WIRTSCHAFT
04/10/2015 07:33 CEST | Aktualisiert 04/10/2015 09:08 CEST

Die emotionale Reaktion von VW auf den Abgas-Skandal

dpa
Matthias Müller, neuer Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG

Für diese Aktion kann man den PR-Leuten von VW nur Respekt aussprechen. Zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung hat der Konzern auf Facebook einen Post und in Zeitungen wie der „Welt am Sonntag“ eine ganzseitige Anzeige veröffentlicht.

Darin schreibt VW, was der Konzern eigentlich gerne an diesem Tag getan hätte: sich über den Feiertag gefreut, seinen Stolz über die eigene Leistung ausgedrückt, den Kunden für ihr Vertrauen gedankt, den Mitarbeitern für ihr Engagement. „All das wäre eigentlich richtig gewesen“, steht da zu lesen.

Stattdessen wolle man jetzt nur einen Satz sagen. „Wir werden alles tun, um Ihr Vertrauen zurückzugewinnen.“

US-Behörden sind dem Konzern auf die Schliche gekommen, dass er seit 2008 Software in den Autos der Marken VW, Skoda , Seat und Audi verbaut, die Wagen so steuert, dass sie lediglich auf dem Prüfstand die Abgasnormen erfüllen, nicht aber im normalen Betrieb.

Der Konzern muss mit Strafen und Forderungen in Milliardenhöhe rechnen. Gefährdet die Umwelt, die Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter, das Image Deutschlands, bringt die von seinen Steuern abhängige Stadt Wolfsburg in Bedrängnis ...

Die PR hat ihren Job gemacht - aber wann macht ihn endlich die Führung?

Die PR-Strategen haben mit der Anzeige da einen echten Coup gelandet. Sie haben alles gesagt, was sie ja nur „eigentlich“ hätten sagen wollen. Sie haben Schuld eingestanden – alles andere wäre zweck- und stillos. Und sie haben Besserung versprochen.

Jetzt allerdings muss der Konzern liefern. Noch immer ist – zumindest öffentlich – nicht klar, wer eigentlich die mutmaßliche Idee der Ingenieure, Abgas- und Kostenvorgaben durch Betrug unter einen Hut zu bringen, gebilligt hat. Wer vielleicht noch Boni kassiert hat, weil das Geschäft mit dem Betrug so gut lief. Außerdem wäre eine Bitte um Entschuldigung fällig. Bei ziemlich vielen Menschen.

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