POLITIK
12/10/2015 07:05 CEST | Aktualisiert 12/10/2015 08:05 CEST

Wladimir Putin verrät, was er in Syrien wirklich will - für Syrien ist das keine gute Nachricht

dpa

Russland fliegt seit Wochen Angriffe in Syrien. Bisher rätselte die Welt, was Wladimir Putin genau mit seinem Eingreifen in den Konflikt bezweckt. Jetzt hat Putin dem staatlichen TV-Sender Russland 24 ein Interview gegeben und seine Absichten erklärt. Ganz nebenbei hat Putin dabei seinen größten Gegner verhöhnt - die USA.

1. Was Putin in Syrien will

"Unsere Aufgabe ist, die legitime Regierung zu stabilisieren und die Voraussetzungen für einen politischen Kompromiss zu schaffen", sagte er. Konkret bedeutet das, dass Putin den syrischen Diktator Baschar al-Assad stärken will. Und zwar solange, bis er in der Situation ist, zu verhandeln.

2. Wie Putin sein Ziel erreichen will

"Natürlich wollen wir das mit militärischen Mitteln erreichen. Die internationalen Terroristen haben kein Interesse an Verhandlungen mit der syrischen Regierung, die in ihrer eigenen Hauptstadt eingeschlossen ist." Gefragt, ob Russland eine Bodenoffensive plane, sagte Putin: "Nein, das werden wir nicht tun und unsere syrischen Freunde wissen das auch."

3. Putin will sich nicht einer westlichen Anti-Terrorkoalition anschließen

Russland wird den Kampf in Syrien alleine führen, sagte Putin. "Es geht hier auch nicht um Außenpolitik. Die russische Außenpolitik ist sehr friedliebend. Wenn Sie sich die Weltkarte ansehen, dann sehen Sie, dass Russland kein Bedarf an neuem Land oder Rohstoffen hat."

4. Putin will erfolgreicher sein als die USA

Putin sagte in dem Interview, dass die 500 Millionen Dollar, die die USA für den Kampf in Syrien aufgewendet hat, bei Russland besser aufgehoben gewesen wären. "Wir hätten den internationalen Terrorismus damit besser bekämpft als die USA." An die USA gerichtet, sagte Putin: "Ihr operiert seit mehr als einem Jahr illegal in Syrien. Gebt uns doch einfach die Ziele durch und wir kümmern uns darum." Putin verhöhnt mit diesem Satz den Einsatz der USA in Syrien.

5. Was ist von Putins Worten zu halten?

Der Westen muss sich nach den offenen Worten von Putin durchaus Sorgen machen. Er stellt sich als Einzelkämpfer dar, der Assad den Weg an den internationalen Verhandlungstisch freibomben will. Ist Assad dank des russischen Einsatzes einmal dort angekommen, wird er seine oder die Macht seines Clans in Syrien festigen können. Syrien wäre damit genau wieder in der Lage, in der es vor dem blutigen Bürgerkrieg war, der in den vergangenen Jahren Hunderttausende Menschen das Leben kostete.

Hintergrund zur Lage in Syrien:

Die Unterstützung der russischen Luftwaffe zeigt Wirkung. In den vergangenen Tagen erzielte die Armee des syrischen Machthabers Baschar al-Assad Geländegewinne gegen ihre Gegner. Sie eroberte die strategisch wichtigen Orte Tel Skak und Atschan in der zentralen Provinz Hama zurück, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mitteilte. Die Einnahme der Städte sei für die Regierungstruppen wichtig, da sie dadurch näher an die Stadt Chan Scheikun rücken, eine Hochburg des Al-Kaida-Ablegers Al-Nusra-Front in der Provinz Idlib.

Die Al-Nusra-Front hatte die Stadt 2014 eingenommen. Dadurch erlangte sie Kontrolle über einen Teil einer Schnellstraße, die die Hauptstadt Damaskus mit der Mitte und dem Norden des Landes verbindet.

Die Regimekräfte setzten auch am Sonntag ihren Vormarsch in Hama fort. Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter eroberten sie zusammen mit Hisbollah-Einheiten aus dem Libanon die Stadt Al-Bahsa im Nordwesten der Provinz von islamistischen Rebellen zurück.

Die syrische Armee und Verbündete hatten am Mittwoch eine Großoffensive gegen Rebellen in den Vororten der Provinzhauptstadt Hama gestartet. Unterstützt werden sie von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah und Russland. Das russische Verteidigungsministerium berichtete am Wochenende über Dutzende neuer Luftangriffe in Syrien. Mehr als 60 Ziele in den Provinzen Hama, Latakia, Idlib und Al-Rakka seien getroffen worden, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow am Sonntag in Moskau.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) ist in Syrien auch hoch entwickelte russische Streumunition eingesetzt worden. Hinweise darauf seien in dem Dorf Kafr Halab nahe Aleppo nach einem Luftangriff vor einer Woche gefunden worden, teilte HRW am Sonntag mit. Unklar sei, ob die Munition von russischen oder syrischen Einheiten eingesetzt worden sei.

Mit Material der dpa

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