LIFE
02/10/2015 07:53 CEST

An alle erschöpften, frustrierten und verzweifelten Eltern: Seid dankbar

Diese Mutter teilt ihre Geschichte auf Facebook und hat eine wichtige Bitte an alle Eltern.
Screenshot Facebook
Diese Mutter teilt ihre Geschichte auf Facebook und hat eine wichtige Bitte an alle Eltern.

Die Geschichte von Natalie Morgan hat uns tief bewegt. Lest sie bis zum Schluss, dann versteht ihr, warum Natalie eine so wichtige Bitte an alle Eltern hat.

So viele Freunde von mir und Brian haben entweder vor Kurzem ein Baby bekommen, werden bald Eltern oder werden wahrscheinlich in Zukunft Eltern werden. Dies ist meine Bitte an euch:

Es wird Zeiten geben, in denen euer Kind jedes Mal schreit, wenn ihr es in Bettchen bringt. Vielleicht weint es auch, während ihr es im Arm haltet und schon alles ausprobiert habt, damit es endlich aufhört. Ihr werdet schlaflose Nächte verbringen, mehrfach innerhalb von Minuten Windeln wechseln müssen, Erbrochenes in den Haaren haben, Pipi auf dem Shirt und Kacke an den Händen - und dazu kommt dann noch das Schreien des Kindes und wahrscheinlich werdet ihr selbst auch schreien. Jedes Mal, wenn das passiert, jedes Mal, wenn du frustriert bist und am liebsten weglaufen würdest, denke bitte an meine Geschichte:

Meine süße, süße Eleanor Josephine wurde am 11. September totgeboren. Ich ging am 10. September abends ins Bett und spürte noch ihre Tritte. Als ich aufwachte, waren sie weg. Ich konnte ihren Herzschlag mit dem Doppler nicht finden. Ich wusste es. Ich wusste es einfach. Ich wollte es nicht wissen … Ich wollte mich irren, aber ich wusste es.

Wir fuhren sofort ins Krankenhaus und beteten die ganze Zeit über. Sie versuchten es mit dem Doppler - nichts. Bevor sie den Ultraschall ansetzten, fuhren sie mit dem Herzmonitor über meinen Bauch - nichts.

Mein Herz wurde schwer und ich dachte nur: ‘Das kann nicht wahr sein … das ist nur ein Traum … das kann nicht wahr sein … Sie werden auf dem Ultraschall etwas finden … einfach *irgendetwas*. Aber das waren nur schwache Wünsche, denn wie gesagt, ich wusste es.

Ich sah, dass sie es auch wussten, aber niemand sagte etwas bis Brian (der das Auto parkte) hereinkam. Ich wusste, dass sie versuchten es herauszuzögern. ‘Oh, der Ultraschall braucht manchmal ein bisschen, um warmzuwerden.’ ‘Ich glaube, mit der Sonde stimmt etwas nicht …’ Dann war Brian endlich da, sie machten den Ultraschall und schwiegen während sie nervöse Blicke tauschten.

Schließlich sagte eine von ihnen sehr faktisch ‘Hi Natalie, ich bin Dr. ________ (Ich erinnere mich nicht mehr an den Namen, aber ihr wollt sicher nicht wissen, wie ich sie in meinen Gedanken nenne). Es tut mir leid … da ist nichts.’

Ich habe immer wieder Flashbacks zu diesem Moment. Es ist ein lähmendes, alles-einnehmendes Gefühl des Erstickens und eine Erinnerung, die mich für den Rest meines Lebens verfolgen wird. In diesem Moment fühlte ich mich gefangen, als würde die Decke auf mich runterkrachen.

Ich konnte nicht atmen, ich schlug um mich, ich schrie, ich warf mit Sachen, ich übergab mich … und dann starb ein Stück von mir mit ihr. Ich war hilflos und konnte nichts tun. Mein Körper hätte sie beschützen sollen, stattdessen hatte er sie getötet. Ich war in der 41. Woche.

