POLITIK
12/10/2015 10:34 CEST

Grünen-Politiker zur Gewalt zwischen Türken und Kurden in Deutschland: "Sicherheitsbehörden sollten achtsam sein" (HUFFPOST-EXKLUSIV)

dpa

Mit dem Bombenanschlag in Ankara hat die Gewalt in der Türkei eine neue Dimension erreicht. Mindestens 97 Menschen starben, als zwei Bomben am Samstagmorgen bei einer Friedensdemonstration in der türkischen Hauptstadt detonierten. Die Kurdenpartei HDK sieht sich und ihre Anhänger als Ziel des Anschlags und macht der Regierung unter Premierminister Recep Erdogan schwere Vorwürfe.

Politiker und Verbände befürchten nun auch Gewalt in Deutschland. "Die Stimmung unter den Türken und Kurden in Deutschland ist angespannt und sehr gereizt. Es ist zu befürchten, dass die Eskalation der Gewalt in der Türkei auch Auswirkungen auf das Zusammenleben der Türken und Kurden in Deutschland haben könnte", sagte der Abgeordnete der Grünen im Bundestag, Özcan Mutlu, der Huffington Post. Die Sicherheitsbehörden seien gut beraten, achtsam zu sein, warnte der Grünen-Politiker.

Schwelende Konflikte könnten durch den Anschlag wieder hochkochen. Mutlu rief daher die türkische und die kurdische Gemeinde dazu auf, sich nicht provozieren zu lassen und jeglicher Eskalation in Deutschland entgegenzuwirken. "Meine Hoffnung ist, dass mit den Wahlen am 1. November in der Türkei diese Gewaltspirale endlich ein Ende findet", sagte er.

Eine Warnung kam bereits von der Türkischen Gemeinde in Deutschland. "So wie die Stimmung jetzt gerade in der Türkei ist, befürchte ich eine weitere Eskalation auch hier", sagte der Vorsitzende Gökay Sofuoglu der "Berliner Zeitung". In den sozialen Medien beobachte er Aufrufe zu nicht genehmigten Demonstrationen, sagte Sofuoglu. Anhänger der verbotenen kurdischen PKK riefen zur Vergeltung für das Attentat in Ankara auf.

Bisher hat sich niemand zu dem Bombenanschlag bekannt. Die türkische Regierung verdächtigt die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), hinter dem Anschlag zu stecken. Beweise dafür gibt es noch keine. Gestern gingen in der ganzen Türkei Tausende Menschen auf die Straße, um gegen die Regierung Erdogans zu demonstrieren, die ihrer Ansicht nach Schuld sind an dem Anschlag bzw. nicht in der Lage waren, ihn zu verhindern.

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