POLITIK
14/10/2015 04:22 CEST | Aktualisiert 14/10/2015 04:24 CEST

CNN-Fernsehduelll: Die Demokraten lieferten Trump gerade eine Steilvorlage

Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton beim CNN-Fernsehduell
AP
Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton beim CNN-Fernsehduell

Das war langweilig. In der ersten TV-Debatte der Demokraten standen sich am Dienstagabend neben Clinton und Sanders der frühere Gouverneur von Rhode Island, Lincoln Chafee, sowie der frühere Gouverneur von Maryland, Martin O’Malley, und der Ex-Senator von Virginia, Jim Webb, gegenüber. Und man muss sagen.

Es sieht schlecht aus für Obamas Partei. Zwar haben auch die Republikaner inhaltlich wenig zu bieten. Aber im Gegensatz zu den Demokraten bieten sie wenigstens etwas Entertainment.

Da war erstmal Bernie Sanders, welcher der einzige ernstzunehmende Rivale von Clinton ist. Er will im Falle einer Wahl zum nächsten US-Präsidenten eine "politische Revolution" anführen. Sanders würde Millionen Menschen zusammenbringen, um die Macht von Großkonzernen an die Arbeiterklasse zu übertragen, sagte Sanders bei der TV-Debatte der Demokraten in Las Vegas auf die Frage hin, was seine Präsidentschaft von derjenigen von Amtsinhaber Barack Obama unterscheiden würde.

Die "Macht der Großkonzerne" brechen? Echt jetzt? Hat Bernie nicht "House of Cards" gesehen?

Favoritin Clinton sagte auf dieselbe Frage: "Die erste Präsidentin zu sein, würde ein völliger Unterschied zu den Präsidenten sein, die wir bis zu diesem Zeitpunkt hatten, inklusive Präsident Obama."

Na super. Das ist, was die Demokraten zu bieten haben: Einen Möchtegern-Revoluzzer, der sich den politischen Selbstmord nicht ausreden lässt. Und eine Oberlehrerin, die als einziges Alleinstellungsmerkmal zu nennen hat, dass sie eine Frau ist.

Während der zweistündigen Debatte spielte Clinton die Rolle der Angreiferin. Oder versuchte es zumindest. Nachdem der selbst ernannte demokratische Sozialist Sanders einen "Kasino-Kapitalismus" und eine ungleiche Verteilung des Reichtums kritisierte, sagte Clinton, sie halte es für einen "großen Fehler" für die USA, dem System den Rücken zuzukehren, das die amerikanische Mittelklasse geschaffen habe. Sanders warf sie zudem vor, im US-Senat nichts gegen die Waffengewalt in den USA getan zu haben.

Ansonsten gab es wenig Kontroversen. Sanders stellte sich in einer kontroversen Angelegenheit, die den demokratischen Vorwahlkampf zuvor besonders beeinflusst hatte, gar auf die Seite seiner Konkurrentin: Die ausgiebige Diskussion über deren Praxis, den E-Mail-Verkehr als Außenministerin über einen privaten Server abgewickelt zu haben, müsse aufhören, sagte der Senator von Vermont.

In der E-Mail-Affäre stellte er sich hinter sie. "Das amerikanische Volk hat es satt und ist müde davon, von deinen verdammten Emails zu hören", sagte Sanders und erntete dafür den Jubel der Menge. Clinton gefiel dies offensichtlich: Lächelnd reichte sie ihrem Rivalen die Hand. "Danke, Bernie", sagte sie.

Hillary Clinton würde sich als nächste Präsidentin der USA mehr Führungsstärke zeigen. Sie würde angesichts der stärkeren Beteiligung Russlands im syrischen Bürgerkrieg eine härtere Linie gegen Putin einnehmen.

"Wir müssen uns gegen seine Schikane behaupten", sagte sie über Putin. Man müsse Russland klarmachen, dass es Teil der Lösung der Syrien-Krise sein müsse. Unter ihr als Präsidentin würden "Sicherheitszonen" für Flüchtlinge eingerichtet werden, um zu versuchen, eine Destabilisierung der Region abzuschwächen. So was lässt sich natürlich nur mit Bodentruppen machen, die Clinton sicherlich nicht schicken wird.

Trump hat ausnahmsweise mal völlig Recht. Der umstrittene republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump zeigte sich gelangweilt. Die Auseinandersetzung der fünf Demokraten am Dienstagabend in Las Vegas sei "ein bisschen traurig" gewesen, schrieb der exzentrische Milliardär aus New York auf Twitter. Die Aussagen der Bewerber erschienen vorgeschrieben und einstudiert, meinte Trump.

Besonders für die Außenseiterkandidaten hatte er Spott übrig. "Nie im Leben" könne sich irgendjemand den Ex-Gouverneur von Rhode Island, Lincoln Chafee, als Präsidenten vorstellen. Martin O’Malley, früherer Gouverneur von Maryland, "hat eine sehr kleine Chance", so Trump. Und angesichts des fünften Kandidaten, Virginias Ex-Senator Jim Webb, retweetete er einen Nutzer, der fragte: "Warum ist Webb da??"

Trumps abschließendes Urteil: "Sorry, heute Abend ist kein STAR auf der Bühne!"

Mit Material der DPA und der AP

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