POLITIK
03/10/2015 12:36 CEST | Aktualisiert 03/10/2015 13:26 CEST

Rechtspopulist und Hetz-Autor Pirinçci ist zurück - jetzt stürzt er sich auf die Flüchtlinge

dpa

Früher schrieb Akif Pirinçci Katzenkrimis mit Namen wie "Felidae". Er wurde zum Bestsellerautor - und Vorzeige-Migranten. Dann aber schwenkte der in Istanbul geborene Pirinçci um, wechselte das Genre, könnte man sagen. 2012 begann er für den Weblog "Die Achse des Guten" zu schreiben.

Dann kam 2014 sein Buch "Deutschland von Sinnen. Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer." Voll von Ausländerhass, Homophobie und Verachtung gegenüber dem weiblichen Geschlecht machte es Thilo Sarrazins Veröffentlichungen echte Konkurrenz.

Pirinçcis Buch kam zu einer Zeit, in der die Asyldebatte noch weit weniger brisant war als in diesen Tagen. Da verwunderte es schon, dass es genau jetzt, da sich all seine Thesen, vorgebracht in vulgärer Brachial-Rhetorik, in seinen Augen zu bestätigen schienen, still um den türkischstämmigen Schriftsteller wurde.

Zu verstehen ist das aber wohl als die berüchtigte Ruhe vor dem Sturm. Denn Pirinçci hat nicht aufgehört zu schreiben. Er hat an seinem nächsten Rundumschlag gearbeitet, der da heißt "Die große Verschwulung" und noch im Oktober auf den Markt kommen soll.

Die Flüchtlings- und Einwanderungsfrage hat er aber nicht aus dem Blick verloren, wo er sich darüber doch so wunderbar echauffieren kann. Fast zeitgleich mit "Die große Verschwulung" erscheint ein 100-Seiten-Essay unter dem Titel "Umvolkung".

Pirinçci kann schließlich nicht tatenlos zusehen, wie "täglich 10.000 für unsere Zwecke komplett überflüssige Menschen ins Land strömen". Und so meldet er sich zurück. In einem Gespräch mit dem Autor Alexander Wallasch auf dem Blog "Die Kolumnisten" ließ er seiner unverhohlenen Abscheu gegenüber Flüchtlingen nun erneut freien Lauf.

Die Bürger, so behauptet Pirinçci, würden mit einer Lüge abgespeist, was die Flüchtlingszahlen angehe. Was "die Lügenpresse" laut dem rechten Schreiberling verschwiegt, ist nämlich: Die jungen Männer, die nach Deutschland kommen, sagen zwar, dass sie ihre Familien nachholen wollen. In Wahrheit sind das laut Pirinçcis Einschätzung aber keine gut qualifizierten Ehefrauen und Kinder, sondern "jede Menge Minderintelligenzler", darunter hautsächlich alte Leute. Drei bis vier Millionen im kommenden Jahr, schätzt Pirinçci.

Und Pirinçci glaubt zu wissen: Die "Flüchtlingsdarsteller" können den materiellen Anforderungen in ihrem Heimatland nicht genügen. "Es sind überflüssige Jungmänner, die keine materielle Basis besitzen, um zu heiraten." Ihr Frauenideal sei ohnehin eine Europäerin, "am besten eine blonde".

Beweisführung abgeschlossen. Pirinçci ist zurück - auf seinem Feldzug, Europa vor den Wilden, Barbaren und Schmarotzern zu schützen. Das Besorgniserregende ist: Mit dieser Ansicht ist er längst nicht mehr allein in Deutschland. Das Gute wiederum ist: Man darf davon ausgehen, dass seine Hetze dadurch viel weniger Gehör findet.

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