POLITIK
11/10/2015 17:20 CEST | Aktualisiert 11/10/2015 18:20 CEST

Buschkowsky: 4 Visionen zur Zukunft Deutschlands mit Flüchtlingen

dpa
Heinz Buschkowsky

Was Heinz Buschkowsky sagt, ist umstritten, findet aber immer Gehör. Weil der Ex-Bürgermeister von Berlin-Neukölln weiß, wie man etwas sagen muss, damit es beachtet wird. Gerade die Positionen Buschkowskys beim Thema Integration polarisieren. Er hat da eine Sicht auf die Dinge, mit der er oft aneckt – auch und vor allem in seiner eigenen Partei, der SPD.

Jetzt hat er sich mal wieder geäußert, und zwar zur Flüchtlingskrise. Im Interview mit der "Welt" schilderte er seine Vision von Deutschlands Zukunft mit Zuwanderern. Wir haben 4 Prognosen herausgesucht, die ihr gehört haben, aber auch mit Vorsicht genießen solltet.

1. Buschkowsky rechnet mit 10 Millionen Flüchtlingen

"Heute ist eine Million Flüchtlinge im Land. Pro Flüchtling ziehen etwa drei bis vier Personen nach – konservativ gerechnet. Manche gehen sogar von wesentlich höheren Zahlen aus. Aus dieser einen Million werden ziemlich zügig also vier bis fünf. Aufgrund der EU-Prognose gehe ich von acht bis zehn Millionen Flüchtlingen bis 2020 in Deutschland aus. Das ist eine ganz unaufgeregte Rechnung anhand der vorliegenden Fakten."

2. Buschkowsky erwartet, dass Flüchtlinge die deutsche Kultur verändern

"Deutschland wird verändert, ohne dass es jemand merkt. Zehn Millionen Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen von Afghanistan bis Somalia bringen andere Sichtweisen und Lebensarten mit. Sie werden zu Impulsen in die herrschende Kultur. Seien es Essgewohnheiten, die Haarmode, Kleidung, Filme oder Werbung. Vieles wird sich verändern und zur Gewohnheit werden."

3. Buschkowsky: Es wird muslimische Parteien geben

"Die Zahl der Muslime wird sich verdreifachen oder vervierfachen. Ihr politisches und gesellschaftliches Gewicht wird also zunehmen. Irgendwann werden sie politische Parteien gründen, um ihre eigenen Interessen durchsetzen. Der Druck, religiöse Riten als offiziellen Bestandteil im gesellschaftlichen Leben zu etablieren, muss in einer Gesellschaft, die säkular aufgestellt ist, natürlich zu einem Spannungsfeld führen. Da sind der Ruf des Muezzin und islamische Feiertage bereits Nebenkriegsschauplätze."

Er geht noch weiter: "Der Weihnachtsmarkt wird zum Wintermarkt, um die Muslime nicht zu beleidigen. In der Schulfibel tragen kleine Mädchen Kopftuch. Diese Aufzählung ist beliebig verlängerbar. Das sind aber keine kulturellen Inspirationen, sondern der Kampf um die Dominanz im öffentlichen Leben."

4. Buschkowsky rechnet mit sozialen Konflikten und einer Anti-Asyl-Partei

"Wenn ich mit Menschen spreche, treffe ich auf Angst vor der Entwicklung. Das ist ein schlechter Ratgeber. Bislang haben die Menschen gerade im unteren Bevölkerungsdrittel Unbehagen vor einem möglichen neuen Verteilungskampf. Noch ist der nicht da. Aber sobald sie ihn tatsächlich zu spüren bekommen, wird die Stimmung kippen. Etwa, wenn die Bevölkerung das Gefühl hat, bei der Vergabe preisgünstiger Wohnungen, auf dem Arbeitsmarkt oder in der Schule ihrer Kinder benachteiligt zu werden."

Aktuell gebe es "viel heuchlerische Zustimmung", aber am Ende erwartet Buschkowsky "die Gettoisierung" der Flüchtlinge.

Wenn die etablierte Politik die Stimmungen nicht aufnehme, treibe sie die Bürger in die Arme der Extremen. "Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis sich eine neue Partei am rechten Rand bildet."

Klar ist: Auf Deutschland kommen riesige Herausforderungen zu. Einige davon spricht Buschkowsky an. Das ist sein gutes Recht.

Klar ist aber auch: Die Stimmung ist angespannt wegen der Flüchtlingskrise. Niemand soll deswegen Probleme verschweigen. Aber Menschen, deren Wort Gewicht hat, müssen aufpassen, was sie in der Öffentlichkeit sagen. Und wie sie es sagen. Welche Akzente sie setzen.

Worte vorsichtig zu wählen, hat Buschkowsky noch nie gefallen. Zum Glück haben seine Worte aber auch nicht mehr das Gewicht, das sie mal hatten.

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

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