POLITIK
04/10/2015 18:48 CEST | Aktualisiert 04/10/2015 18:57 CEST

"Werden die Intensität noch erhöhen" - Russland will Krieg in Syrien ausweiten

dpa
"Werden die Intensität noch erhöhen" - Russland will Krieg in Syrien ausweiten

Der russische Präsident Wladimir Putin treibt die Weltgemeinschaft wieder einmal vor sich her - und stellt sie vor vollendete Tatsachen. Nachdem die westlichen Staaten über Jahre dem Bürgerkrieg in Syrien beinahe tatenlos zuschauten, wurden die Karten im syrischen Bürgerkrieg innerhalb nur weniger Tage neu gemischt. Der geschwächte Diktator Baschar al-Assad scheint durch das russische Eingreifen in seiner Macht gefestigt.

Kein Wunder, dass der syrische Präsident in seiner Koalition mit Russland den einzigen Weg für eine Lösung des blutigen Konflikts sieht. "Diese Allianz sollte erfolgreich sein, ansonsten wird Zerstörung das Schicksal der gesamten Region sein, nicht nur das von ein oder zwei Ländern", sagte Assad nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana vom Sonntag dem iranischen Sender Khbar TV. Das US-geführte Militärbündnis habe mit seinen Einsätzen in Syrien keine Ergebnisse erzielt.

Jetzt will Russland seinen Einsatz in Syrien sogar noch ausweiten. Hier sind sechs Dinge, die ihr über den Krieg in Syrien jetzt wissen müsst:

1. Wie das russische Verteidigungsministerium bekannt gab, sollen die Angriffe nicht nur "ausgeweitet, sondern auch intensiviert werden." Bisher haben die Kampfjets rund 60 Einsätze geflogen. Manche nur 20 Kilometer von der Grenze zur Türkei entfernt. Die Jets nutzen dabei hochpräzise, lasergesteuerte Waffen.

2. Die Töne aus der Türkei werden schärfer. Je näher die russischen Bomben der türkischen Grenze kommen, desto deutlicher wird auch der Ton in Ankara. "Russland begeht gerade einen ernsthaften Fehler", sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntag. Das Eingreifen in den syrischen Bürgerkrieg könne zu Moskaus Isolation führen. Die Türkei sei betrübt und beunruhigt, sagte er.

3. Wen Russland mit seinem Einsatz treffen will, ist umstritten. Wladimir Putin beteuert, eine Anti-Terrormission zu fliegen, die den IS treffen soll. Westliche Staaten fürchten, dass Russland auch die Rebellen als Ziel hat.

Nach Angaben von Aktivisten starben bei Angriffen - unter anderem auf von gemäßigten Rebellen kontrollierte Gebiete nördlich von Homs - mindestens fünf Zivilisten. Vom Beginn der Angriffe am Mittwoch bis zum Samstag waren Menschenrechtlern zufolge bereits 39 Zivilisten getötet worden.

4. Die USA wirken in den Konflikt zunehmend hilflos. US-Präsident Barack Obama warf Russland am Samstag vor, den IS indirekt sogar zu stärken. "Die russische Politik treibt (die Rebellen) in den Untergrund oder erzeugt eine Situation, in der sie geschwächt werden, und es stärkt den IS nur. Und das ist für niemanden gut", sagte der US-Präsident.

Der russische Ansatz zur Lösung des Konflikts sei zum Scheitern verurteilt, so Obama weiter. "Aus ihrer Perspektive sind (die Rebellen und die Kämpfer der IS-Terrormiliz) alle Terroristen, und das ist ein Rezept für eine Katastrophe", sagte er. Die USA seien dennoch bereit, Moskau und Teheran, das Russland und Assad unterstützt, an einer politischen Lösung für die Zukunft des Landes zu beteiligen. Doch wie diese Aussehen soll, darüber gab es von Obama (wieder einmal) wenig Konkretes.

5. Auch Europa ist zögerlich was die eigene Haltung angeht. Während immer mehr Politiker betonen, man müsse sich mit Putin und Assad an einen Tisch setzen, rüsten andere zum Kampf. So fliegt Frankreich seit Wochen Angriffe gegen Stellungen des IS. Und auch Großbritannien will innerhalb der nächsten zwei Wochen Bombardements starten, wie der britische "Independent" berichtet.

6. Syrien entwickelt sich damit immer mehr zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Russland und dem Westen. Für Putin ist das Ziel klar: Er will sein Land als Weltmacht auf die politische Bühne bringen, nachdem der Konflikt in der Ukraine abgeflaut ist. Der Westen steckt dagegen nach Jahren der Zurückhaltung in einer Zwickmühle: Angesichts des Eingreifens von Russland kann er dem Bürgerkrieg in Syrien nicht mehr untätig zusehen. An Putin und Assad kommen die USA und Europa jetzt aber auch nicht mehr vorbei - sie haben sich als Verhandlungspartner in den vergangenen Tagen unverzichtbar gemacht.

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