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12/10/2015 14:38 CEST | Aktualisiert 11/11/2015 07:57 CET

Amaranth: Superfood, Pseudogetreide und Nährstofflieferant

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Amaranth - das Wunderkorn aus Südamerika

Amaranth (oder auch Amarant) - die kleinen Samen gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Die Samen aus Südamerika sind nicht nur glutenfrei und vegan, sondern tauchen auch noch in verschiedensten Variationen auf. Amaranth wird oft als "Powergetreide" bezeichnet, dabei ist es eigentlich gar kein Getreide.

Es gibt so viel, was ihr über Amaranth wissen solltet: Zum Beispiel die überragenden Nährstoffe, wo er herkommt und was man mit ihm alles kochen kann.

Das bedeutet “Amaranth“

Woher Amaranth stammt, ist unklar: Entweder er kommt aus dem Griechischen oder aus der deutschen Lautschrift: “Amaraino“ bedeutet “unvergänglich“. Das Pseudogetreide wurde schon sehr früh erwähnt, zum Beispiel von Plinius dem Älteren im ersten Jahrhundert nach Christus. In der Andenregion ist er unter dem Namen “Kiwicha“ bekannt, die Azteken nannten in “Huautli“.

Von der Krautpflanze gibt es über 60 Arten, die auf der ganzen Welt wachsen. Nur in der Antarktis findet man sie nicht. Amaranth (oder Amarant) mag es lieber warm: Die Pflanzen wachsen in Steppengebieten, Öd- und Kulturland. In Nordamerika gibt es mit etwa 38 Arten die größte Artenvielfalt.

In Europa sind eigentlich nur zwei Arten heimisch, Amaranthus graecizans und Amaranthus blitum subsp. Oleraceus Costea. Alle anderen Arten wurden aus der neuen Welt eingeschleppt. Jetzt gibt es in Europa zum Beispiel auch den “weißen Amaranth“, den “grünährigen Amaranth“ oder den “westamerikanischen Fuchsschwanz“.

Südamerika als Ursprung des Wundermittels

Die Pflanze ist eine der weltweit ältesten Nutzpflanzen. Schon vor mehreren tausend Jahren wurden die Samen in Gräber gelegt. Bei den Inkas und Mayas waren sie sogar zusammen mit Quinoa und Mais das Hauptnahrungsmittel. Für die Azteken war es wertvoller als Gold und wurde in religiösen Ritualen benutzt.

Im 16. Jahrhundert haben die Spanier den Anbau verboten: Die Samen hatten eine religiöse Bedeutung und wurden, zusammen mit Menschenblut, Teil von Zeremonien. Nachdem das Verbot aufgehoben wurde, wusste man mehrere Jahrhunderte nichts von seiner Wirkung.

Carl von Linné hat schon 1753 in seinem Buch “Species Plantarum“ dem Amaranth seinen Namen gegeben: Amaranthus L. Er gehört zu den Fuchsschwanzgewächsen und seine Samenform erinnert sehr an Hirse. Diese feinkörnigen Samen werden vorrangig als Nahrung genutzt. In vielen Ländern werden aber auch die Blätter gegessen.

Foliage- Sidewalk Series, L.A. Hollywood Texture Tarantula. #AmaranthPlant. #Amaranth

Ein von Melody Davis (@melodydoves) gepostetes Foto am


So wird Amaranth angebaut

Die meisten Arten sind einjährig. Das heißt von der Samenbildung, über die Blühzeit und Reifung der neuen Samen dauert es nur eine Vegetationsperiode. Zum Keimen braucht Amaranth warme Temperaturen und nährstoffreiche Böden. Deshalb findet man die Pflanze vor allem in Regionen mit spät angebauten Pflanzen wie Mais oder Wein.

Der Mais ist zum Beispiel auch dafür verantwortlich, dass sich Amaranth so weit ausbreitet. Er wird immer weiter im Norden angebaut: Er kommt als Unkraut mit auf den Acker. Der Anbau im eigenen Garten ist also sehr einfach, da es in Europa keine Schädlinge oder Krankheiten gibt, die der Pflanze schaden.

