POLITIK
09/10/2015 08:13 CEST | Aktualisiert 09/10/2015 08:56 CEST

Griechen schlagen Alarm: Rekordzahl von Flüchtlingen erreicht das Land

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Eine Rekordzahl von Flüchtlingen hat in der vergangenen Woche Griechenland erreicht. Jeden Tag kamen laut der Organisation für Internationale Migration 7000 Flüchtlinge an. Im September waren es nur 4500. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Der Grund seien die immer schlechter werdenden Wetterbedingungen. Vor allem in Mitteleuropa machen die sinkenden Temperaturen die Fluchtroute fast unmöglich.

Am Samstag will sich Antonio Guterres, UN-Kommissar für Flüchtlinge, die Lage auf Lesbos persönlich anschauen. Auf der griechischen Insel ist der Andrang besonders groß. Guterres trifft dort den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, um über die Verteilung der ankommenden Flüchtlinge auf andere EU-Länder zu diskutieren.

Die EU hat mit der Umverteilung von Flüchtlingen aus Italien und Griechenland auf andere Staaten begonnen. Als erste wurden am Freitag 19 Eritreer von Italien nach Schweden gebracht. EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos, der für Migration zuständige Luxemburger Außenminister Jean Asselborn und Italiens Innenminister Angelino Alfano verabschiedeten sie.

Er sagte: "Es ist ein Beispiel für das, was wir schaffen können, wenn wir im Geist der Solidarität zusammenarbeiten." Insgesamt sollen 160 000 Flüchtlinge aus den besonders stark betroffenen Ländern Griechenland und Italien umverteilt werden.

In den kommenden Wochen sollten weitere Flüge mit etwa 100 Migranten nach Deutschland, in die Niederlande und andere Länder starten, sagte Alfano. Er lobte den Beginn der Aktion als "Symbol des Sieges eines Europas, das weiß, wie man Solidarität und Verantwortung zeigt". Es sei ein wichtiger Tag für Europa. Die Eritreer, unter ihnen fünf Frauen, waren kurz zuvor auf der Insel Lampedusa angekommen.

Kritik gab es an der geringen Zahl von nur 19 Flüchtlingen. "Es ist nicht die Anzahl, die zählt, sondern der Akt", sagte Avramopoulos. Zudem hatten italienische Medien berichtet, einige der Eritreer wollten nicht nach Schweden. Der EU-Kommissar erklärte, niemand solle gezwungen oder bestraft werden, aber die Regeln müssten befolgt werden. "Umsiedlung basiert nicht darauf, wohin jemand gerne möchte."

Asselborn betonte die gemeinsame Stärke der EU. "Europa heißt nicht nur Finanzkrise, Migrationskrise. Europa meint auch, dass wir die Kraft, die Energie und den Willen haben, diese Probleme zu lösen", sagte er. Es sei bewegend und emotional gewesen, in die Augen der 19 Flüchtlinge zu sehen. Asselborn und Avramopoulos wollten anschließend auf der italienischen Insel Lampedusa ein Aufnahmezentrum besuchen.

Über alle weiteren Nachrichten in der Flüchtlingskrise hält euch unter diesem Link unser News-Blog auf dem Laufenden.

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