POLITIK
05/10/2015 00:05 CEST | Aktualisiert 05/10/2015 00:19 CEST

"Möglicher Zusammenbruch der Versorgung": Geheimbericht kündigt viel mehr Flüchtlinge an, als bislang erwartet

Die Behörden erwarten weit mehr Flüchtlinge, als bislang angenommen
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Die Behörden erwarten weit mehr Flüchtlinge, als bislang angenommen

Offiziell rechnen die Behörden immer noch mit 800.000 Flüchtlingen in diesem Jahr. Doch die Zahl der Migranten wird in diesem Jahr viel höher ausfallen als bislang vorausgesagt.

Die Behörden erwarten, dass bis Ende des Jahres bis zu 920.000 weitere Asylbewerber kommen.Das berichtet die "Bild"-Zeitung. Damit würde die Zahl der Flüchtlinge bundesweit auf bis zu 1,5 Millionen in diesem Jahr steigen. Die Zeitung beruft sich auf eine interne Prognose von Behörden, die als geheim ("Verschlusssache – Vertraulich") eingestuft ist. Die Zeitung schreibt nicht, um welche Behörde es sich handelt und wer den Bericht verfasst hat.

In dem Bericht heißt es: "Der Migrationsdruck wird weiter zunehmen. Für das vierte Quartal rechnen wir inzwischen mit sieben- bis zehntausend illegalen Grenzübertritten pro Tag. Diese hohe Zahl an Asylsuchenden droht zu einer extremen Belastung für Länder und Kommunen zu werden.“ Unter diesen Flüchtlingen seien immer weniger, die vom Westbalkan stammen und damit kein Recht auf Asyl hätten. Stattdessen kämen mehr Menschen aus Bürgerkriegsgebieten wie Syrien, Afghanistan oder dem Irak.

Der Bericht geht nicht von einem Rückgang der Einreisen im Winter aus. Selbst von einem möglichen "Zusammenbruch der Versorgung" ist in der internen Prognose die Rede. Denn bereits jetzt seien dringende Hilfsmittel, wie Wohncontainer und sanitäre Einrichtungen in ausreichender Zahl kaum noch zu beschaffen.

Ein Problem wird auch der Familiennachzug anerkannter Asylbewerber. "Aufgrund der familiären Strukturen in den Herkunftsstaaten des Nahen Ostens“ müsse mit einem Familien-Faktor von "vier bis acht" gerechnet werden, schreibt die "Bild-Zeitung". Das bedeutet, dass jeder anerkannte Flüchtling aus Nahost, der in Deutschland Asyl erhält, im Durchschnitt vier bis acht Angehörige nachziehen lassen kann.

In der Berechnung der Behörden heißt es dazu: Allein von den bis zu 920.000 Asylbewerbern (Zeitraum Oktober bis Dezember 2015) könnten durch Familiennachzug bis zu 7,36 Millionen Asylberechtigte werden, die dann auch in Deutschland leben wollen.

Die Gemeinden befürchten eine Überforderung. "Wenn der Zustrom weiter so anhält wie jetzt, werden die Kommunen in Deutschland mit Versorgung, Unterbringung und Integration der Flüchtlinge überfordert sein", sagte der Hauptgeschäftsführer des deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, der "Passauer Neuen Presse".

Schon jetzt ist es schwer zu sage, wie viele Flüchtlinge sich in Deutschland befinden. Der Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns, Lorenz Caffier (CDU), hatte zuvor der "Welt am Sonntag" gesagt, er erwarte in diesem Jahr 1,2 bis 1,5 Millionen Flüchtlinge in Deutschland. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) betonte wiederholt, es sei derzeit sehr schwer, genaue Zahlen zu ermitteln. Es gebe Unsicherheiten, weil sich ein "nicht unerheblicher Teil" der Flüchtlinge der Registrierung entziehe oder trotz Registrierung an einen anderen Ort weiterziehe.

Zum Vergleich: 2014 waren bei der zuständigen Bundesbehörde 202.000 Asylanträge eingegangen.

Mit Material der DPA

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