Ein paar Stunden später wurde die Geburt eingeleitet. Sie boten mir eine Epidoralanästesie an, aber ich konnte das nicht. Ich musste das durchstehen. Ich brauchte die Schmerzen, die Qual und das Leid, um wiederzugeben, was ich in meinem Herzen fühlte. Es war das Schwerste, was ich je tun musste. Jemals.

Die unerträglichen Kontraktionen auszuhalten, den Feuerring, das Reißen … wissend, dass das alles umsonst war. Ich brachte ein lebloses Baby zur Welt. Es würde kein großes Glück am Ende geben, das mich die Schmerzen vergessen lassen würde. Die Schmerzen würden im Gegensatz zu meinem kleinen Mädchen ewig leben.

Dann schließlich, nach den höllischen Stunden der Geburt, wurde sie mir auf die Brust gelegt - wunderschön, aber leblos. Es gab keinen Grund, diesen ersten kleinen Schrei von ihr zu erwarten. Stattdessen, war ich es, die schluchzte.

Ich flehte sie durch meine Tränen hindurch an, aufzuwachen: ‘Bitte wach auf, kleines Mädchen … bitte, wach auf. Warum schreist du nicht für deine Mama? Bitte, bitte, bitte … wach einfach auf.’

Sie war wunderschön. Sie war in jeder Hinsicht perfekt. Ich liebe sie so sehr und die Verwüstung, die ich fühlte und noch immer fühle, kann nicht einmal ansatzweise beschrieben werden. Wir durften sechs Stunden mit ihr verbringen. Wir machten hunderte Fotos.

Ein Fotograf von ‘Now I Lay Me Down to Sleep’ kam vorbei und machte noch mehr Bilder. Wir badeten sie, wir kämmten ihre Haare, wir hielten sie, küssten sie und sagten ihr, wie sehr wie sie liebten. Ich entschuldigte mich wieder und wieder dafür, dass ich sie im Stich gelassen hatte. Oh, wie sehr ich mein wunderschönes Mädchen im Stich gelassen habe.

Sie boten uns an, die Nacht über zu bleiben, aber ich konnte dort nicht mehr länger bleiben. Ich konnte den Gedanken, meine Tochter zurückzulassen auch nicht ertragen, aber ich wusste, dass ich so nur das Unvermeidbare hinauszögern würde.

Je mehr Zeit verstrich, desto weniger sah sie wie mein makelloses, kleines Baby aus, das ich auf die Welt gebracht hatte. Ich konnte nicht länger dabei zusehen, wie sie in meinen Armen langsam verfiel. Ich wusste, dass sie keine Schmerzen empfand, aber ich fühlte sie an ihrer Stelle und ich war an meinem Tiefpunkt angekommen. Ich wollte mit ihr sterben.

Gegen 23.30 Uhr verabschiedeten wir uns endgültig von ihr. Als ich in diesen letzten Minuten über ihr stand, floss Blut an meinen Beinen herab und tropfte auf den Boden. Es war mir egal. Meine Gebärmutter weinte. Alles an mir weinte. Zu sehen, wie sie sie wegrollten, brach mich endgültig. Mein Leben endete dann und dort. Sie rollten mich im Rollstuhl aus dem Krankenhaus und ich schrie die ganze Zeit.

Am Montag war die Beerdigung und wir mussten das alles noch einmal durchmachen. Sie zum letzten Mal sehen (meine Beine gaben bei ihrem Anblick nach), für sie singen, ihr kaltes, lebloses Gesicht anfassen, ihr sagen, wie sehr wir sie liebten, und ich, wie ich mich wieder und wieder entschuldigte, dass ich sie nicht beschützen konnte. Es war eine kleine, intime Zeremonie - insgesamt neun Leute. Nur direkte Angehörige. Wir segneten sie alle nacheinander. Und dann verabschiedeten wir uns wieder.

Die anderen ließen uns für einen letzten Moment mit ihr alleine, nur wir drei. Und als wir fertig waren, gingen wir Arm in Arm den Gang hinunter und durch die Türen der Kirche, die unsere Familie für uns aufhielt. Ich war kurz an unsere Hochzeit erinnert, als wir als Mann und Frau diesen Gang entlang gingen und die Türen für uns aufgehalten wurden.

