ENTERTAINMENT
17/12/2015 11:21 CET | Aktualisiert 17/12/2015 11:24 CET

Macbeth: Radikales Scheitern

Studiocanal

Ein dunkles, verregnetes Schottland macht sich auf der Leinwand breit. Als Zuschauer drückt man sich noch ein paar Zentimeter tiefer in den weichen Sessel. Denn dieses Schottland ist auch kalt, so kalt wie Leben sein kann, wenn man einem Elternpaar dabei zusieht wie es sein eigenes Kind zu Grabe trägt.

Das ist nicht Shakespeare, aber es bleibt die einzige Hinzudichtung in der recht treu an der Originalsprache bleibenden Macbeth-Verfilmung des Australiers Justin Kurzel. Dieser Macbeth ist die neueste filmische Interpretation in einer imposanten Reihe an Verfilmungen des "schottischen Stücks" von Shakespeare. Orson Welles und Roman Polanski haben die kürzeste Trägodie des Dramatikers bereits verfilmt. Geoffrey Wright legte vor einigen Jahren eine zeitgenössische Interpretation des Klassikers vor.

Und nun also doch wieder Mittelalter. Raue, grausame Welt. Eine Welt, die dem Zuschauer mit aller Macht der Historizität vermittelt: Wen dieses Leben nicht bricht, der war schon gebrochen.

Gebrochen sind beide. Wir sehen ein Ehepaar, das nicht nur den Verlust des einzigen Kindes zu verkraften hat, sondern deren Beziehung tief in Blut und schlammiger Kälte steckt. Eine Kälte, aus der die Gier nach Macht nur ein Versprechen gibt: Töten um Herauszukommen. Wegzukommen von den Dämonen die, so will es die Prophezeiung der Hexen, mit aller Kraft wiederkommen. Um ein Chaos zu schaffen, das kein Gemüt mehr tragen kann.

Kurzel legt in seiner Version nahe, das das Leid der Eltern, die Traumatisierung des Kriegshelden Macbeth, die mörderische Talfahrt auslöst. Marion Cotillard spielt die Lady. Verwundet, auf der Hut. Und sie spielt mit so nuancierter Wortlosigkeit, dass es Michael Fassbender als Macbeth schwer hat, ihre darstellerisch die Stirn zu bieten. Er ist physisch präsent, aber tut sich schwer die emotionale Verwundbarkeit des neuen schottischen Königs darzustellen. Er ist kein subtiler Macbeth. Aber immer präsent, immer alert.

Dennoch scheitert der Film letztlich an seiner Radikalität. Denn so aufgeladen die düstere Landschaft mit bildhafter Bedeutung, so stagnierend die Wirkung auf den Zuschauer. Dieses Schottland kennt nur einen Zustand: Weltuntergang. Spätestens während der letzten Stunde des Films spürt man, wie man sich langsam aus dem Kinositz löst und verstohlen auf die Uhr schaut. Dieser Macbeth ist zwar kraftvoll, aber mit den immer gleichen Mitteln, lässt auch diese Kraft schnell nach.

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