WIRTSCHAFT
06/10/2015 15:23 CEST

"Das ist die beste Geschichte der Welt heute"

JP Yim
Weltbank-Präsident Jim Yong Kim

Weniger als zehn Prozent der Weltbevölkerung lebt 2015 noch in extremer Armut – das besagt eine Prognose der Weltbank vom Sonntag. 2012 mussten noch 12 Prozent der Menschen weltweit von weniger als 1,90 US-Dollar am Tag leben - der offiziellen Armutsgrenze. Dieses Jahr wird ein neuer Tiefststand erreicht werden.

Trotzdem besagen die Zahlen, dass immer noch 703 Millionen Menschen ums Überleben kämpfen. Es ist ein Meilenstein, der Luft nach oben lässt. "Dies ist die beste Geschichte der Welt heute - diese Hochrechnungen zeigen uns, dass wir die erste Generation in der Geschichte der Menschheit sind, die die extreme Armut beenden kann", sagte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim dazu.

Entwicklungsländer bringen Menschen aus der Armut

Laut Kim hat die dynamische wirtschaftliche Entwicklung in Entwicklungsländern den Rückgang verursacht. Ebenfalls geholfen haben Investitionen in Gesundheit und Bildung und der Ausbau der sozialen Sicherungsnetze, die Millionen Menschen vor dem Rückfall in die Armut bewahrten.

„Diese neue Prognose, wonach die Armut in den einstelligen Bereich fällt, sollte uns einen neuen Impuls geben und uns helfen, uns noch klarer auf die effektivsten Strategien gegen extreme Armut zu fokussieren“, sagt Kim. Die Armut bis 2030 auszurotten – ein Ziel, dass sich die Vereinten Nationen und Nichtregierungsorganisationen auf der ganzen Welt gemeinsam gesetzt haben – sei aber nicht einfacher geworden.

Armut und Reichtum sind ungerecht verteilt

Etwa zwei Drittel der Armen leben in Südasien und Schwarzafrika. Vor allem in Schwarzafrika ist das Leiden groß und hat sich dort in den vergangenen Jahren noch verschärft: Während 1990 noch 15 Prozent der Armen dort lebten, ist es heute die Hälfte. Die schnell wachsende Bevölkerung ist problematisch und verhindert einen schnelleren Abbau der Armut.

In Regionen, in denen Krieg herrscht oder die vom Rohstoffexport abhängig sind, sinkt die extreme Armut nur langsam. Die positiven Zahlen sind eine Erleichterung. Doch könnten wir nicht schon viel weiter sein?

Eine große Aufgabe steht der Menschheit noch bevor

Die Ziele, die 1990 für das neue Jahrtausend galten, waren ambitioniert: Hunger und Armut sollten halbiert werden. Bereits 2010 wurde das Ziel der Armutsbekämpfung erreicht, allerdings nicht in allen Regionen gleichermaßen. Dem Hunger in der Welt entsprechend entgegen zu wirken, hat dagegen nicht wirklich funktioniert.

Die Zahl der Hungernden sank zwar, doch nicht auf die Hälfte: Etwa ein Achtel der Weltbevölkerung gilt als unterernährt. Das sind 170 Millionen Menschen weniger als im Jahr 1990. Weltweit ist weiterhin jedes siebte Kind unter fünf Jahren untergewichtig.

Die Weltgemeinschaft hat viel erreicht. Vielleicht können wir uns tatsächlich irgendwann die Generation nennen, die Schluss mit Hunger und Armut gemacht hat. Aber Ausruhen ist auf dem Weg dorthin nicht angebracht.

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