POLITIK
07/10/2015 16:50 CEST | Aktualisiert 08/10/2015 04:08 CEST

So lächerlich wäre es, wenn wir über jede Kneipenschlägerei genauso ausführlich schrieben wie über Flüchtlings-Krawalle

dpa

Immer mehr Deutsche glauben, dass die Bundesrepublik derzeit zu viele Flüchtlinge aufnimmt. In den vergangenen drei Wochen hat sich die Stimmung gedreht, viele Menschen fühlen sich mittlerweile überfordert mit dem, was manche als „Flüchtlingsstrom“ bezeichnen.

Ein Grund für den Stimmungswandel dürften Meldungen über Ausschreitungen in Erstaufnahmeeinrichtungen sein. Ungefähr seit Mitte September werden Streitereien und Auseinandersetzungen unter Flüchtlingen skandalisiert.

Dabei wird viel zu wenig über die Umstände von Streitigkeiten gesprochen. Kriegstraumata, überfüllte Einrichtungen, überforderte Beamte. Was hängen bleibt – und vielleicht auch hängen bleiben soll - ist nur das Wort „Chaos“.

Offenbar verstärken die Berichte ein tief sitzendes Unbehagen: Dass die „Asylanten“ nun durch ihre fremden Sitten aus dieser Republik ein anderes Land machen würden. Dementsprechend tendenziös sind viele dieser Texte geschrieben.

Doch wenn man sich mal die Mühe macht, deutschen Polizeiberichte durchzusehen, stößt man beinahe jeden Tag auf befremdliche Verhaltensweisen von deutschen Staatsbürgern.

Würden die antizivilisatorischen Ausfälle von Bundesbürgern auf ähnlich ausführliche Weise skandalisiert wie die von notleidenden Menschen aus Syrien oder Afghanistan, die sich erst seit kurzer Zeit in Sicherheit wissen können – dann müssten die „Bild“-Zeitung oder die „B.Z.“ wohl jeden Tag so dick wie ein Telefonbuch sein. Und die "Tagesthemen" würden zwei Stunden lang sein.

Die Tagesthemen berichten über eine Schlägerei in einem Hamburger Flüchtlingsheim. Was wird der deutsche Michel wohl ü...

Posted by Dirk Niebel on Dienstag, 6. Oktober 2015

Die Huffington Post macht den Test: So lächerlich wäre es, wenn wir über jeden Unsinn mit dem gleichen heiligen Ernst berichten würden wie manche über Ausschreitungen in den Asylunterkünften schreiben. Die dazugehörigen Polizeimeldungen erreichen sie über die Links in den Überschriften.

Angriff auf den Staat: 26-jähriger Deutscher zertrümmert Streifenwagen

War es Undankbarkeit gegenüber dem deutschen Staat, der ihm Ausbildung, Freiheit und Sicherheit geschenkt hat? Oder zeigte sich einfach nur das freche Verhältnis der Westfalen zum öffentlichen Eigentum?

Ein Mann aus Dortmund hat Sonntagnacht nach einem Besuch auf einem Volksfest in Stadtteil Dorstfeld unter Einfluss von Drogen (vermutlich: Bier) auf brutale und rücksichtslose Weise eine Polizeistreife angegriffen.

Im Polizeibericht hieß es: „Plötzlich trat der junge Dortmunder an einen der Streifenwagen heran und begann, wie von Sinnen, auf die Heckscheibe einzuschlagen. Kurz darauf gab die Scheibe den Schlägen des 26-Jährigen nach und zersplitterte.“

Der Mann flüchtete, konnte aber nach kurzer Verfolgungsjagd gestellt werden. Daraufhin begann der Deutsche mit den Polizisten eine Prügelei. Ein Beamter wurde dabei leicht verletzt und konnte seinen Dienst nicht fortsetzen.

Doch damit noch nicht genug: Wenige Minuten später trat ein weiteres Mitglied des Westfalen-Clans auf die Polizisten zu und zeigte so lange, Zitat: „uneinsichtiges Verhalten“, bis auch er in Gewahrsam genommen wurde.

Politische Gewalt in Leipzig: Polizei verhindert mit Großaufgebot das Schlimmste

Seit fast einem Jahr halten sächsische Fundamentalisten beinahe jede Woche Zusammenkünfte in der Leipziger Innenstadt ab. Dabei kam es schon häufig zu Gewalttaten gegenüber unbeteiligten und völlig unschuldigen Bürgern.

Verständlich, dass auch an diesem Montag wieder ein Großaufgebot der Polizei im Einsatz war, um das Treiben der bisweilen verfassungsfeindlich auftretenden Organisation „Legida“ im Auge zu behalten.

Gut, dass die Beamten vor Ort waren: Denn auch in dieser Woche kam es laut Polizeibericht zu einem „verbalen Meinungsaustausch zwischen den unterschiedlichen Lagern“. Gemeint waren in diesem Fall besorgte, deutschstämmige Bürger aus dem linken Spektrum, die gegen die Orbanisierung des Abendlandes demonstrierten und sich „Legida“ in den Weg stellten.

„Aus polizeilicher Sicht ist das Resümee zu ziehen, dass sich beiderseits gewaltgeneigte Personen beteiligten und der friedliche Verlauf der Vielzahl eingesetzter Beamter und technischer Sperren zu verdanken war“, schrieb die Leipziger Polizei anschließend in einer Pressemitteilung.

Bandenkriminalität: Fünf Verletzte bei kriegsähnlichen Zuständen in der Nähe von Güstrow

Sie nennen sich „Fußballfans“. Und doch eskaliert bei ihren Zusammenkünften jedes Wochenende aufs Neue die Gewalt. So auch vergangenes Wochenende. Beteiligt waren dieses Mal zwei berüchtigte Banden, deren Mitglieder sich aus dem mecklenburgischen und dem sächsischen Milieu rekrutieren.

Samstag, Raststätte „Bansower Forst“ in der Nähe von Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern): Ein Bus mit „Fußballfans“ der berüchtigten Gruppierung „Dynamo Dresden“ wird von einer Bande gewaltbereiter Straftäter mecklenburgischer Herkunft, die dem Umfeld des bereits mehrfach wegen einschlägiger Delikte bestraften Vereins „Hansa Rostock“ angehören. In einer Horde von 80 Mann griffen die Rostocker an und bewarfen mehrere Kleinbusse und einen Reisebus mit Steinen und Flaschen.

Dabei wurden fünf Menschen verletzt.

Weitere Zusammenstöße zwischen den rivalisierenden Banden konnten am Wochenende nur durch Glück verhindert werden.

Gewaltbereite Seniorin löst Großeinsatz der Feuerwehr aus

Seit zehn Jahren lebt sie vom Staat, und doch gerät sie immer noch in Konflikt mit dem Grundgesetz: Eine 75-jährige, bewaffnete Frau fränkischer Herkunft hat am Dienstag einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst.

Die Nürnbergerin war auf dem Weg in eine Arztpraxis und geriet im Fahrstuhl in Streit mit einer gleichaltrigen Landsfrau. Daraufhin zückte die Rentnerin eine Sprühflasche mit Pfefferspray und versuchte, die Kontrahentin außer Gefecht zu setzen.

Die angegriffene Frau mit deutschem Pass erlitt dabei leichte Verletzungen. Weil anschließend das im Fahrstuhl versprühte Reizgas in die Arztpraxis entwich, klagten die Patienten im Wartezimmer über starken Hustenreiz. Die Feuerwehr musste schließlich die Praxis evakuieren.

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