Die Pflanze wird in einem Jahr zwischen 50 Zentimeter und zwei Meter hoch und dafür braucht sie nicht einmal viel Wasser. Sie kann auch in höheren Höhen wachsen, viele Arten sind aber nicht frostresistent.

Was haben Getreide, Quinoa und Hirse damit zu tun?

Bei Garten- und Rispen-Fuchsschwanz kann man die Samen wie Getreide verwenden. Aber eigentlich ist das Superfood ein Pseudogetreide: Das heißt, es sieht zwar so aus wie Getreide und wird auch so verwendet, gehört aber nicht, wie andere Getreidesorten, zu den Süßgräsern.

Quinoa und Amaranth werden als “Wunderkörner der Anden“ bezeichnet. Sie waren beide bei den Inkas sehr beliebt und haben nahezu dieselben Inhaltsstoffe. Quinoa hat eine härtere Konsistenz, Amaranth ist eher breiartig und klebrig.

Die Amaranth-Samen ähneln Hirse-Körnern stark vom Aussehen. Darüber hinaus haben sie den gleichen Nährwert und können auf dieselbe Art und Weise verarbeitet werden.


So wirkt Amaranth

Die Samen sollen Kopfschmerzen und Migräne vorbeugen und den Körper fit und jung halten. Aber Vorsicht: Die Samen können die Entwicklung von Babys behindern. Die Kleinen können durch bestimmte Gerbstoffe im Amaranth seine Inhaltsstoffe nicht so gut aufnehmen. Deshalb sollten Kinder ihn erst ab dem zweiten Lebensjahr essen.

Eiweiß, Proteine und andere Inhaltsstoffe machen ihn so gesund

Auch wenn die Samen extrem klein sind, haben sie dennoch viel in petto: Sie haben zum Beispiel mehr Eiweiß als Soja. Es hat sowieso weitaus mehr Eiweiß und Mineralstoffe als die meisten traditionell angebauten Getreidesorten, und die sind auch noch gut bekömmlich.

Die Proteine darin sind vor allem essenzielle Aminosäuren, Calcium, Magnesium, Eisen und Zink. Die enthaltenen Kohlehydrate sind größtenteils Ballaststoffe. Zudem enthält das Superfood viele ungesättigte Fettsäuren. Und noch eine gute Nachricht: Amaranth ist cholesterinfrei.

Besonders gut für die Gesundheit ist Amaranth wegen der essenziellen Aminosäure Lysin: Davon haben die meisten Menschen zu wenig, aber im Amaranth ist erstaunlich viel enthalten. Zudem hat es einen hohen Eisenwert, was gerade für Schwangere optimal ist, denn sie leiden oft an einer Eisenmangelanämie.

Auch für an Zöliakie Erkrankte ist es ein geeigneter Getreideersatz, da er kein Gluten enthält. Gluten ist ein Klebeeiweiß, das in allen Getreidesorten wie Weizen oder Roggen zu finden ist. Menschen mit Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit können auf Amaranth als Getreideersatz zurückgreifen.

Die Samen gibt es als Mehl, gepoppt, gepufft und als Öl

Kaufen kann man Amaranth eher in Bioläden oder Läden, die Naturkost anbieten. Dort gibt es das Pseudogetreide dann auch als Korn, Mehl oder als gepoppte Variante. Die Preise unterscheiden sich auch stark, je nachdem, ob man die Samen oder die gepuffte Variante wählt. Ein Kilo der Samen kostet zwischen fünf und 15 Euro, gepufft gibt es das Kilo ab zehn Euro.

Das Mehl des Pseudogetreides eignet sich zum Beispiel zum Backen. Am Besten ist es, wenn man ungefähr 50 Prozent Amaranth-Mehl mit glutenhaltigem Mehl mischt. Dem Pseudogetreide fehlt nämlich das Klebeeiweiß Gluten, das dafür sorgt, dass der Teig locker wird. Das Öl kann man sowohl für das Essen, als auch als Kosmetikprodukt benutzen.

