Angela Merkel

Es brodelt in Deutschland. Das bekommt nicht nur die Bundeskanzlerin zu spüren. Die Unzufriedenheit der Wähler mit der Flüchtlingspolitik schadet auch den Parteien - vor allem der Union. In der neuesten Forsa-Befragung sinkt die Zustimmung für CDU und CSU auf 38 Prozent. Das ist ein Prozentpunkt weniger als noch vor einer Woche. Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl vor zwei Jahren erhielt die Union 41,5 Prozent.

Dagegen wird die AfD zum großen Gewinner der Krise: Mit ihrer abwehrenden Haltung gegenüber Flüchtlingen hält sich die rechtspopulistische Partei seit zwei Wochen bei sieben Prozent – zwei Punkte mehr als noch Ende September. Das Wählerkarussell dreht sich und wirbelt das Land ordentlich durcheinander. Doch wer genau wandert wohin – und vor allem: weshalb?

1. Unions- werden zu Nicht-Wählern

Forsa-Chef Manfred Güllner erklärt im Gespräch mit FOCUS Online, dass ehemalige Unionswähler sich in der aktuellen Situation nicht automatisch einer anderen Partei zuwenden. „Wir verzeichnen einen größer werdenden Teil von Nicht-Wählern und Unentschlossenen.“ Sie seien irritiert durch die Uneinigkeit innerhalb der CDU und den Angriff Horst Seehofers auf Merkel.

2. Von der CSU zur AfD

Speziell bei ehemaligen CSU-Wählern lässt sich jedoch durchaus eine Wanderbewegung feststellen - und zwar zur AfD. Ausgehend von den Wählern, die bei der Bundestagwahl 2013 für CDU und CSU gestimmt haben, konstatiert Güllner: „Der Anteil ehemaliger CSU-Wähler, die nun zur AfD wandern, ist doppelt so hoch wie bei den ehemaligen CDU-Wählern.“

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Auch dafür macht Güllner Seehofers Auftreten der vergangenen Wochen verantwortlich. Der bayerische Ministerpräsident fokussiere seine Politik ausschließlich auf die Flüchtlingskrise und formuliere seine Position dabei immer radikaler. „Damit treibt er die Wähler zur AfD, denn wer radikale Ansichten vertritt, geht gleich zum Original.“ Die Bindekraft der CSU gehe auf diese Weise zusehends verloren.

3. Grüne und Linke: Alles beim Alten

Grüne und Linke verlassen sich in dieser Unordnung derweil auf die eigene, feste Klientel. „Sie bleiben von den Entwicklungen weitgehend unberührt“, erklärt Güllner. Beide Parteien pendeln in der Forsa-Umfrage seit einigen Wochen zwischen neun und zehn Prozent. „Bei einer solchen Entwicklung sind Schwankungen von einem Prozentpunkt nicht überzubewerten“, sagt Güllner. Erst, wenn eine Partei über einen längeren Zeitraum kontinuierlich an Zustimmung verliere oder gewinne, könne von einem Trend gesprochen werden. „Bei der Union und der AfD ist das der Fall.“

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4. SPD kann nicht von Merkels Schwäche profitieren

Und die SPD? „Sie hat 2013 nur die treuesten Anhänger zu Wahl gebracht, darüber kommt sie nicht hinaus“, sagt Güllner. Um in der Flüchtlingskrise zu punkten, mangele es der Partei an der nötigen Kompetenz. Gleiches gelte für die FDP. Die SPD stagniert in der Forsa-Umfrage bei 25 Prozent, während die FDP bei fünf Prozent verharrt.

Eine Prognose für die Zukunft zu stellen, wagt Güllner allerdings nicht. Zumindest nicht auf Basis der Zahlen. „Die Stimmung kann sich schon in wenigen Wochen wieder ändern, das hier ist eine Momentaufnahme“, betont der Forsa-Chef. Der einzige sichere Trend sei der Unmut in der Bevölkerung darüber, wie politische Akteure Politik machen. "Tendenziell äußert sich das aber eher in der Wahlenthaltung", sagt Güllner. Mit einer Zunahme radikalen Verhaltens sei nicht zu rechnen.

Dieser Text von Wera Engelhardt erschien zuerst auf Focus online.

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