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09/10/2015 07:18 CEST | Aktualisiert 09/10/2016 07:12 CEST

"Tatort": So wird Lorenz' letzter Fall

In dem neuen "Tatort" brennt es lichterloh
NDR/Alexander Fischerkoesen
In dem neuen "Tatort" brennt es lichterloh

Ein Flüchtling verbrennt bei lebendigem Leibe in einer verriegelten Gefängniszelle, Hände und Füße sind mit Gurten fixiert. So unglaublich das klingt, in einer ähnlichen Form ist das vor etwa zehn Jahren passiert. Der Fall von Oury Jalloh, einem Flüchtling aus Sierra Leone, ist bis heute nicht geklärt. Dass der letzte gemeinsame Fall der "Tatort"-Ermittler Falke (Wotan Wilke Möhring) und Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) ausgerechnet diese Geschichte aufgreift, scheint zum exakt richtigen Zeitpunkt zu passieren.

Das ist die Handlung

Ein afrikanischer Asylbewerber wird im niedersächsischen Salzgitter festgenommen, weil er verdächtigt wird, für eine Schleuserbande mit gefälschten Pässen zu handeln. Nachdem er nachts in seiner Zelle auf mysteriöse Weise verbrennt, ermitteln Lorenz und Falke gegen die örtliche Polizei, obwohl sie für den Fall nicht zuständig wären.

Keine Identifikationsfiguren

Das Thema könnte nicht aktueller - oder wichtiger - sein. Es ist ein glücklicher Zufall, dass der im vergangenen Dezember abgedrehte Film nun mitten in die derzeitige Flüchtlingskrise fällt. Wem zwischen Til-Schweiger-Tiraden und Angela-Merkel-Phrasen das Thema zum Hals heraushängt, dem sei versichert, dass Gutmenschen in "Verbrannt" Mangelware sind. Der Blick auf die Bewohner des Asylantenheims bleibt distanziert, doch rückt der Film den Polizisten der Kleinstadt dafür umso enger auf die Pelle, entlockt ihnen Phrasen, die man sonst von grenzdebilen "Wir sind das Pack"-Anhängern kennt. Selbst Falke lässt sich zu einer Aktion hinreißen, die ihn im Nachhinein zutiefst beschämt.

Der "Tatort" zeigt die Gefahren auf, die ohne Kommunikation und Integration lauern. Diverse Schattierungen von Rassismus auf der einen Seite und Argwohn bis hin zu latenter Aggression auf der anderen. Den Flüchtlingen selbst ein mehrdimensionales Gesicht zu verleihen oder gar eine Identifikationsfigur zu bieten, verpasst der Film jedoch.

Der Funke fehlt

Auch was die Geschichte rund um das Kernthema betrifft, finden sich Licht und Schatten in dem Krimi. Der Abschied von Falke und Lorenz trifft die leisen Töne und kann sich haarscharf an der Grenze zur Rührseligkeit bremsen, doch wirken ihre wehmütigen Gespräche, die in die Geschichte gestreut werden, deplatziert. Und der Kriminalfall selbst löst sich arg abrupt und vor allem etwas zu bequem.

Dokumentarisch habe der Film nicht werden wollen, wie Drehbuchautor Stefan Kolditz ("Nackt unter Wölfen") dem NDR sagte. Das zeigt sich überdeutlich am Ende, der größten Schwachstelle des Films. Dass kurz vor Schluss noch alle Schuldigen überführt werden können, ist auf dem Bildschirm zwar eine schöne Fantasie, hinterlässt aber einen unangenehmen Nachgeschmack. Denn ebenso wenig, wie der Fall von Oury Jalloh geklärt werden konnte, lässt sich im wahren Leben der Funke, der alles entzünden lassen kann, so einfach löschen.

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