POLITIK
12/10/2015 12:42 CEST | Aktualisiert 12/10/2015 14:30 CEST

8 Beweise, dass sich ein Land durch Masseneinwanderung für immer verändert

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Immer wieder ist das Wort „Angst“ in der Debatte um den Zuzug von Flüchtlingen zu hören. Es ist von einer „Last“ die Rede, die bewältigt werden muss, und von „Grenzen der Belastungsfähigkeit“.

Viele Deutsche denken, dass Zuwanderung eine „Zumutung“ oder ein „Problem“ sei, dessen Bewältigung viel Kraft koste.

Dass Zuwanderung aber auch sehr viele positive Aspekte haben kann, verkennen viele.

Dabei gibt es in Vergangenheit und Gegenwart unzählige Geschichten von Ländern, die von Masseneinwanderung glänzend profitiert haben. Und solche, die in Zukunft dringend auf stete Massenzuwanderung angewiesen sein werden, um ihren Wohlstand zu erhalten.

Die Huffington Post nennt acht Beispiele von Ländern, die durch Masseneinwanderung für immer zum Guten verändert wurden.

1. Franzosen halfen einst, blühende Landschaften in der Mitte Deutschlands zu schaffen

Während des Dreißigjährigen Krieges hatte besonders die Mitte Deutschlands extrem unter den Kämpfen gelitten. Aus Dörfern wurden „Wüstungen“. Ganze Landstriche wurden durch Kriegsgräuel und Krankheiten entvölkert.

Zahlreiche Landesfürsten luden daher die aus Frankreich vertriebenen Hugenotten ein, bei ihnen zu siedeln.

Besonders eifrig waren die Preußen, sie nahmen mehr als 20.000 Glaubensflüchtlinge aus dem Nachbarland auf. Für die damaligen Verhältnisse eine gewaltige Zahl. In Berlin zeugen zahlreiche Familien- und Straßennamen von diesem Erbe.

Doch auch in Mittelstaaten wie Hessen-Kassel wurden ganze Dörfer mit französischen Protestanten neu besiedelt. Ein bekanntes Beispiel ist der Frankenauer Stadtteil Louisendorf, wo sich die Bürger noch bis Ende des 20. Jahrhunderts untereinander auf Französisch verständigten.

2. Ohne Zuwanderung hätte es den Aufstieg Deutschlands zur Wirtschaftsweltmacht nie gegeben

Grundsätzlich sind große Einwanderungswellen für die Zielländer ein positives Zeichen. Wenn Menschen ihre alte Heimat verlassen, um sich anderswo eine neue Existenz aufzubauen, ziehen sie logischerweise dort hin, wo die Zukunftschancen am größten sind.

Nicht selten sorgen die Migranten dafür, dass der wirtschaftliche Aufschwung in ihrer neuen Heimat weiter anhält oder sich verstärkt. Denn sie bringen neue Arbeitskraft ins Land und sorgen somit dafür, dass die Industrie weiter wachsen kann.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Kohlebergbau an Rhein und Ruhr im 19. Jahrhundert. Durch technische Neuerungen, aber auch durch den Wirtschaftsboom nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, stieg der Bedarf nach Arbeitskräften in den Zechen sprunghaft an.

Weder die heimische Bevölkerung noch die aus anderen Teilen des Deutschen Reiches zugewanderten Menschen konnten die Nachfrage decken. So wanderten bis 1910 etwa 500.000 Polen aus dem Russischen Reich und Masuren ins Ruhrgebiet ein.

Ohne diese „Wirtschaftsflüchtlinge“ wäre der Aufstieg Deutschlands zu einem der wirtschaftlich bedeutendsten Staaten der Welt kaum denkbar gewesen.

3. Und Russland sähe heute womöglich ganz anders aus

Als Ende des 18. Jahrhunderts tausende Royalisten vor dem Revolutionsterror aus Frankreich flohen, profitierte auch das Zarenreich von den meist gut gebildeten französischen Flüchtlingen.

Einer von ihnen, Armand Emmauel du Plessis, brachte es in der russischen Armee bis zum General. Im Jahr 1803 wurde er zum Reichsstatthalter von Kherson, Jekaterinoslaw und der Krim ernannt. Der gebürtige Franzose sorgte in der Folge für den Aufstieg der neugegründeten Stadt Odessa zu einer der wichtigsten Metropolen im Reich.

Außerdem lockte du Plessis deutsche Einwanderer ans Schwarze Meer. Daraus entstand die Minderheit der „Schwarzmeerdeutschen“, die bis zum Zweiten Weltkrieg in der Region siedelte.

4. Ohne die Massenauswanderung von Deutschland nach Amerika im 19. Jahrhundert wären die USA ein ganz anderes Land

Nicht nur, dass etwa 60 Millionen Amerikaner deutsche Wurzeln haben. Dass bedeutende Brauereien wie Miller und Bush von Deutschen begründet wurden, Lebensmittelkonzerne wie Heinz oder Technologieunternehmen wie Boeing.

