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05/10/2015 11:14 CEST | Aktualisiert 05/10/2015 11:15 CEST

Forscher entdecken ein uraltes Virus in unseren Genen, das die Nervenkrankheit ALS auslöst

Das neu entdeckte Virus HERV-K schlummert bereits seit Millionen von Jahren in der DNA.
Getty Images Europe
Das neu entdeckte Virus HERV-K schlummert bereits seit Millionen von Jahren in der DNA.

Wissenschaftler haben ein Virus entdeckt, das seit Millionen von Jahren in unseren Zellen ruht und nun in Form einer Krankheit wieder aktiv werden könnte - der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS). Wie NBC News berichtet, könnte diese Entdeckung möglicherweise sogar zu einer Behandlung der bislang unheilbaren Nervenkrankheit führen.

HERV-K: Das neue Virus zählt zur gleichen Art wie HIV-Viren

Das neu entdeckte Virus Herv-K zählt zu den Retroviren. Zu dieser Art zählt auch das immunschwächende HI-Virus . Diese Form von Viren injiziert ihr genetisches Material permanent in die menschlichen Zellen.

Als Teil der DNA wird das Virus von Generation zu Generation weiter gegeben. Ähnlich wie genetische Merkmale für die Augen- oder Haarfarbe. Laut Expertenschätzungen soll das Virus acht Prozent des menschlichen Erbguts ausmachen. Normalerweise sitzt der Erreger ohne Auswirkungen in der DNA. Einige Viren stehen jedoch im Verdacht, bestimmte Krebstypen und Autoimmunerkrankungen zu verursachen. Sogar mit der Entwicklung von Brustkrebs wird HERV-K in Verbindung gebracht.

Forschungen mit ALS-Patienten geplant

Der Aids-Forscher Avindra Nath hat herausgefunden, dass es AIDS-Patienten gibt, die gleichzeitig ein Syndrom haben, das ALS ähnelt. Es lähmt die Patienten und führt schlussendlich zum Tod. Die Gabe von Medikamenten gegen HIV habe eine Besserung der Patienten erzielt, wie der Mediziner gegenüber NBC News erläuterte.

"Das Virus hat sich in den Neuronen von ALS-Patienten gezeigt, aber nicht in Neuronen der Kontrollgruppe gesunder Menschen", heißt es im Bericht, der im medizinischen Journal "Science Translational Medicine" veröffentlicht wurde. Ein weiterer Versuch mit Mäusen zeigte, dass diese das ALS-ähnliche Syndrom entwickelten, nachdem ihnen Virusgene eingepflanzt wurden.

Ein großes Rätsel bleibt

Bislang ist nicht klar, was das Virus aktiviert. Da HERV-K seit Anbeginn der Menschheit existiert, ist es sehr unwahrscheinlich, dass es wieder aus dem Erbgut entfernt werden kann. Der Fund wirft nun die Frage auf, ob Medikamente gegen Retroviren, die zur Therapie bei AIDS-Patienten eingesetzt werden, auch ALS-Kranken helfen könnten.

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