POLITIK
06/10/2015 11:20 CEST

Könnt ihr diesem Flüchtlingskind in die Augen sehen, ohne euch zu schämen?

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Könnt ihr diesem Flüchtlingsmädchen in die Augen schauen ohne euch zu schämen

Die Menschen, die derzeit aus Kriegsgebieten fliehen, sind verzweifelt. Wer behauptet, irgendjemand würde freiwillig sein Leben und das seiner Lieben auf einem maroden Boot in Richtung einer gänzlich ungewissen Zukunft auf das Spiel setzen, der hat kein Herz.

Denn völlig unabhängig von politischen Fragen gilt: Diesen Menschen geht es schlecht. Sie haben Krieg und Verfolgung hinter sich. Mussten ihr Hab und Gut, ihre Freunde, ihre Wohnungen hinter sich lassen. Haben ihre Heimat aufgegeben, den Blick aus ihrem Schlafzimmer, den Geruch des Restaurants um die Ecke. Den Lärm der Nachbarn, den Innenhof mit der kleinen Katze.

Den Flüchtlingen ist nichts geblieben

Was ihnen geblieben ist, ist die Kleidung, die sie an sich tragen. Vielleicht ein Gepäckstück. Und, wenn sie Glück haben, zumindest ein Teil ihrer Familie und Freunde.

Doch leider gibt es auch genug Menschen auf der Flucht, die ihre Begleitung verloren haben. Auf einem Boot, an einem Bahnhof, irgendwo in der Hektik an einem Grenzübergang.

Neuankömmlinge haben ihre Angehörigen verloren

Auf vielen Facebook-Seiten wird derzeit nach den Verlorenen gesucht. Es werden Bilder gepostet mit dem Bisschen an Information, das noch übrig bleibt, wenn Pässe und Dokumente fehlen.

Ein solcher Fall ist die neunjährige Mena Falah Hasan. Zuletzt gesehen auf einem sinkenden Flüchtlingsschiff:

119+++MISSING / VERMISST+++Name: Mena Falah Hasan (9)Last seen: Sunday 20/9 in a boat from turkey to Greece (The...

Posted by Search and find your family for refugees on Friday, 25 September 2015

Menschen, die sich ihr Schicksal nicht ausgesucht haben. Menschen, die hoffentlich ihr nacktes Überleben sichern konnten. Und obwohl jeder das sehen kann, jeder in diese Gesichter blicken kann, gibt es immer noch Menschen, die reagieren mit blankem Hass. Mit Abscheu. Diese Menschen können vor lauter Wut und Minderwertigkeitskomplexen, vor lauter Ängsten und Beschränktheit nicht aus sich heraus. Und reagieren mit dem, was ihnen übrig geblieben ist: dumpfer Gewalt.

Warum muss man auf diese Menschen noch einprügeln?

Das zeigt leider nicht nur der menschliche Grenzzaun, den Demonstranten in Sachsen am vergangenen Sonntag aufstellten. Das zeigen die Nachrichten, die unsere Redaktion täglich erreichen. Von Menschen, die schreiben "Bringt sie alle um!". Die sich wünschen, wir sollten Schweinekot essen und sterben. Und das zeigen auch, immer wieder, die feigen Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte.

Mitgefühl ist nicht zu viel verlangt

Ist es also vergebene Liebesmüh solchen Menschen einen Hauch Empathie abzuverlangen? Ist es zu viel verlangt, diese Menschen zu fragen, was sie denn Mensch sein lässt?

Ist es zu viel verlangt, diesem Mädchen in die Augen zu blicken und sich nicht schämen zu müssen?

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not

Video: In diesem traurigen Video lesen Flüchtlinge vor, was die Deutschen über Flüchtlinge denken