WIRTSCHAFT
04/10/2015 04:53 CEST | Aktualisiert 04/10/2015 13:49 CEST

VW-Ingenieure sagen, warum sie die Betrugssoftware eingebaut haben

Ein Dieselmotor wird im Werk in Salzgitter gebaut
dpa
Ein Dieselmotor wird im Werk in Salzgitter gebaut

VW-Ingenieure haben offenbar die Schummel-Software entwickelt, um Kostenvorgaben einzuhalten. Das berichtet die „Bild am Sonntag“. Die Zeitung beruft sich auf Informationen, die der internen Revision des Autobauers vorliegen sollen. Die Ingenieure hätten keine andere Lösung gewusst, um bei einem neuen Motor sowohl die strengen Abgaswerte einzuhalten als auch die finanziellen Vorgaben von VW. Andernfalls hätte der Motor nicht in Serie gehen können.

Wochen nach Bekanntwerden des VW-Abgasskandals ist das der erste konkrete Hinweis darauf, warum sowohl in VW-Dieselautos als auch in die Wagen der Töchter Skoda, Seat und Audi eine Software eingebaut wurde, die die Abgaswerte mit Hilfe der Einspritzung von Harnsäure nur dann auf die gesetzlich vorgeschriebenen Werte herunterregelte, wenn sich das Auto auf einem Prüfstand befindet.

Wer die Verantwortung an dem Betrug trägt, ist nach wie vor offen. Laut „BamS“ belasten Ingenieure den damaligen VW-Entwicklungsschef Ulrich Hackenberg – doch die Angaben seien widersprüchlich. Hackenberg habe sich dazu nicht äußern wollen.

Für die Manipulation soll VW auch Software von Continental verwendet haben, berichtet das Blatt. Der Zulieferer sagte der Zeitung, er habe keine Hinweise auf den Missbrauch gehabt, VW müsse das umstrittene Programm selbst hinzugefügt haben. Bislang war nur bekannt, dass in mehreren in den USA vertriebenen Modellen Technik von Bosch zum Einsatz gekommen war. Der Unterschied ist deswegen brisant, weil offenbar bei Bosch ein Software-Update genügt, um die Schummel-Software zu entfernen, während bei Continental unter anderem Einspritzdüsen getauscht werden müssten.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat VW wegen der Manipulation nun scharf angegriffen: "Das war ein Anschlag auf den Standort Deutschland, auf viele tausend Kunden und Arbeitnehmer", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Montag. "Es ist kaum zu fassen, was da mit Fahrlässigkeit und möglicherweise sogar krimineller Energie gemacht wurde."

Schulz forderte die rasche Einführung neuer Prüfverfahren und Strafen für die Schuldigen. "Unabhängig von der strafrechtlichen Beurteilung sieht das Aktien- und Gesellschaftsrecht grundsätzlich eine Managerhaftung mit Privatvermögen vor." Mögliche Abfindungs- oder Bonusforderungen von VW-Managern seien "völlig unverständlich". Gleichzeitig ist sich Schulz jedoch sicher, dass VW den Skandal überwinden könne: "Volkswagen ist ein starker Konzern der alle Chancen hat, die Krise zu überwinden", sagte er.

Baden-Württemberg will Autobauern mit unangekündigten Prüfungen auf den Zahn fühlen. "Wir brauchen im Verkehr so etwas wie die unangemeldeten Dopingkontrollen", sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur. Er betonte, die Messungen sollten auf der Straße stattfinden und nicht im Labor.

Mit Material von dpa

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