Die USA haben auch in anderer Hinsicht von dem Massenansturm deutscher Wirtschaftsflüchtlingen im 19. Jahrhundert profitiert. Im amerikanischen Sezessionskrieg von 1861 bis 65 dienten Hunderttausende Deutsche als Soldaten.

Die allermeisten davon in den Nordstaaten – hier lebten gut 95 Prozent aller Deutschen, die nach 1848 ausgewandert waren. Zehn Prozent der Soldaten, die für US-Präsident Abraham Lincoln und dessen Idee eines freien und gleichen Amerikas in den Krieg zogen, waren in Deutschland geboren.

5. Schon seit 50 Jahren helfen Zuwanderer, die niedrige Geburtenrate in Deutschland auszugleichen

Seit gut fünf Jahrzehnten schon sinkt die Geburtenrate in Deutschland. Die Kinder aus dem geburtenstärksten Jahrgang der jüngeren deutschen Geschichte sind mittlerweile 51 Jahre alt – heute kommen etwa halb so viele Kinder zur Welt wie 1964.

Eigentlich hätte sich die sinkenden Kinderzahlen schon längst sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich bemerkbar gemacht. Dass Deutschland heute aber gut sieben Millionen Einwohner mehr hat als noch Mitte der 60er-Jahre liegt auch daran, dass Deutschland seitdem von zahlreichen Einwanderungswellen profitiert hat.

Die „Gastarbeiter“ aus dem Mittelmeerraum, „Spätaussiedler“ aus Rumänien, Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei, Ostoberschlesier, Russlanddeutsche, Bürgerkriegsopfer aus dem ehemaligen Jugoslawien – und zuletzt Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Afrika.

Sie alle haben dazu beigetragen, die Zukunftsfähigkeit dieses Landes zu erhalten. Ohne seine Einwanderer wäre Deutschland nicht nur viel älter, sondern womöglich noch viel mutloser, als das ohnehin bisweilen schon der Fall.

6. Zuwanderer machten die Schweiz zu einem reichen Land

Die Schweiz profitiert seit gut drei Jahrzehnten von einer stetig wachsenden Zuwanderung aus dem Ausland – wenngleich es auch bei den Eidgenossen Angstmacher gibt, die bei allzu vielen Bürger Gehör finden.

Von 1990 bis 2014 wuchs die Gesamtbevölkerung des Landes um gut ein Viertel – zum größten Teil durch den Zuzug von außerhalb. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf verdreifachte sich beinahe, laut Zahlen der Weltbank.

Laut einer OECD-Studie von 2013 bringt jeder Zuwanderer der Schweiz 15.000 Euro mehr an Steuereinnahmen, als er durchschnittlich durch Transferleistungen erhält. Pro Jahr.

7. Ohne ausländische Mediziner und Krankenschwestern wäre das westliche Gesundheitssystem schon längst am Ende

Laut des „International Migrant Outlook 2015“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) arbeiten in den klassischen Einwanderungsländern der westlichen Welt mittlerweile so viele Mediziner und Krankenschwestern ausländischer Herkunft, dass ohne sie das Gesundheitssystem in seiner jetzigen Form kaum vorstellbar wäre.

In den USA etwa stieg seit 2001 der Anteil an im Ausland geborenen Krankenschwestern um 44 Prozent an, in Deutschland immerhin um 15 Prozent. Der Anteil an ausländischen Ärzten wuchs im gleichen Zeitraum in Deutschland um 16 Prozent, in Großbritannien gar um 20 Prozent.

Das ist umso bemerkenswerter, weil der Bedarf an medizinischen Fachpersonal in den kommenden Jahren in der gesamten westlichen Welt aufgrund der alternden Bevölkerungen steigen wird.

8. Ohne Zuwanderung droht in Zukunft vielen westlichen Staaten der Kollaps ihrer Sozialsysteme. Beispiel: Japan.

Japan ist ein Land mit einem ähnlich krassen demografischen Problem wie Deutschland, aber ohne nennenswerte Zuwanderung. Von 127 Millionen Einwohner haben kaum mehr als drei Millionen einen ausländischen Pass.

In Japan mangelt es mittlerweile nicht mehr nur an Fachkräften. Die Steuereinnahmen sinken – ganz im Gegensatz zu Deutschland. Und die Sicherung der Renten ist bereits jetzt ernsthaft in Gefahr. Werden bis 2050 nicht 17 Millionen neue Arbeitskräfte gefunden, droht nach Berechnungen der Vereinten Nationen das Rentensystem zu kollabieren.

Angesichts konstant niedriger Geburtenraten müsste Japan jährlich 500.000 Einwanderer aufnehmen, um massenhafte Altersarmut zu verhindern. Doch das wird nicht passieren – weil die politische Elite Japans viel zu kulturkonservativ denkt. Die „Zeit“ titelte vor den Parlamentswahlen 2012: „Japan: Alt und ausländerfeindlich“. Daran ist leider vieles wahr.

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