POLITIK
14/10/2015 08:44 CEST | Aktualisiert 23/10/2015 04:56 CEST

In Deutschland ist etwas Unglaubliches passiert - und fast niemand hat es bemerkt

Deutschlands Energiewende funktioniert weltweit wie eine neue Studie zeigt
dpa
Deutschlands Energiewende funktioniert weltweit wie eine neue Studie zeigt

Im Jahr 2011 traf Kanzlerin Angela Merkel eine folgenschwere Entscheidung: Deutschland sollte endgültig aus der Atomkraft aussteigen und auf grüne Energien setzen. Es gab nicht wenige Experten und Politiker, die diesen Plan für ziemlich verrückt hielten. Eine Industrienation wie Deutschland könne nicht auf billigen und zuverlässigen Strom aus Atomkraft verzichten, warnten sie. Die Wirtschaft würde an hohen Strompreisen für grüne Energie zugrunde gehen.

Damals war es tatsächlich ein Experiment, das Merkel wagte. Grüner Strom aus Wind- und Solaranlagen war sehr viel teurer als der Strom aus Atom- oder Kohlekraftwerken. Einige Pioniere, wie der Grünen-Politiker Hans-Josef Fell prophezeiten aber damals schon, dass grüne Energien mittelfristig günstiger werden als deren etablierte Konkurrenz.

Und tatsächlich ist das jetzt für die Windkraft der Fall. Wie eine Studie des Branchendienstes Bloomberg New Energy Finance (BNEF) zeigt, sind Windräder in Deutschland inzwischen die günstigste Stromquelle.

Wie die Experten ausrechneten, liegen die Kosten für eine Windstrom an Land im Schnitt bei 7 Eurocent. Das sind die Kosten für eine Kilowattstunde. Zum Vergleich: Strom aus einem Kohlekraftwerk liegt bei 10 Cent. Auch Strom aus neuen Atomkraftwerken kostet rund 10 Cent.

Und das bedeutet die Entwicklung: Dass sauberer Strom in Deutschland jetzt billiger ist als schmutziger Kohlestrom, der das Klima belastet und Atomstrom, für dessen strahlenden Müll noch immer keine Lösung gefunden ist, hat weitreichende Folgen. Es ist ein Zeichen, dass andere Industrienationen sich auch den sauberen Stromquellen verschreiben können - ohne ihre Wirtschaft zu gefährden. Wirksamer Klimaschutz, das wird jetzt klar, muss nicht unbedingt Mehrkosten verursachen. Und es ist ein Zeichen, dass sich die Kritiker von damals geirrt haben.

Kurz gesagt: Die Berechnungen der Bloomberg-Experten zeigen, dass die Deutsche Energiewende funktioniert und dass sie Länder weltweit umsetzen können.

Natürlich gibt es wie bei allen Berechnungen auch bei Bloomberg ein paar wichtige Details. So sind in die Rechnung auch die Kosten einbezogen, die das Klimagas CO2 in der Umwelt verursacht. Durch Windenergie entsteht kaum CO2, durch Kohleenergie dagegen sehr viel. Unter anderem sind in der Rechnung auch die Kosten für die Beseitigung zum Beispiel des Atommülls enthalten und die Kosten für die Entwicklung einer Technik.

Für die Verbraucher bedeutet die Entwicklung aber nicht automatisch einen Gewinn. Denn weniger für den Strom wird jetzt kaum ein Kunde bezahlen. Denn die Strompreise setzen sich hauptsächlich aus Steuern, Netzentgelten und anderen Abgaben zusammen. Wenn Strom günstiger wird, wirkt sich das also kaum auf die Strompreise der Verbraucher aus - die Umwelt profitiert trotzdem.

Ein Problem bleibt freilich: Grüner Strom aus Windrädern ist nicht immer verfügbar. Bei Flaute müssen Gaskraftwerke oder Speicher einspringen. Wie und dass das gehen kann, zeigt Dänemark, das seinen Strom zum Großteil aus Windrädern gewinnt.

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