POLITIK
02/10/2015 03:26 CEST

Kundus-Gouverneur: "Die Deutschen haben uns alleine gelassen"

Afghanische Truppen bei der Rückeroberung der Stadt Kundus
AP
Afghanische Truppen bei der Rückeroberung der Stadt Kundus

Die Stürmung der afghanischen Stadt Kundus durch die Taliban schockierte die Welt. Nun hat der Gouverneur der Provinz den Abzug der Bundeswehr aus der Region vor zwei Jahren als verfrüht kritisiert. "Wir haben den Deutschen mehrfach gesagt, dass wir sehr besorgt über ihren Abzug sind", sagte Gouverneur Hamdullah Daneschi der Deutschen Presse-Agentur per Telefon.

Er erhebt schwere Vorwürfe gegen die Deutschen. "Wir wussten, dass wir die Lage nicht alleine würden kontrollieren können. Aber sie haben uns alleine gelassen. Die Entscheidung, aus Kundus abzuziehen, war verfrüht." Die Taliban hatten Kundus-Stadt am Montag eingenommen. Am Donnerstag hatten Regierungstruppen die Taliban wieder vertrieben.

Daneschi ist enttäuscht von den Deutschen. "Wir machen sie nicht für den Fall von Kundus verantwortlich, aber wir sind enttäuscht darüber, dass sie uns alleine gelassen haben. Wir brauchten sie hier, aber sie sind gegangen."

Er hofft, dass die Bundeswehr zurückkehrt. "Wir würden uns sehr wünschen, dass die Deutschen zurückkommen." Die Bundeswehr war vor zwei Jahren aus Kundus abgezogen. Kundus war die erste Provinzhauptstadt, die seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 von den Aufständischen erobert wurde.

Auch gegen die afghanische Regierung erhebt er Vorwürfe. In Bezug auf Präsident Aschraf Ghani in Kabul sagt er: "Warum hat die Regierung nicht aufgepasst, als wir unsere Sorgen ausgedrückt haben?"

Daneschi hatte bereits im April gewarnt, das Kundus von den Taliban erobert werden könnte. Ghani hatte den bisherigen Gouverneur von Kundus, Mohammad Omar Safi, während der Gefechte um die Stadt seines Amtes enthoben. Zugleich hatte er Daneschi per Dekret zum amtierenden Gouverneur ernannt. Daneschi war davor zwölf Jahre lang stellvertretender Gouverneur der Provinz Kundus gewesen.

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