Diese Erinnerung war so eine grausamer Gegensatz zu unserer aktuellen Realität. Unsere Hochzeit war fröhlich. Das war ein Albtraum, das war makaber, das war falsch. Alles daran war falsch. Ich sehe noch immer diese kleine Kiste vor mir, die mit weißem Stoff ausgelegt war und in der ihr kleiner Körper lag. Ich musste sie dort zurücklassen, in diesem kalten, leeren Raum; wieder ganz alleine. Es ist ein Albtraum, der einfach nicht aufhört.

Ich erzähle das alles, weil ich das sagen will: Meine Gebärmutter, mein Herz und meine Arme sind leer. So viele von euch werden Babys haben, die jedes Mal, wenn ihr versucht sie ins Bettchen zu bringen, schreien werden.

Oder sie werden ohne ersichtlichen Grund weinen, selbst wenn ihr sie im Arm haltet und sie gefüttert habt, sie ein Bäuerchen gemacht haben, frische Windeln tragen … alles. Und es ist unvermeidbar, dass ihr weint, weil ihr euch so hilflos und ahnungslos fühlen und so frustriert sein werdet.

Und ihr werdet so etwas schreien wollen, wie ‘Warum hörst du nicht auf zu weinen?!’ Ihr werdet erschöpft sein, und wütend und ihr werde genug haben. Ihr werdet euch wünschen, nur mal einen kleinen Moment der Ruhe und ein bisschen Zeit für euch selbst haben, um zu duschen oder zu essen oder was auch immer.

Ich weiß das, weil ich das mit meinem Sohn erlebt habe. Aber ich werde das nie mit meiner Tochter erleben. Und ich würde alles dafür geben, um so zu leiden, wie es nur eine Mutter (oder ein Vater) in diesen dunklen Momenten des Elternsein tut. Mit ihr, meiner geliebten Eleanor.

Aber bitte denkt einfach daran, wenn ihr nachts um drei wach seid, weil ihr ein Baby im Arm haltet, das euch wach hält: Ich bin nachts um drei wach, weil ich keins im Arm halte. Und ich würde alles auf der Welt darum geben, um von einem Baby vollgekotzt zu werden, das Tag und Nacht Koliken bekommt, schreit, sich nicht von mir ins Bettchen legen lässt, meine Brustwarzen beim Stillen aufplatzen lässt, mich nachts wach hält.

Stattdessen habe ich genähte Genitalien, schmerzhaft angeschwollene Brüste, an denen keine Baby saugen wird, einen wabbeligen Bauch, eine leere Gebärmutter und Blut, das aus mir herausfließt und keiner weiß, wie viele Wochen noch. Als ob ihr Tod und ihre Geburt nicht schon traumatisch genug gewesen wären, muss ich mit den körperlichen Folgen noch viele Tage danach leben.

Alles, worum ich euch bitte, ist: Wenn ihr diese dunklen Momente mit eurem Baby durchlebt - wenn ihr am Ende eures Lateins seid und das Gefühl habt, nicht mehr weitermachen zu können, weil ihr nur ein oder zwei Stunden Schlaf pro Nacht bekommt - bettelt euer Baby nicht an, endlich zu schlafen und lasst die Frustration und Erschöpfung nicht die Überhand gewinnen.

Findet einen letzten Funken Kraft in euch und sprecht ein Gebet der Dankbarkeit für euer Kind. So schwer das in dem Moment auch sein mag. Und wenn ihr möchtet, sprecht auch ein Gebet für mich und alle Mütter, die ihre Kinder zu früh verloren haben. Sprecht ein Gebet für meine süße, süße Eleanor, die nie die Welt außerhalb meiner Gebärmutter sehen wird.

Bitte. Tut es für Eleanor. Und tut es für ihre Mama, die sie so unendlich liebt und vermisst.

There seem to be so many friends of mine and Brian that have either recently had babies, are soon to have babies, or...

Posted by Natalie Morgan on Montag, 21. September 2015



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