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13/10/2015 16:33 CEST

Landräte zur Flüchtlingskrise: "Unsere Kapazitäten sind erschöpft"

Fünf Landräte wenden sich in einem gemeinsamen Brief nach Nordrhein-Westfalen.
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Fünf Landräte wenden sich in einem gemeinsamen Brief nach Nordrhein-Westfalen.

Die Zahlen der eingereichten Asylanträge steigen. Im September waren es zuletzt über 40.000 Erstanträge in ganz Deutschland. Besonders drastisch ist die Lage derzeit in Nordrhein-Westfalen.

Bert Rasthaus, der erste Bürgermeister des Bundeslandes teilte der zuständigen Bezirksregierung mit, dass er bald den ersten Bus wegen Überlastung abweisen müsse. Bereits vor Wochen stellte die Bezirksregierung in Köln "eine krisenhafte Zuspitzung der Anzahl der neuankommenden Flüchtlinge im Land Nordrhein-Westfalen vor."

In einem gemeinsamen "SOS"-Brief wenden sich nun fünf Landräte an Kanzlerin Merkel und Hannelore Kraft, die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen. Die Verfasser sind Karl Schneider, Eva Irrgang, Thomas Gemcke und Frank Beckehoff von der CDU sowie Andreas Müller von der SPD.

Der Grund für das Schreiben ist " der massive, immer schneller steigende und offenbar nicht mehr kontrollierte Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland." Alleine im September seien es 164.000 Flüchtlinge gewesen die Asyl in Deutschland gesucht haben. Teilweise kamen sogar 10.000 Flüchtlinge pro Tag.

Die Politiker skizzieren die aktuelle Situation in Nordrhein-Westfalen: "Unsere Kapazitäten sind erschöpft, die Helfer längst an ihre Leistungsgrenze gestoßen.Es gelingt uns immer weniger, Betreiber für Notunterkünfte zu gewinnen. Die Kapazitäten aller Hilfsdienste und -organisationen sind weitgehend ausgeschöpft.Geeignete Sicherheitsdienste, Anbieter für die Verpflegung der Flüchtlinge und zur Herrichtung der Unterkünfte sind kaum noch zu finden"

Es sei nicht möglich die bisherige Praxis aufrecht zu erhalten und binnen kürzester Zeit mehrere hundert Zusatzplätze in Notunterkünften zu stellen, so heißt es weiter. Es sei wichtig neben optimistischen "Wir schaffen das"-Botschaften auch klar zum Ausdruck zu bringen, dass die Aufnahmekapazitäten und Möglichkeiten begrenzt seien.

Per Amtshilfe werden immer mehr Kommunen in die Pflicht genommen. Obwohl das nordrhein-westfälische System bereits seit Sommer erschöpft ist. Die Kommunen betreiben mittlerweile mehr als 200 Amtshilfe-Notunterkünfte für das Land, die Aufnahme und Erstversorgung der ankommenden Flüchtlinge funktioniert nur dank dem Engagement von Städten und Kreisen die im Dauereinsatz für die Notfallhilfe zuständig sind. Irgendwann erreichen jedoch selbst die Kommunen-Kapazitäten ihr Maximum wie der Brief nun zeigt.

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