Amaranth kann man auch gepoppt kaufen. Vor allem Bio- und Naturkostläden verkaufen es in dieser Form, zum Beispiel in Müslis. Natürlich kann man das Pseudogetreide auch selbst aufpoppen lassen: Einfach die Körner in einem Topf erhitzen und schon hat man gesundes Popcorn. Tipp: Mit bereits gepoppten Samen aus dem Bioladen funktioniert es noch besser.

Die leckersten Rezepte

Das Brot ist vegan: Man bereitet es ohne Milch oder Ei zu. Dafür braucht man nur einen Sauerteig aus Amaranth, Zucker, Hefe, mehreren Gewürzen, Kernen und Öl. Nach zwei Stunden backen ist das vegane Brot auch schon fertig.

Für die Gemüsepfanne braucht man neben Margarine und Öl auch Karotten, Lauch, Walnüsse und Petersilie. Nachdem der Amaranth 45 Minuten lang gekocht wurde, muss das Gemüse noch zehn Minuten garen und schon ist die Gemüsepfanne fertig. Dieses Gericht ist perfekt für Kreative, da das Gemüse beliebig variiert werden kann.

Für die Naschkatzen gibt es zum Beispiel Kokos-Amaranth-Plätzchen: Dazu braucht man neben den Samen noch Öl, verschiedene Zucker, Eier, Dinkel, Backpulver und Salz. Die gekneteten Teigkugeln müssen 15 Minuten gebacken werden.

Das gibt es auch mit dem Superfood:

  • Müsliriegel
  • Ofenkartoffel mit Soße
  • Rindfleischcurry
  • Knabberstangen


So wird das Wunderkorn zubereitet

Amaranth kann sowohl in pikanten, als auch in süßen Gerichten gut schmecken. Man muss die Körner nur vorher sieben und abwaschen: Wenn es unter fließendem Wasser nicht mehr schäumt, sind die Bitterstoffe abgewaschen. In etwa doppelt so viel warmen Wasser kann man die Samen kurz aufkochen und nachquellen lassen. Dann kann er in der Pfanne, als Auflauf oder im Salat verarbeitet werden.

Die Blätter des Fuchsschwanzgewächses kann man wie Gemüse essen: Sie schmecken leicht nach Spinat. Besonders gut schmecken sie in Salaten und Suppen.

Wenn man den Amaranth zu Mehl verarbeiten will, sollte man die Körner erst kurz vor der Weiterverarbeitung schroten, weil es sonst schnell ranzig wird.

Babynahrung, Brot und Bier

Amaranth findet man heutzutage auch in Babynahrung, zum Beispiel in Brot, Gebäck oder Müsli. Aber auch in Kuchen, Nudeln und Wurstwaren, sowie Riegel und Snacks. Hobbybrauer versuchen, daraus auch Bier herzustellen. Damit gibt es zum Gerstensaft auch eine glutenfreie Variante. Im Großen und Ganzen kann Amaranth eigentlich mit jedem erdenklichen Gericht kombiniert werden.

Ohhhh my goodness, this sounds divine!!! #amaranth

Posted by The Soul of Health on Freitag, 4. September 2015


Vegetarier und Veganer lieben das Korn wegen seiner Nährstoffe

Amaranth ist natürlich rein pflanzlich, daher ist es vor allem für Vegetarier und Veganer geeignet. Es ist sogar richtig gut: Amaranth ist im Vergleich zu Getreide extrem proteinreich, auch wenn es nur ein Pseudogetreide ist. Mit circa 18 Prozent Eiweiß kann der tägliche Bedarf gedeckt werden.

Für das Pseudogetreide gibt es allerlei Rezeptvorschläge im Internet zu finden. Ganz ohne ist es jedoch nicht: 100 g Amaranth hat ungefähr genauso viele Kalorien, wie dieselbe Menge Gummibärchen, also etwa 370 Kalorien pro 100 Gramm. Die Angaben schwanken aber je nach Produkt: Meist enthält er knapp 50 Gramm Kohlehydrate mit wenig Zucker. Darüber hinaus hat Amaranth viele Proteine: Circa 15 Gramm. Sicher ist, dass keines der Produkte Cholesterin enthält.

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