WIRTSCHAFT
07/10/2015 04:23 CEST | Aktualisiert 07/10/2015 10:19 CEST

"Das wird nicht ohne Schmerzen gehen": Mit diesen 5 Schritten will Matthias Müller VW retten

Der neue VW-Chef Matthias Müller
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Der neue VW-Chef Matthias Müller

Es sind stürmische Zeiten in Wolfsburg. Einen Tag nach der Betriebsversammlung zur Abgas-Krise für die Mitarbeiter von Volkswagen schlägt heute in Wolfsburg wieder die Stunde des Aufsichtsrates. Das 20-köpfige Kontrollgremium will ab 09.00 Uhr auf dem Werksgelände abermals abgeschottet von der Öffentlichkeit über die nächsten Schritte zur Bewältigung des weltweiten Manipulationsskandals bei mehr als elf Millionen Diesel-Fahrzeugen beraten.

Schon nach der Versammlung gestern wurden einige Details bekannt. Der neue Konzernchef Matthias Müller hat einen Plan, mit dem er das Mega-Unternehmen sanieren will - mit diesen fünf Schritten will er Volkswagen retten.

1. Er will eine Strukturreform durchdrücken

Man könnte meinen, dass der Abgas-Skandal für Müller im Vordergrund steht. Doch der neue Chef will als erstes eine großangelegte Strukturreform durchdrücken, über der die Führungsetage schon lange vor Bekanntwerden der Diesel-Manipulationen gebrütet hatte. Bislang lief im VW-Imperium alles über Wolfsburg - doch nun soll der Konzern dezentralisiert werden. "Es wird nicht mehr alles hier in Wolfsburg entschieden werden", sagte Müller er gestern in seiner Rede auf der VW-Betriebsversammlung.

Künftig sollen die Marken und Regionen im VW-Konzern mehr Verantwortung bekommen. "Ich finde es nur vernünftig, dass man etwas Neues ausprobiert", sagt Nord-LB-Autoexperte Frank Schwope. "Der Konzern ist inzwischen so groß, dass er nicht mehr zentral zu führen ist."

2. Entscheidungen sollen schneller gefällt werden

"Schlanker und schneller" soll der Konzern nach Müllers Worten werden: "Ich werde es zum Beispiel nicht akzeptieren, dass Dutzende Experten in Steuerkreisen sitzen müssen oder bei Abnahmefahrten herumstehen, während zu Hause die Arbeit liegen bleibt."

3. Der Führungsstil soll weniger autoritär werden

Vor allem Ex-Patriarch Ferdinand Piëch und der frühere Konzernchef Martin Winterkorn mussten zudem immer wieder Kritik für einen autoritären Führungsstil einstecken. Legendär ist ein Video von der Automesse IAA, in dem Winterkorn einen Designer zusammenfaltet. "Da scheppert nix", lobt Winterkorn den Wagen vom Konkurrenten Hyundai, in dem er gerade sitzt.

Mit dem Kommando-Ton im Konzern soll jetzt Schluss sein. "Ich mag es, wenn ein Mitarbeiter für seine Überzeugung einsteht und mit guten Argumenten dafür kämpft", sagt Müller. "Konstruktive Kritik ist bei mir auf allen Ebenen erlaubt." Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh fordert seit langem einen "grundlegenden Kulturwandel" bei VW. Man müsse auch mit den Chefs "um den besten Weg streiten" dürfen.

Beobachter geben einem "Klima der Angst", das bei VW geherrscht haben soll, auch eine Mitschuld daran, dass die Manipulationen an den Dieselmotoren von 11 Millionen Autos so lange unter dem Teppich blieben. Ob der Betrug aber nicht doch bis nach ganz oben durchdrang, aber schlichtweg niemand reagieren wollte, muss erst noch geklärt werden. Das VW-Spitzenpersonal bestreitet das bislang.

4. Marken sollen zu Gruppen zusammengefasst werden

Fest steht: Einzelne Konzernmarken werden zu Markengruppen zusammengefasst, die auf einem gemeinsamen Baukastenprinzip basieren. Audi, Ducati und Lamborghini bilden einen Verbund, die Luxus-Sportwagenhersteller Porsche, Bentley und Bugatti einen weiteren.

Vor allem bei den drei Volumenmarken VW, Skoda und Seat werden bereits jetzt schon auf der Basis eines Baukastens Modelle für alle drei Marken konstruiert. Das kann beim Einkauf und bei der Entwicklung Geld sparen. "Bei den Markengruppen wird es sicher um eine Hierarchie gehen, dass neue Modelle zuerst von der wichtigsten Marke der Gruppe eingeführt werden", vermutet Nord-LB-Analyst Schwope.

5. Er will rigoros sparen

Durch den Abgasskandal drohen VW Milliardenstrafen. "Deshalb stellen wir jetzt alle geplanten Investitionen noch mal auf den Prüfstand. Was nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben", sagte Müller im Wolfsburger VW-Stammwerk: "Ich bin ganz offen: Das wird nicht ohne Schmerzen gehen."

Dabei hat Müller auch das Engagement des Konzerns im Fußball infrage gestellt. "Wir drehen jeden Stein um und werden uns auch das ansehen", sagte der Nachfolger von Martin Winterkorn im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Unter Vorgänger Winterkorn, der im Zuge der Krise zurückgetreten war, hatte Volkswagen die Bühne Fußball als Marketinginstrument entdeckt. Der Bundesligist VfL Wolfsburg wurde zur hundertprozentigen Konzerntochter und wird mittlerweile jährlich mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag unterstützt. Zudem ist VW über die Tochter Audi am FC Bayern München und dem FC Ingolstadt beteiligt. VW engagiert sich auch als Sponsor des DFB-Pokales und von insgesamt 16 Proficlubs in Deutschland.

Mit Material der DPA

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