POLITIK
13/10/2015 08:57 CEST | Aktualisiert 13/10/2015 16:51 CEST

Wissenschaftler finden heraus: Sonne geht nicht mehr im Osten auf, weil sie so angeekelt ist

Getty

Wir leben in wahrlich ereignisreichen Zeiten. Erst gehen alte Gewissheiten kaputt. Jetzt funktionieren sogar die Kinderreime nicht mehr.

Über Jahrzehnte lang haben Grundschulkinder in ganz Deutschland folgende Worte auswendig gelernt:

Im Osten geht die Sonne auf/

Im Süden hält sie sich Mittags auf/

Im Westen wird sie untergehen/

Im Norden ist sie nie zu sehen.

Wissenschaftler haben heute Morgen festgestellt, dass dieser alte Merksatz nicht mehr der Wahrheit entspricht.

Erste Gerüchte dazu gab es bereits um 7:21 Uhr, als in Görlitz, bekanntermaßen Deutschlands östlichste Stadt, der Himmel finster blieb. Wenige Minuten später bemerkten auch die Bewohner von Hoyerswerda, Meißen, Dresden, Pirna, Freital und Heidenau die ewige Dunkelheit über ihren Köpfen. Was zu dieser Zeit in den Köpfen vorging, ist derzeit noch Gegenstand polizeilicher Untersuchungen.

Bei Twitter trendete schon bald der Hashtag #ostfinsternis.

Um 9:10 äußerte sich erstmals der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). In einer Fernsehansprache, die live im ZDF bei „Volle Kanne“ ausgestrahlt wurde, wirkte er Gerüchten entgegen, die Sonne sei an der sächsischen Staatsgrenze für einen Wirtschaftsflüchtling aus Asien gehalten worden, der sich auf Kosten deutscher Rentner und deutscher Arbeiter am Himmel ausruhen wollte.

Ferner habe niemand die Absicht, einen Grenzzaun zu errichten, der die Sonne von künftigen illegalen Grenzübertritten abhalten sollte.

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) kritisierte derweil die Sonne für ihre Undankbarkeit gegenüber der sächsischen Bevölkerung.

"Sie versteckt sich manchmal hinter den Wolken, hat erstaunlicherweise das Geld, um Hunderte von Kilometern am Himmel über Deutschland zu reisen. Sie streikt, wenn ihr die Luftdrucklinien zu dicht beieinander liegen, sie macht Ärger, weil ihr die Ozonschicht nicht gefällt. Neulich hat sie sich sogar mit dem Mond geprügelt!“

Und der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) brachte „Transitzonen“ für die Sonne ins Gespräch. Wo man allerdings die Sonne unterbringen solle, bis man über ihre rechtmäßige Einreise nach Deutschland entschieden habe, ließ Söder offen. Ebenso, wo diese Halle entstehen solle, in der die Sonne warten müsste. „In Bayern haben wir freilich keinen Platz dafür“, so Söder.

Die Gründe für das Verschwinden der Sonne kannte zu diesem Zeitpunkt niemand. Kaum ein Spitzenpolitiker hatte je mit ihr persönlich gesprochen. Kaum ein „besorgter Bürger“ pflegte Kontakt zu ihr, obwohl sie ja immer da war.

Um kurz nach elf wurde die Sonne dann endlich gesichtet: Sie war im Nordwesten Deutschlands bei Cuxhaven aufgegangen und setzte von dort aus ihren Weg auf der Himmelsbahn fort.

Ein Team von Forschern versuchte sofort, Verbindung zur Sonne herzustellen. Die meldete sich kurze Zeit später, mit leicht verschnupfter Stimme, im Kontrollzentrum der Wissenschaftler zurück.

„Deutschland an Sonne, Deutschland an Sonne! Wir wären dir sehr dankbar, wenn du uns verraten könntest, warum du heute Morgen einen großen Bogen um Sachsen gemacht hast. Deutschland an Sonne, Deutschland an Sonne, bitte kommen.“

„Liebes Deutschland“, sagte die Sonne. „Du bist ein schönes Land, und gerade im Herbst ist es mir eine Freude, mit meinen Strahlen über den bunten Blättern zu scheinen. So friedlich wirkst du tagsüber. Doch gestern Abend hat mir der Mond verraten, was er in Dresden gesehen hat.“

„Deutschland an Sonne: Was hat dir der Mond denn erzählt?“

„Er hat mir vom Pegida-Umzug erzählt. Und von den Parolen dort. Und selbst der Mond wünschte diesen Gestalten ewige Finsternis.“

„Deutschland an Sonne: Das ist doch nur eine Minderheit!“

„Alle, die gestern Abend vom Licht gesprochen haben, wurden als Gutmenschen verspottet. Und wer von einem wärmeren Land träumte, wurde mit dem Tode bedroht. Wenn die Sachsen mich vermissen, sollen sie doch ein Lagerfeuer anzünden und im Kreis darum tanzen. Irgendwann werden sie schon merken, wie allein man sich fühlt, wenn man sich im eigenen Weltschmerz suhlt und aus Dummheit und Daffke anfängt, andere Menschen zu hassen. Übrigens: Heißt dieser Rummelplatz-Putin bei euch da unten tatsächlich Lutz Bachmann?“

„Deutschland an Sonne: Ähm, ja, schon. Okay, da können wir wohl nichts machen. Aber was für einen Reim sollen nur unsere Schulkinder demnächst lernen?“

„Tauscht einfach die Himmelsrichtungen aus. Ich bin jetzt im Osten nie zu sehen und gebe dem Norden mal eine Chance. Ach ja, und lasst den Söder und den Seehofer wissen, dass ich sie genau beobachte. Sonst kennen sie ihre geliebten Alpen-Sonnenuntergänge bald nur noch von Postkarten. Wo alle guten Argumente umsonst sind, hilft vielleicht die Kraft der Natur.“

Und dann brach der Kontakt ab.

Erste Straßenumfragen in Dresden ergaben übrigens, dass die Sachsen sehr wohl bereit sind, ohne die Sonne auszukommen.

„Wir hatten ja auch früher nüscht, woher denn auch?“

„Wenn wir der Sonne nicht mehr fein genug sind, dann soll sie eben aus Sachsen verschwinden!"

"Und wer muss dafür wieder zahlen? Wir alle, nu."

"Weg mit dem Dreck!"

„Wir sind das Volk!“

Stand-Up Comedian Imaani Brown: Ein Iraner rechnet mit unserer Flüchtlingspolitik ab

2015-08-06-1438870629-2559366-10000.png

200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not


Hier geht es zurück zur Startseite