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08/10/2015 11:03 CEST | Aktualisiert 08/10/2016 07:12 CEST

"Er ist wieder da": So viel Buch steckt im Film

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Hitler: Er ist wieder da

Timur Vernes hat 2012 für großes Aufsehen gesorgt: 20 Wochen auf Platz 1 der "Spiegel"-Bestsellerliste, über 2 Millionen verkaufte Exemplare in Deutschland und Lizenzen in 41 Sprachen - mit der Hitler-Satire "Er ist wieder da". Nicht nur hierzulande. Am heutigen Donnerstag läuft die Verfilmungdes Bestsellers in den Kinos an. Im Gegensatz zum Buch hat Regisseur David Wnendt einige andere Wege eingeschlagen. Natürlich auch gezwungenermaßen...

Perspektive erzählen, was er im heutigen Deutschland, Fernsehen und "Internetz" sieht, wie er es sieht und auch die Vergangenheit lässt er immer wieder Revue passieren... "Das ist die reizvollere

Perspektive, weil sie dem Leser jede Möglichkeit zum Ausweichen nimmt. Er ist nicht nur Beobachter, er ist auch Partei. Er sitzt in einem Kopf, in dem er nie sitzen wollte, und stellt fest, dass man es da überraschenderweise ganz gut aushält", sagt Vermes selbst dazu.

Keine klassische Romanverfilmung; Auch Doku-Teile

Eine klassische Romanverfilmung ist "Er ist wieder da" dann auch nicht geworden. Wnendt hat einen ganz speziellen Ansatz gewählt, um den Stoff umzusetzen. Zusätzlich zum fiktionalen Teil der Geschichte hat er Hitler-Darsteller Oliver Masucci in voller Maske in die Öffentlichkeit geschickt. Er unterhält sich mit Rentnern, Politikern, NPD-Anhängern in teils improvisierten, teils gestellten Szenen mit Doku-Charakter.

Die Story von "Er ist wieder da"

An dem Grundgerüst der Geschichte haben die Filmemacher erst einmal nichts geändert. In Buch wie Film wacht Adolf Hitler im heutigen Berlin auf, ein Kioskbesitzer (Lars Rudolph) nimmt sich seiner an, in dem Glauben, er sei ein Schauspieler in Verkleidung. Als nicht ganz politisch korrekter Comedian wird er fürs Fernsehen entdeckt, wo er Karriere macht. Auch einige direkte Zitate aus dem Buch sind erhalten geblieben und eine der Schlüsselszenen - Hitler wird von Neonazis verprügelt, was ihn auch in den höchsten Politikerkreisen zum willkommenen Gast macht.

Ansonsten weicht der Film aber weitestgehend vom Buch ab. Schon zu Beginn begibt sich der entlassene Fernsehredakteur Fabian Sawatzki (Fabian Busch) mit seiner Entdeckung Hitler auf einen Roadtrip durch Deutschland, um Material für seinen Chef zu sammeln und damit seinen Job zurückzugewinnen. In Timur Vermes' Bestseller legt Hitler zudem einen fast ungebremsten Aufstieg im TV und auf Youtube hin - selbst die Boulevardpresse wird ruhig gestellt... Wnendt dagegen lässt seinen Hitler-Comedian eine böse Pleite vor laufender Kamera erleben.

Die Charaktere im Film

"Wir haben Timur Vermes versprochen, den Geist des Romans und den Charakter der Hauptfigur auf den Film zu übertragen", sagt Produzent Christoph Müller. Vermes wollte den "echten" Adolf Hitler zeigen, der einerseits "größenwahnsinnig und gestört" war, andererseits aber "charmant, höflich und flexibel" sein konnte. Und auch wenn das im Buch natürlich weit intensiver zur Geltung kommt, haben die Filmemacher sich an ihr Vorhaben gehalten.

Während Hitler im Film aber natürlich weit weniger Platz ausfüllen kann als in einer Ich-Erzählung, bekommt Sawatzki - Hitlers treuester Anhänger - hier eine Menge Raum. Er wohnt noch bei seiner Mutter und kommt - wie im Roman - Franziska Krömeier näher (Franziska Wulf), die aus einer jüdischen Familie stammt. Das Drama um den Film-Sawatzki nimmt am Ende dann seinen ganz besonderen Lauf... In Buch wie im Film gibt es zudem die beiden karrierebewussten Medienmenschen Bellini (Katja Riemann) und Sensenbrink (Christoph Maria Herbst) - deren Konkurrenz bei Wnendt ebenfalls ein wichtiges Detail darstellt.

Der internationale Erfolg: Lizenzen auch in anderen Ländern

Das Buch von Timur Vermes sorgte auch international für Aufsehen, es wurde unter anderem auch in den USA, England, Frankreich, Russland, Japan und China lizensiert. Und die Filmmacher haben ebenfalls viel vor: "Der Roman ist in circa 40 Länder verkauft worden und viele ausländische Produzenten wollten den Stoff verfilmen", sagt Produzent Lars Dittrich. Sein Kollege Christoph Müller ergänzt: "Sie alle schauen ganz genau darauf, wie es uns gelungen ist, dieses ernste Thema mit Humor zu erzählen."