POLITIK
07/10/2015 06:45 CEST | Aktualisiert 07/10/2015 07:02 CEST

Heinz Buschkowsky: Flüchtlingskrise ist keine gesellschaftliche Grippe, die man heilt und die dann vorbei ist

dpa
Heinz Buschkowsky: "Das ist keine gesellschaftliche Grippe - die Leute kommen und wir helfen ihnen bei der Genesung und dann gehen sie wieder. Nein, es bleibt dauerhaft und wird auch unsere Gesellschaft verändern.“

Heinz Buschkowsky, früherer Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, hat die Regierung in der Flüchtlingskrise scharf angegriffen. „Die Menschen haben das Gefühl, dass unsere Eliten - unsere erste Liga – den Laden nicht im Griff haben“, sagte der SPD-Mann im RTL-Magazin „Guten Morgen Deutschland". „Wenn die erste Reihe so rumeiert und sich noch gegenseitig beschimpft, wie wir das jetzt jeden Tag bewundern dürfen, dann haben die Menschen nicht das Gefühl, dass der Zug auf der richtigen Schiene ist.“

Buschkowsky forderte, den Bürgern müsse eine Lösung präsentiert werden. „Deswegen ist meine Empfehlung, den Menschen klipp und klar den Fahrplan zu verkünden, wie er ist und wie er auch übermorgen noch ist, wie wir ihn heute verkündet haben.“ Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Ende August nach langer Zeit erstmals den groben Kurs abgesteckt hatte, der vorsah, die Probleme mutig anzupacken, mehrt sich inzwischen die Kritik. Unter anderem deswegen, weil etwa aufgrund von Bearbeitungsproblemen kaum nachvollziehbar ist, wie viele Flüchtlinge wirklich nach Deutschland gekommen sind - und kommen werden.

Der SPD-Politiker warnte – wieder einmal – dass die Integration ein hartes Stück Arbeit werde. „Das ist mit Menschen, die gerade den Kulturkreis gewechselt haben, die zum Teil überhaupt nicht alphabetisiert sind, ein hartes Stück Arbeit über Jahre. Das ist keine gesellschaftliche Grippe - die Leute kommen und wir helfen ihnen bei der Genesung und dann gehen sie wieder. Nein, es bleibt dauerhaft und wird auch unsere Gesellschaft verändern.“

Ängste abzutun hält Buschkowsky für gefährlich. Wenn man die Sorgen nicht ernst nehme, treibe man die Menschen den politisch Extremen in die Arme. „Aus solchen Situationen saugen die politischen Extreme ihren Nachwuchs und ihren Erfolg.“

Konkret hält Buschkowksy Folgendes für nötig: „Der erste Punkt ist, den man lernen muss, dass unsere Gesellschaftsordnung aufgebaut ist auf der Toleranz, zu respektieren, dass sie einen anderen Gott haben als ich. Dass ist sehr, sehr schwierig für junge Männer. 85 Prozent der Flüchtlinge sind allein reisende junge Männer, da ist nicht viel Abgewogenheit, sondern sehr viel Impulsivität. Das ist ja auch das, was sehr vielen Menschen Ängste macht.“

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