POLITIK
05/10/2015 04:20 CEST | Aktualisiert 21/05/2016 14:34 CEST

"Das wird hässliche Bilder geben": Bei Jauch musste Kanzleramtschef Altmaier seine Chefin Merkel verteidigen

ARD Mediathek
Peter Altmaier veteidigt die Kanzlerin bei "Günther Jauch"

Die Stimmung in Deutschland kippt. Nach der Euphorie über die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge sagen auf einmal 51 Prozent der Deutschen, dass die Flüchtlingskrise sie besorgt. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wird nicht müde, die Kanzlerin zu kritisieren. Nach ihrer "Wir schaffen das"-Parole ist von der Kanzlerin Angela Merkel überraschend wenig zu hören.

Sie schickt ihren Kanzleramtschef Peter Altmaier, um die Verteidigung zu übernehmen. Bei Günther Jauchs Flüchtlingstalk unter dem Titel "Flüchtlingsrepublik Deutschland – wo liegen unsere Grenzen?“ wird klar, warum er nach vorne geschickt wird: Er verteidigt sie mit der Beharrlichkeit eines Panzers.

Das war auch nötig, denn die Angriffe auf Merkel waren trotz einiger Erfolge in der Flüchtlingspolitik scharf. Das sind die Positionen der Gäste im Überblick:

Peter Altmaier

Wenig überraschend - der Kanzleramtschef verteidigte hartnäckig die Politik der Kanzlerin. "Ich glaube aus meiner ganz tiefen Überzeugung, dass dieser Schritt richtig war", sagte Altmaier zu ihrem Schritt, den Flüchtlingen in Ungarn die Einreise zu ermöglichen. Über ihr derzeitiges Schweigen in der Flüchtlingskrise sagte er, dass es bekannt sei, dass sie "in den entscheidenden Augenblicken sie sich sehr gut überlegt, was sie sagt". Jauch versuchte, ihn aus der Reserve zu locken.

Er ließ eine Serie von Zitaten Seehofers einspielen, in denen dieser Merkel scharf angriff. Doch Altmaier sagte, wie schon unter Franz Josef Strauß gebe es nun auch bei Seehofer in "Nuancen" Unterschiede der Positionen von CDU und CSU? "Das sind doch keine Nuancen", sagt Jauch ungläubig. Aber der lässt sich nicht beirren und führt seinen Monolog von der Einigkeit von CDU und CSU weiter.

"Wird Deutschland den Seehofer- oder den Merkel Weg gehen?", fragt Jauch. Aber es kommt leider keine eindeutige Antwort. Zur "politischen Kultur" gehöre es laut Altmaier, wenn unionsintern auch mal diskutiert werden müsse. Dazu bemerkte Grönemeyer zu Seehofer und der politischen Kultur: "Der hat sie nicht!" Altmaier konterte: "Sie vielleicht auch nicht!"

Michaela Vogelreuther

Die Leiterin des Sozialamts der Stadt Fürth war wohl eingeladen worden, um die überforderte Helferin vor Ort darstellen. Sie zweifelte daher auch an den politischen Entscheidungen Merkels. "Ein bisschen erschrocken" sei sie gewesen, als die deren "Wir schaffen das"-Parole gehört habe. Diese Politik der Bundesregierung nannte sie "realitätsfern".

Was sie von ihrer Arbeit berichtete, vermittelte nicht den Eindruck, dass es um politische Weitsicht und Organisationsvermögen zwischen Bund, Ländern und Kommunen besser stehe: "Immer nur Notlösungen", fasste sie ihrer Arbeit zusammen.

Herbert Grönemeyer

Grönemeyer spielte die Rolle des Optimisten. Einen "historischen Moment" erlebe Deutschland, sagte er. Der Musiker ist einer der Paten der Themenwoche "Heimat". Er sprach für die Bürger, die trotz aller Probleme die Einwanderung der Flüchtlinge mit Optimismus sehen. "Wir sollten wirklich versuchen mit der Euphorie, die auch in der Gesellschaft herrscht, diese Probleme anzugehen", sagte Grönemeyer. Dafür macht er auch gleich ein paar Vorschläge.

Die Deutschen sollten aus ihrer Saturiertheit aufwachen. "Man kann sich auch überlegen, ob man nicht den Besserverdienern in Deutschland etwas ans Geld geht." Eine befristete Reichensteuer will er einführen, um die Kosten der Unterbringung für Flüchtlinge zu schultern. Diese Vorschläge würde man mit mehr Wohlwollen aufnehmen, wenn man nicht wüsste, dass er in London lebt. Klartext sprach er zu Seehofers Kritik an der Kanzlerin: Die sei "verbale Brandstiftung", um im rechten Lager nach Stimmen zu fischen.

Ranga Yogeshwar

Der TV-Moderator und Wissenschaftsjournalist bildete mit Grönemeyer zusammen die Gute-Laune-Combo. Er ist in seiner Stadt Hennef ehrenamtlich in der Arbeit mit Flüchtlingen engagiert. Über die Kanzlerin sprach er nur Gutes. "Ich bin stolz auf sie!" Überhaupt, auf das ganze Land ist er stolz - insbesondere auf Hennef: "Die wahre Stärke ist bei den Bürgern."

Werner Patzelt

Der Politologe der TU Dresden, der auch für die Landeszentrale für politische Bildung arbeitet, spielt die Rolle der Kassandra in dieser Runde. "In einem Jahr können wir vielleicht eine Million aufnehmen, wenn wir uns anstrengen", sagte er. "Aber wenn im nächsten Jahr wieder eine Million kommt, dann werden wir an unsere Grenzen stoßen." Kein Worst-Case-Szenario, das für ihn bedrohlich genug wäre.

Zu der Überforderung der Kommunen wird Gewalt in den Flüchtlingsheimen kommen: "Es wird die Anzahl der Auseinandersetzungen unter den auf engstem Raum untergebrachten Menschen zunehmen. Die Polizei wird Prügelknabe sein. Das alles wird äußerst hässliche Bilder produzieren.“

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