POLITIK
08/10/2015 04:19 CEST | Aktualisiert 08/10/2015 10:08 CEST

Guy Verhofstadt sagt Merkel und Hollande im Europaparlament die Meinung

Merkel dreht nervös einen Bleistift in der Hand. Hollande lächelt mit einem scheinbar schmerzverzerrten Gesicht. Als Guy Verhofstadt, der ehemalige Premierminister von Belgien, gestern vor dem Europaparlament ans Rednerpult trat, fürchtete beide das Schlimmste. Es wurde die herzerwärmende Rede eines überzeugten Vollblut-Europäers, der die Probleme der Union klar benannte.

Die Flüchtlingskrise sei eine existenzielle Krise der EU, sagte er. Die Existenz der Europäischen Union selbst stehe auf dem Spiel - sie stehe kurz vor dem Zerfall. Es gebe in Europa nicht eine Union, sondern mindestens zehn - "Chaos."

"Wenn nur eine lose Konföderation von Nationalstaaten übrig bleibt, ist Europa ökonomisch schwach und unbedeutend auf der Weltbühne", sagte Verhofstadt. "Was wären die Folgen? "Lasst uns nicht naiv sein", sagte er, während er mit den Armen gestikulierte und ihm die Haare ins Gesicht fielen.

"Es werden die Amerikaner und Chinesen sein, die ökonomische Standards in Europa diktieren. Es werden Assad und Putin sein, die über Frieden und Stabilität entscheiden", rief er und murmelte hinterher: "Da Putin ja schon ein paar rechte Parteien finanziert, ist das vielleicht schon Normalität in Europa."

Als 20 Millionen Europäer abgeschlachtet wurden, war es nicht wegen Europa, sondern wegen Nationalismus und Populismus in Europa. Die Ursachen der Krisen der letzten Jahre seien immer wieder die gleichen: ein Fehlen von Einigkeit und geteilter Souveränität in Europa.

"Europa braucht ein starkes Herz, um zu überleben." Um die Flüchtlingskrise zu überwinden, gebe es nur einen Weg: eine europäische Regierung mit einem Budget und einer Verteidigungspolitik. Das sei die historische Herausforderung, vor der Merkel und Hollande stünden.

Die kleinen wahltechnischen Herausforderungen in der Heimat zurzeit seien im Vergleich dazu völlig unbedeutend, sagte er mit einer wegwischenden Handbewegung.

Woraufhin auch Merkel die Gesichtszüge entglitten.

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