POLITIK
06/10/2015 13:25 CEST | Aktualisiert 07/10/2015 06:06 CEST

An alle, die Putin immer noch toll finden: Ihr seid zum Kotzen!

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Liebe Friedensbewegten und Putin-Freunde!

Seid mal ehrlich: Findet ihr es geil, dass in Syrien gerade Zivilisten durch russische Bomben sterben? Weil da endlich einmal jemand dem Westen die Stirn bietet?

Oder wollt ihr auch diesmal alle Fakten leugnen, bis es nichts mehr zu leugnen gibt?

Manche von euch scheinen noch zu hadern. Die Außenpolitiker der Linkspartei etwa fänden es total sinnvoll, mit dem syrischen Diktator Bashar al-Assad zu reden – ein Mann, der nicht nur Giftgasangriffe und Fassbombenabwürfe zu verantworten hat, sondern auch über 90 Prozent der zivilen Kriegsopfer seit 2011.

Auf einmal werden die Linken ganz leise

Andererseits finden sie es nicht so toll, dass Russland nun auf Assads Seite in den Krieg eingreift. Das sagen führende Politiker der Linken aber nur ganz leise. Zum Beispiel Stefan Liebig, der vor einer Woche in einer Pressemitteilung herumflüsterte, dass auch Russland die Autorität der Vereinten Nationen untergrabe. Seitdem war aus der Linkspartei nicht mehr viel zu diesem Thema zu hören.

TTIP ist gerade wichtiger. Ist vielleicht auch unangenehm, zugeben zu müssen, dass man jahrelang einem Angriffskrieger den Rücken gestärkt hat.

Tote sind keine Zahlen in einer Rechnung

Und kommt mir nicht wieder mit Sätzen wie: „Aber die Amerikaner haben in Kunduz doch kürzlich auch ein Krankenhaus weggebombt.“ Genauso, wie ihr Putins gewaltsame Militäraktionen auf der Krim und in der Ostukraine immer damit gerechtfertigt habt, dass die Amerikaner ja auch in den Irak einmarschiert seien.

Diese Aufrechnung von menschlichem Leid ist zynisch und krank.

Entlarvende Rhetorik

Außerdem entlarvt ihr euch mit solchen Sprüchen selbst. Eure eigene Menschenfeindlichkeit, euren Egoismus.

Seit Frühjahr 2014 sind in der Ukraine 8.000 Menschen durch eine völkerrechtswidrige Invasion gestorben. Und ihr nehmt das einfach so hin, weil dadurch eurer Gerechtigkeitsempfinden gestillt wird? Weil da mal jemand mit der Nato macht, was er will?

Auf einmal ist Imperialismus in Ordnung?

Aber diese Stumpfheit erklärt einiges. Auch, dass all die Pazifisten und Friedensengel unter euch gerade so seltsam still sind. Jetzt, wo eine der größten Armeen der Welt unter falschem Vorwand in Syrien interveniert und ganze Landstriche in die Altsteinzeit zurückbombt.

(Unter dem Video geht's weiter)

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Eigentlich müsstet ihr doch schon Sternmärsche in den größten deutschen Städten geplant haben. Gegen den „russischen Imperialismus“. Gegen die „Kriegsherren in Moskau“.

Auf die Putin-Freunde können wir lange warten

Aber ich fürchte, dass wir auf eure Syrienkriegs-Demo lange warten können. Denn die gesamte deutsche Friedensbewegung wäre kaum denkbar ohne den tief sitzenden Antiamerikanismus, der beinahe das gesamte linke politische Spektrum infiziert hat. Diese an Rassismus grenzende USA-Feindlichkeit ist das Schmiermittel der pazifistischen Mobilisierungsmaschine.

Umgekehrt verbindet die Zuneigung zu Putin sämtliche linken und rechten Wahnwichtel dieser Republik.

Ein Autokrat verführt wohlmeinende Menschen

Sein Portrait war auf den Friedens-Mahnwachen im vergangenen Frühjahr in Berlin zu sehen. Auf den Pegida-Demos in Dresden. Bei der Auftaktveranstaltung für den rohrkrepierten „Friedenswinter“ im vergangenen Dezember am Schloss Bellevue. Und auch die fremdenfeindlichen Hassfratzen vor dem Asylbewerberheim in Heidenau trugen eine deutsch-russische Fahne mit sich.

Man möchte die Idealisten unter euch wachschütteln, damit sie endlich merken, in was für eine gefährliche Gesellschaft sie sich mit ihren im Grunde ehrbaren politischen Zielen begeben haben. Die anderen sind ohnehin schon gestraft genug: Denn sie werden in 20 Jahren ihren Kindern erklären müssen, warum sie so dumm waren und im Jahr 2015 auf einen brutalen Autokraten hereingefallen sind.

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