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10/10/2015 04:37 CEST

Ich wünschte, alle Menschen wüssten diese 8 Dinge über Borderline

Frau mit Borderline
Buena Vista Images via Getty Images
Frau mit Borderline

„Der hat doch schon wieder Gefühlsschwankungen“. Ein Satz, den sie ständig zu hören bekommen. Mit dem sie klarkommen müssen. Von dem sie sich nicht fertigmachen lassen dürfen. Die Borderliner.

Es ist an der Zeit, das Bewusstsein für Borderline zu schärfen. Und Menschen, die daran leiden, nicht als launisch abzustempeln. Denn Borderline ist eine ernstzunehmende psychische Erkrankung.

Hier sind 8 Dinge, die dir Menschen mit Borderline schon immer mal sagen wollen:

1. Ich bin krank und weiß es vielleicht noch gar nicht.

Das Borderline-Syndrom ist eine Erkrankung mit vielen verschiedenen Symptomen und taucht meistens in Kombination mit anderen psychischen Erkrankungen auf. Oft geht der Betroffene nur wegen einer dieser Erkrankungen, wie etwa Essstörungen, Depressionen oder Tics zum Arzt. Der entdeckt dann oft das Borderline-Syndrom und leitet die Therapie ein.

Wenn ihr an Freunden oder Familienmitgliedern eine Persönlichkeitsstörung bemerkt, solltet ihr darüber nachdenken, den Betroffenen vorsichtig über sein Problem aufzuklären. Für eine professionelle Diagnose ist sinnvoll einen Psychiater aufzusuchen. Wenn die betroffene Person sich nicht alleine traut, könnt ihr diesen Schritt auch gemeinsam gehen.

2. Wenn es in meiner Familie normal gelaufen wäre, vielleicht wäre ich jetzt nicht krank.

Es ist noch nicht ausreichend erforscht, wodurch die Borderline-Störung entsteht. Auffallend ist: Viele der Betroffenen haben in ihrer Kindheit oder frühen Jugend schlimme Dinge erlebt.

Diese Erlebnisse reichen von geringer Zuwendung bis hin zur Gewalt. Es gibt aber auch Borderliner mit glücklicher Kindheit. Deshalb geht man davon aus, dass auch Veränderungen im Gehirn oder die Genetik das Syndrom hervorrufen.

3. Warum kommt jetzt wieder dieses miese Gefühl? Der Tag war doch so gut...

Obwohl sie es nicht wollen, sind Borderliner in der Regel sehr gefühlsflexibel. Ihre Stimmung ändert sich schlagartig von „himmelhochjauchzend“ bis zu „zu Tode betrübt“.

Sie erleben ihre Gefühlswelt sehr intensiv. Manchmal passen ihre Emotionen auch überhaupt nicht zur Situation. Das erschwert den Umgang mit ihnen. Dabei ist es wichtig, dass man vor allem aggressives Verhalten nicht persönlich nimmt, sondern als Symptom der Krankheit sieht.

4. Es gibt sieben Milliarden Menschen. Dieser Planet braucht mich nicht.

Borderliner haben meist ein gestörtes Selbstbild. Sie nehmen sich selbst oft viel negativer als ihr Umfeld wahr. Mehrere Borderliner glauben sogar, sie hätten es nicht anders verdient, als sich schlecht zu fühlen. Aus dem Schwarz-weiß-denken entwickeln sich dann Gedanken an den Tod, die bis zum Suizidversuch reichen können.

Wenn ihr bei euren Freunden diese Veränderungen bemerkt, solltet ihr auf jeden Fall professionelle Hilfe suchen. Therapeuten geben auch Tipps, wie ihr selbst helfen könnt. Wenn es für psychiatrische Hilfe zu spät ist, müsst ihr aber sofort den Notruf wählen.


5. Wenn ich alleine bin, wird alles nur noch schlimmer.

Die Angst davor allein zu sein oder verlassen zu werden, bestimmt das Verhalten von Menschen mit Borderline-Syndrom. Aufgrund ihrer Stimmungsschwankungen haben sie oft ein geringes Selbstwertgefühl. Sie denken, es ihrem Umfeld nicht recht machen können. Instabile Beziehungen belasten die Betroffenen zusätzlich.

Als Angehöriger kann man den Borderlinern Sicherheit bieten, indem man ihnen seine Gefühle offen zeigt. Dieses Verhalten bestätigt sie. Aber Vorsicht: Wer sich selbst überfordert fühlt, sollte sich lieber zurückziehen. Die jeweilige Situation beruhigt sich normalerweise recht schnell und ihr könnt in der Freundschaft dort weitermachen, wo ihr aufgehört habt.

6. Ich kann nicht aufhören, mich zu verletzen.

Wegen innerlicher Unruhe können sich Betroffene nicht entspannen. Sie brauchen den nötigen Kick, um ihr Leben unter Kontrolle zu bekommen. Oft gehen sie riskanten Hobbies nach oder verletzen sich äußerlich, um den inneren Schmerz zu unterdrücken. Viele Borderliner sind auch süchtig nach Alkohol, Drogen oder Nikotin.

Experten der "Schön Klinik" - der größten Klinik Deutschlands für das Borderline-Syndrom - empfehlen dafür einen "Notfallkoffer". Darin sind zum Beispiel ein Gummiband, Chilischoten oder Fotos. Diese Dinge helfen wieder herunter zu kommen, ohne sich selbst ernsthaft zu verletzen.

Denn Fotos erinnern an die Zeiten vor der Erkrankung. Gummiband und Chili verursachen hingegen kurze Schmerzen. Dieses Notfallkit sollte aber regelmäßig erneuert werden: Beruhigt sich etwa jemand mit Musik aus dem MP3-Player, sollten die Lieblingshits aktualisiert werden.

7. Im Stress fällt es mir schwer, mich zu öffnen.

Ein Weg zurück in die Normalität dauert lange. Ganz verschwindet das Borderline-Syndrom nie. Aber um die Symptome genau zu bestimmen, darf der Betroffene nicht gestresst sein - nur in einer Ruhesituation antwortet er zuverlässig.

Dann wertet der Therapeut die Erfahrungen aus und beginnt die Behandlung. Der Borderliner muss sich über seine eigenen Ressourcen klarwerden - also Gedanken, Handlungen, Fertigkeiten oder Einstellungen. Dadurch kann er sich selbst besser beruhigen und kontrollieren.

8. Ohne professionelle Hilfe schaffe ich das nicht.

Nur eine Therapie kann den Betroffenen langfristig helfen. Es gibt verschiedene Arten: Instrumentelle, emotionale und gedankliche Unterstützung. Experten empfehlen die sogenannte dialektische Verhaltenstherapie. Sie zeigt dem Patienten, dass er genau so in Ordnung ist, wie er ist.

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