POLITIK
03/10/2015 16:48 CEST | Aktualisiert 03/10/2015 16:53 CEST

"Zirkusreifer Schachzug": Was wahrscheinlich wirklich hinter zu Guttenbergs Rückkehr steckt

Seehofer holt den früheren Hoffnungsträger zurück
getty
Seehofer holt den früheren Hoffnungsträger zurück

Die Gerüchte um seine Rückkehr sind nie wirklich verstummt. Nun ist es also soweit: Mehr als vier Jahre nach seinem Rücktritt ist Karl-Theodor zu Guttenberg wieder zurück auf der politischen Bühne. Wohl kaum ein anderer deutscher Politiker hat in seiner Karriere eine solche Achterbahnfahrt hingelegt wie der Baron aus Oberfranken.

Erst ging es steil bergauf: Vom jungen, eloquenten Bundestagsabgeordneten zum zweifachen Minister, beliebtesten Politiker des Landes und potentiellen Nachfolger von Angela Merkel. Dann steil bergab infolge der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit.

Jetzt soll zu Guttenberg Mitglied Kompetenzteam von CSU-Chef Horst Seehofer werden, welches die Partei in den kommenden Wahlkämpfen beraten soll. Offiziell soll zu Guttenberg die CSU in Fragen zu Digitalisierung, neuen Technologien und zum Thema Internet beraten.

Die öffentlichen Reaktionen auf das Comeback von "KT" fallen unterschiedlich aus: Michael Watzke etwa nannte die Entscheidung von Horst Seehofer, den früheren Hoffnungsträger zurückholen, im "Deutschlandfunk" am Freitag einen "durchsichtigen und zirkusreifen Schachzug".

Die Entscheidung sei eine "strategische Milchmädchen-Rechnung". Der CSU-Chef versammle im Kompetenz-Team vor der Bundes- und Landtagswahl alle Kräfte, die ihm irgendwie gefährlich werden können - so auch zu Guttenberg, argumentierte Watzke.

Gleichzeitig solle der Baron von Seehofers schärfstem innerparteilichen Rivalen, Finanzminister Markus Söder, ablenken. Söder gilt als potenzieller Nachfolger von Seehofer, wirklich grün waren sich der Ministerpräsident und sein Kronprinz allerdings noch nie.

Wer nun hofft, dass zu Guttenberg nicht nur eine Rückkehr als Berater, sondern auch ein neues politisches Amt anstrebt, wird zumindest erstmal enttäuscht. Der Ex-Wirtschafts- und Verteidigungsminister wird nach eigenen Angaben mit seiner Familie in seiner Wahlheimat USA bleiben. Seinen Dienst wird er zunächst von New York aus verrichten.

Doch was passiert 2018, wenn Seehofer - der nach dieser Legislaturperiode sein Amt zur Verfügung stellen wird - einen Nachfolger benötigt? Dann werden die Karten neu gemischt - und "KT" is back in the game.

"Die politische Telepathie ist quicklebendig", kommentiert die "FAZ". Guttenberg soll immer – aus der räumlichen Distanz – zur Stelle sein, „wenn Expertise zu geopolitischen, sicherheits- und außenpolitischen Fragen gewünscht ist.

Der Rückkehrer selbst gibt sich bescheiden:Er nennt seinen neuen Dienst den "Versuch einer bescheidenen Unterstützung meiner politischen Heimat durch bestehende und gewonnene Erfahrungswerte und internationale Netzwerke“.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Video: Finden Sie die versteckte Cannabis-Botschaft in Horst Seehofers Werbevideo?

Hier geht es zurück zur Startseite