POLITIK
05/10/2015 19:16 CEST | Aktualisiert 06/10/2015 06:08 CEST

5 Anzeichen, dass die Kirche vor eine Revolution steht

Selten war der öffentliche Druck auf die Kirche so hoch. In Rom tagt die Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie. Reizthema ist dabei vor allem der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und homosexuellen Paaren.

Zwar warnten Teilnehmer vor zu hohen Erwartungen. "Wenn Sie nach Rom gekommen sind und einen spektakulären Wandel in der kirchlichen Doktrin erwarten, werden Sie enttäuscht wieder abreisen", sagte etwa Kardinal André Vingt-Trois, der Erzbischof von Paris.

Doch so eindeutig ist die Lage nicht. Hier sind 5 Anzeichen, dass die Kirche vor einer Revolution steht.

1. Das Thema ist auch dem Papst wichtig

Lange wurde das Thema in der katholischen Kirche einfach totgeschwiegen. Mit zwei Bischhofssynoden - eine im Jahr 2014, eine über die kommenden Wochen - brachte der Papst den Themenkomplex Ehe und Familie auf die Agenda des Vatikan.

2. Ein Coming-Out zur richtigen Zeit

Am Samstag ging ein Beben durch die katholische Kirche, wie es sie seit Langem nicht mehr erlebte. Der polnische Theologe Krzysztof Charamsa outete sich als homosexuell - und wurde umgehend von wichtigen Positionen verband. Charamsa war bis dahin ein mächtiger Mann in der Kirche, etwa Dozent an zwei päpstlichen Hochschulen.

Welches Gewicht Charamsas Outing im Vatikan hat, lässt die scharfe Reaktion darauf vermuten. Ein Sprecher des Heiligen Stuhls verurteilte das Verhalten als “verantwortungslos”. Der Grund: Die Bischofssynode würde so einem ungebührlichen Mediendruck” ausgesetzt. Und könnte die Entscheidung beeinflussen.

3. Die Mehrheit der Katholiken lebt in den Industrieländern lebt völlig anders

Die Lehre der katholischen Kirche hat nur noch wenig mit der Lebenswirklichkeit ihrer Mitglieder zu tun. Eine vom Papst initiierte Umfrage unter allen Katholiken offenbart etwa in Deutschland erhebliche Differenzen zwischen kirchlicher Lehre und tatsächlichem Leben der Gläubigen. In ihrer Haltung zu Scheidung, vorehelichem Sex, Verhütungsmitteln und homosexuellen Partnerschaften folgt eine deutliche Mehrheit der Gläubigen der Kirchenlehre nicht.

4. Viele Priester sind schwul

25 bis 50 Prozent der Priester im Vatikan gelten als schwul - und das Thema Sex spielt hinter den Mauern des Vatikan eine gewaltige Rolle, schreibt Theologe David Berger in der Huffington Post:

Es ist nicht so, dass schwuler Sex kein Thema im Vatikan wäre. Homosexualität ist unter den dort arbeitenden Geistlichen wesentlich weiter verbreitet als in der Gesamtbevölkerung und selbstverständlich auch eines der Lieblingsthemen Was auch erst mal für die Betroffenen gar kein Problem ist. Jedenfalls, solange sie darüber nur so laut sprechen, dass man jenseits der Mauern des Vatikan nichts davon mitbekommt, solange sie es weiterhin in Kauf nehmen, dass sie aufgrund dieser Homosexualität teils von homosexuellen Vorgesetzten besonders gefördert, teils von anderen Vorgesetzten, Mitbrüdern oder Untergebenen aber auch erpresst werden Homosexualität ist sozusagen die Schmiere, die den Machtapparat Vatikan am Laufen erhält.

So lange die katholische Kirche Homosexualität dämonisiert, verrät sie sich damit also selbst.

5. Letztlich entscheidet der Papst

Drei Wochen dauert es, bis die Synode dem Papst eine Empfehlung vorlegt. Er muss am Ende entscheiden, ob sich die Kirche neu ausrichtet. In der öffentlichen Wahrnehmung gilt der Papst immer noch als der liberale Reformer, der die Kraft hat, eine solche Änderung gegen Widerstände durchzusetzen. So eindeutig ist die Lage zwar nicht - bei seinem Besuch auf den Philippinen etwa sprach er sich scharf gegen Homosexuelle aus.

Vor der Bischhofssynode aber stimmte er mildere Töne an. Der schickte er einen Aufruf zu Mut, Offenheit und Demut vorweg. Offenheit und Mut, das ist doch schonmal was.

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