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09/10/2015 08:28 CEST | Aktualisiert 09/10/2016 07:12 CEST

"Der Marsianer": Film vs. Buch

2015 Twentieth Century Fox
In der Film-Version schlüpft Matt Damon in die Rolle des einsamsten Menschen des Universums

Am 8. Oktober begann sie, die weltweite Rettungsaktion des Unglücksraben Matt Damon. Im Film "Der Marsianer" spielt er schließlich den für tot geglaubten Astronauten Mark Watney, der sich nach einem Sandsturm auf dem Mars komplett allein auf dem kargen Planeten wiederfindet. Die Romanvorlage zum Film war dabei nicht nur das Erstlingswerk von Andy Weir, sondern wurde von ihm zunächst kostenlos auf seiner Internetseite angeboten. Von dort aus entwickelte sich der äußerst realistische Roman über Mundpropaganda schnell zum weltweiten Hit.

Die Geschichte über einen gestrandeten Astronauten, der erbittert um sein Leben kämpft, schien wie für Hollywood gemacht. Ebenso klar war aber auch, dass die technisch und wissenschaftlich sehr detaillierte Vorlage ein wenig für das Massenpublikum angepasst werden musste. Und auch sonst wurden einige Veränderungen vorgenommen, die mitunter nicht ganz so viel Sinn ergeben, wie der abgespeckte Physik-Unterricht durch den Marsianer Watney.

Physik-Leistungskurs wird zur Anfänger-Schulung

Über stellenweise dutzende Seiten erklärt Weir in seinem Buch, wie sein Protagonist dank der physikalischen und wissenschaftlichen Gesetze überlebt. So "baut" sich Watney an einer Stelle etwa aus Wasserstoff und Sauerstoff kostbares Wasser - und sprengt sich dabei beinahe in die Luft. Auch im Film hat er diesen genialen wie gefährlichen Einfall, der Film nimmt sich aber deutlich weniger Zeit, sein Handeln zu erklären. Auch an seinen Berechnungen über Nahrungs- oder Luftverbrauch lässt einen der Film-Astronaut weitaus weniger explizit teilhaben als sein Buch-Pendant. Das macht aber für den Ablauf des Films durchaus Sinn, kommt dieser auch ohne derartiger Szenen schließlich auf stolze 140 Minuten.

Fuck, fuck, fuck!

Was hat es nur mit der US-amerikanischen Panik vor Nacktheit und Schimpfwörtern auf sich? Während Ersteres in "Der Marsianer" kein Problem ist, macht sich der Streifen hinsichtlich der "bösen Wörter" ein wenig lächerlich. Auch wenn es Gerhard Polt ("Mein Sohn schreit nicht Fuck!") vielleicht anders sieht, aber: Wer hätte es schon mehr verdient, lautstark das F-Wort in die Kamera zu brüllen, als ein Mann, der zum Sterben alleine auf dem Mars zurückgelassen wurde? Angedeutet werden die Ausbrüche der Hauptfigur im Film zwar immer wieder, "zugemutet" wird es dem Zuschauer aber nie. Wie im Roman gibt es später zwar einen Grund, warum Watney seine Wörter mit Bedacht wählt, zuvor macht das aber schlichtweg keinen Sinn. Das Buch legte da ein gänzlich anderes Tempo vor: Gleich der erste Satz darin lautet "I'm pretty much fucked" - "Ich bin so was von im Arsch".

Achtung: Spoiler!

Ab hier sollten wirklich nur noch Personen weiterlesen, die den Film und das Buch bereits kennen oder aber gänzlich resistent hinsichtlich Spoiler sind. Denn den vielleicht größten Unterschied zum Buch birgt unter anderem das Ende der Film-Adaption. Hier also die letzte Warnung...

Eine lange, lange Reise

Im Buch ist Watneys Reise per Raumfahrzeug von der Basisstation zur Rettungskapsel als ellenlange und strapaziöse Tortur dargestellt. Ein ums andere Mal findet er dabei um ein Haar den Tod, überschlägt sich etwa mit dem Cruise oder muss einem Sandsturm ausweichen. Im Film wurde dieser Part fast gänzlich herausgekürzt und der Astronaut kommt ohne Komplikationen an seinem Zielort an.

Eine letzte Heldentat

Es war fast zu erwarten, dass das Ende des Romans für Hollywood-Standards nicht heldenhaft genug daherkam. Schließlich wird Watney darin ohne sein Zutun von seinen Kameraden der Mars-Mission gerettet. Im Film darf er dagegen noch ein letztes Mal seinen Erfindergeist offenbaren. Als die Rettungsaktion um wenige Meter Abstand zu scheitern droht, schneidet er ein Loch in seinen Raumanzug, um die ausströmende Luft als Antrieb zu benutzen und so dem Tod im All zu entrinnen. Im Buch hat er zwar ebenfalls diesen waghalsigen Einfall, seine Kommandantin verbietet es ihm aber und Watney wird auf andere Weise gerettet. Zudem endet das Buch kurz nach der Errettung Watneys, seine (sichere) Ankunft zurück auf der Erde bekommt der Buchleser im Gegensatz zum Kinogänger also nicht zu sehen.

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