POLITIK
02/10/2015 08:55 CEST | Aktualisiert 02/10/2015 09:07 CEST

"Spiegel"-Reporterin attackiert "Bild"-Zeitung - mit Pegida-Rhetorik

Getty
"Spiegel"-Reporterin Friedrichsen

Späte Gerechtigkeit: Vier Jahre wartete Jörg Kachelmann auf dieses Urteil gegen die “Bild”-Zeitung, die sein Privatleben ausschlachtete. 635.000 Euro Schmerzensgeld soll der Wetterexperte erhalten, das ist einmalig in der deutschen Mediengeschichte. “Bild”-Kritiker sahen sich bestätigt.

Auch Gisela Friedrichsen, Gerichtsreporterin für den “Spiegel”, kommentierte den Fall. Ihr Text ist eine Abrechnung mit dem Boulevard - und enthält eine pikante Passage. Darin vergleicht sie das Springer-Medium mit einem Begriff, den die Pegida-Bewegung in die Welt gesetzt hat. Friedrichsen schreibt:

"Es sind nicht nur die 635.000 Euro, die Springer – vielleicht – einmal an Kachelmann zahlen muss, die bisher höchste Entschädigungssumme in einem derartigen Verfahren, in dem es um die Verletzung von Persönlichkeitsrechten und vor allem um unwahre Berichterstattung ging. Wenn jemals das Wort „Lügenpresse“ einen gewissen Wahrheitsgehalt gehabt haben sollte, dann wohl hier."

“Bild” als “Lügenpresse” zu bezeichnen, ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig - beide Parteien haben angekündigt, in Berufung zu gehen. Da muss sich Friedrichsen schon drei Mal überlegen, ob sie so scharfe Geschütze auffährt.

Denn mit dem Wort wirft die “Spiegel”-Reporterin dem Springer-Blatt vor, die Unwahrheit geschrieben zu haben. Das ist sogar richtig - spielte aber für den Prozess und die hohe Schadenssumme eine untergeordnete Rolle.

Wie das Portal “Meedia” schreibt, kreidete das Gericht lediglich drei Behauptungen als Falschdarstellung an. In dem Prozess ging es vor allem um Persönlichkeitsverletzungen.

Was aber das eigentlich Problem ist, ist das Wort “Lügenpresse” an sich. Damit schürte Pegida Hass auf die Medien. Wer gegen die rechte Bewegung anschrieb, wurde an den Pranger gestellt. Mitunter öffentlich. Wie eine Redakteurin der “Sächsischen Zeitung”, die auf einer Veranstaltung namentlich genannt wurde, um direkt gegen sie anzuhetzen.

Wenn Friedrichsen sich dieser Rhetorik bedient, macht sie sich mit der Bewegung gemein - ob sie will oder nicht.

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