POLITIK
08/10/2015 04:37 CEST | Aktualisiert 08/10/2015 13:23 CEST

Gemeinde veröffentlicht Benimmregeln für Flüchtlinge

Gemeinde veröffentlicht Benimmregeln für Flüchtlinge
dpa
Gemeinde veröffentlicht Benimmregeln für Flüchtlinge

Hardheim ist ein Dorf in Baden-Württemberg mit nicht mal 5000 Einwohnern im Ort selbst, nicht mal 7000 Einwohnern in allen Ortsteilen. Es liegt da, „wo die dunklen Wälder des Odenwaldes die freundlichen Fluren des Frankenlandes grüßen“, heißt es auf der Homepage. Ein idyllisches Örtchen also.

Und ein Örtchen, in dem offenbar die Angst regiert, dass es mit der Idylle bald vorbei sein wird. Denn, so berichtete es die „Süddeutsche Zeitung“ am Mittwoch, inzwischen sind 1000 Asylbewerber einquartiert.

Ein "Leitfaden" für korrektes Benehmen in Deutschland

All das hätte noch keine Schlagzeilen gemacht. Wenn nicht die Gemeinde auf ihrer Internetseite eine(n) „Hilfestellung und Leitfaden für Flüchtlinge“ veröffentlicht hätte.

„Liebe fremde Frau, lieber fremder Mann!", heißt es da. „Willkommen in Deutschland, willkommen in Hardheim.“

"Ein Gemeinwesen, das mit sich ringt"

Die „Süddeutsche Zeitung“ hat das Dorf besucht. Und einen Ort vorgefunden, der von Gerüchten und Ängsten beherrscht wird. Die, so scheint es, eben nur das sind. Keine Realität.

So hat der Reporter eine Gruppe Flüchtlinge beobachtet, die mit allerlei Gerät ausgestattet Müll einsammeln wollen. Nur lag da gar keiner.

„Wer sich einlässt auf die Hardheimer, erlebt ein Gemeinwesen, das mit sich ringt“, kommentiert der „SZ“-Reporter. „Das seine Identität bedroht sieht, es aber nicht übers Herz bringt, die Not der Flüchtlinge zu ignorieren. Dessen Gemeinderat verzagt wirkt, während viele Bürger über sich hinauswachsen.“ Indem sie spendeten, einfach so halfen.

Was uns Hardheim lehrt

Dass auf fünf Einheimische ein Asylbewerber kommt, mag eine Ausnahme sein in Deutschland. Noch.

Da der Wohnraum in Städten allerdings so knapp ist, dass einzelne Kommunen schon über Beschlagnahme leerer Gebäude nachdenken, werden Forderungen laut, vorher erst einmal die leeren Gebäude des Bundes zu nutzen. In Hardenberg wohnen die Flüchtlinge in genau solchen Unterkünften, in einer ehemaligen US-Kaserne und Häusern, die die Bundeswehr frei gemacht hat.

Gut möglich, dass es bald mehr Hardheims geben wird.

Die Geschichte ist also ein Signal. Dass die Politik, und nicht nur die Bürgermeister kleiner Orte, sich anstrengen müssen, die Gemeinden auf ihre Aufgabe vorzubereiten. Die Einheimischen. Und die Asylbewerber.

Leitfäden sind da sicher keine schlechte Idee. Wenn sie so formuliert sind, dass sie keine Vorurteile schüren. Im Fall Hardenbergs sind sie vielleicht eher Ausdruck der Ängste der Bürger und ein Versuch, diese Ängste zu nehmen, denn Hilfe für die Neuankömmlinge. Auch, weil der Brief nur in deutscher Sprache online ist.

Die Geschichte ist aber auch ein anderes Signal. Dass es geht. Dass Angst unbegründet sein kann. Dass wir es schaffen können.

Das Schreiben der Gemeinde im Wortlaut

brief

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

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