POLITIK
07/10/2015 02:01 CEST

Merkels Feuerwehrmann: 5 überraschende Fakten über den Mann, der die Flüchtlingskrise lösen soll

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Kanzleramtschef Peter Altmaier

"Wer ist das denn?", dürften sich viele Fernsehzuschauer am Sonntag bei "Günther Jauch" einen neuen Player im Spiel der Talkshows sahen. Obwohl Peter Altmaier einen der wichtigsten Posten in Merkels Kabinett einnimmt und einmal Umweltminister war, ist sein Gesicht den meisten kaum bekannt.

Jetzt hat Merkel Altmaier damit beauftragt, die Flüchtlingskrise zu lösen. Künftig soll der Kanzleramtschef als Chefkoordinator die auf verschiedene Ministerien verteilten Aufgaben bündeln und besser als bisher koordinieren. Er wird somit ab sofort der zentrale Ansprechpartner für die politische Gesamtkoordinierung aller "Aspekte der aktuellen Flüchtlingslage". Faktisch ist er damit sogar in der Flüchtlingsfrage der Vorgesetzte von Innenminister Thomas de Maizière.

Auch sein Stellvertreter steht schon fest. Ständiger Vertreter Altmaiers soll der im Kanzleramt für die Bund-Länder-Koordinierung zuständige Staatsminister Helge Braun (CDU) werden. Zur Unterstützung werde im Kanzleramt zudem ein eigener Stab "Flüchtlingspolitik" eingerichtet. Bis auf weiteres werde das Kabinett die Flüchtlingslage in jeder Sitzung als ständigen Tagesordnungspunkt behandeln.

Wer ist der Mann, der Merkel die Flüchtlingskrise entschärfen soll. Hier fünf Fakten über Peter Altmaier.

1. Er ist ein "progressiver Schwarzer"

Schon seit den 90er Jahren ist Altmaier einer der CDU-Politiker, die beständig konservative Positionen hinterfragen und eine Erneuerung der Partei einfordern. So setzte er sich für eine Modernisierung des Staatsbürgerschaftsrechts ein. Er hielt Kontakte zu Migranten, Flüchtlingsverbänden und Kirchen. Helmut Kohl forderte er 1998 zum Rücktritt auf. Er kritisierte Roland Koch für seinen ausländerfeindlichen Wahlkampf.

Außerdem wandte er sich 2003 gegen den Aufruf des Vatikans zur Bekämpfung von sogenannten Homoehen. Altmaier gehörte auch zur "Pizza-Connection", einem Gesprächskreis zwischen jungen Bundestagsabgeordneten aus der CDU und Bündnis 90/Die Grünen in den 1990er Jahren und zu Beginn der 2000er Jahre, der sich regelmäßig bei einem Italiener in Berlin traf.

2. Merkel hat ihn bereits in einer ähnlichen Situation auf ein hohes Amt gesetzt

Als der damalige Umweltminister Norbert Röttgen bei der Umsetzung der Energiewende nicht vorankam, feuerte Merkel in kurzerhand. Die Energiewende war ein Projekt, das damals innerhalb der Union ähnlich umstritten war, wie heute die Flüchtlingsfrage: eine sehr kurzfristige, hoch umstrittene Entscheidung. In dieser Situation bewährte sich Altmaier erstmals als Feuerwehrmann. Er übernahm den schwierigen Posten und brachte die festgefahrenen Gespräche zwischen Bundesländern und Wirtschaft wieder in Gang. Die einstigen Freunde Röttgen und Altmaier hatten sich danach nicht mehr viel zu sagen.

3. Er ist ein perfekter Vermittler und Konfliktlöser

Im Dezember 2013 brauchte Merkel wieder einen Feuerwehrmann. Kanzleramtschef

Ronald Pofalla zog sich völlig überraschend von seinem Posten zurück. Pofalla wollte eine Familie gründen und in die Wirtschaft gehen. Es sei ein "Höllenjob", hieß es aus der CDU-Führung. Dem Kanzleramtschef kommt die Aufgabe zu, die Abläufe in der Großen Koalition zu koordinieren und Konflikte zwischen den Parteien beizulegen - was nicht immer einfach ist.

Altmaier als "progressiver Schwarzer" ist perfekt für diesen Job. Schon als Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion war er Vermittler und Brandlöscher - ein Mann, der weiß, wie man die eigenen Reihen schließt. Und er bewährte sich.

4. Er agiert am Liebsten im Hintergrund ...

Altmaier ist einer der Politiker, die so gut wie nie in Talkshows auftreten oder Interviews geben. Selbst auf Gruppenfotos des Kabinetts ist er regelmäßig in der regelmäßig in der letzten Reihe zu sehen. Er agierte vor allem im Hintergrund und verzichtete weitgehend auf öffentliche Auftritte. Nur eine Ausnahme macht er dabei: Er gilt als sehr Internet-affin, führte mit der Piratenpartei Gespräche über Netzpolitik und twittert häufig.

5. ... bis vor wenigen Tagen

Überraschend gab Altmaier seine Medienscheu auf. Am Sonntag verteidigte er bei "Günther Jauch" und im "Bericht aus Berlin" hartnäckig den Kurs der Kanzlerin. Heute wissen wir, warum: Schon zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass Altmaier die Koordination der Flüchtlingsfrage übernimmt - Altmaier bereitete seinen Auftritt als Beauftragter für die Flüchtlingskrise vor. Der Beschluss soll nach Informationen der "Bild" auf einer Krisensitzung Merkels mit de Maizière und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel im Kanzleramt gefallen sein.

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