LIFESTYLE
02/10/2015 10:51 CEST | Aktualisiert 15/10/2015 13:30 CEST

Sie dachte, dass ihre Schwiegermutter ihre Söhne versaut. Nach ihrem Tod erfuhr sie, was sie wirklich getan hat

Sally Anscombe via Getty Images
Manche Omis verziehen ihre Kinder ungemein.

Schwiegermütter – oft auch als Schwiegermonster bezeichnet – sind für viele der Wermutstropfen in einer sonst glücklichen Beziehung. Angeblich wollen sie nur das Beste, aber gehen einem dabei ständig auf die Nerven.

Auf hrtwarming.com haben wir den Brief einer dreifachen Mutter an ihre verstorbene Schwiegermutter gefunden. Er hat uns die Augen geöffnet.

Du hast mir immer den Wind aus den Segeln genommen. Du hast ihnen immer gegeben, was sie wollten. Du hast nie „Nein“ gesagt, wenn sie dich um etwas gebeten haben.

Ein Nachschlag beim Dessert. Süßigkeiten vor dem Abendessen. Ein paar Minuten mehr in der Badewanne. Geld für den Eiswagen.

Ich habe mich sehr schwer getan, dir Respekt und Anerkennung zu zeigen. Ich dachte, du würdest sie in „verwöhnte Gören“ verwandeln, indem du ihnen alles gibst, was sie wollen. Ich dachte, sie würden so nie lernen, zu warten oder zu teilen, weil du ihre Wünsch erfüllt hast, sobald sie den Mund aufgemacht oder auf irgendetwas gezeigt haben.

Du hast jedes meiner Babys noch lange im Arm gehalten, nachdem sie eingeschlafen sind. Hast du nicht verstanden, dass ich ihnen beibringen musste, selbst einschlafen zu können?

Du bist zu ihnen gerannt, sobald sie den leisesten Mucks von sich gegeben haben. Wie sollten sie je lernen, sich selbst zu beruhigen?

Ich habe es dir übel genommen, dass du ihnen die besten und teuersten Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke gekauft hast.

Wie konnte ich nur mit dir mithalten? Was denkst du, wie es sich anfühlt, wenn die besten Geschenke, über die sie sich am meisten freuen und die ihre Augen zum Leuchten bringen, nicht von ihren Eltern sind?

Und wie sie es geliebt haben, die Nachmittage mit dir zu verbringen. Du hast ihnen ihr Lieblingsessen gekocht. Drei verschiedene Sachen für drei verschiedene Jungs. Und du hattest immer eine kleine Überraschung. Ein Geschenk oder Süßigkeiten.

Ich wollte nicht, dass sie dich mit Geschenken und Süßigkeiten in Verbindung bringen. Ich dachte, sie sollten dich für das lieben, was du bist. Ich habe versucht dir das zu sagen, aber du hast nicht zugehört. Du hast einfach weiter gemacht und sie nach Strich und Faden verwöhnt.

Ich habe viel Zeit damit verbracht, nachzudenken, warum du das machst und wie ich dich dazu bringen kann, dich zu bremsen. Ich wusste, dass Großmütter so sind – dass sie ihre Enkel verwöhnen und dann heimschicken – aber du hast dabei so lächerlich übertrieben.

Bis du weg warst.

Ich musst meine Jungs festhalten und ihnen sagen, dass ihre Oma gestorben ist. Es war für uns alle unfassbar, du hättest da sein sollen für alle weiteren besonderen Momente: Schulbälle, Abschlussfeiern, Hochzeiten. Aber sie haben ihre Großmutter zu früh und zu plötzlich verloren.

Sie waren noch nicht bereit, Lebewohl zu sagen.

In all den Jahren, in denen ich mir gewünscht habe, du würdest aufhören sie zu verwöhnen, habe ich nie darüber nachgedacht, wie sehr du sie geliebt hast. So sehr, dass du es auf jede erdenkliche Art gezeigt hast. Mit deinem Essen, deinen Geschenken und deinen Süßigkeiten. Und deiner Anwesenheit.

Die Art, in der du jedes Detail eines besonderen gemeinsamen Moments nacherzählen konntest – und wenn es nur der perfekt gefangene Ball in einem Feldspiel war. Deine großmütterliche Liebe kannte keine Grenzen. Und du hast sie gezeigt – mit deinem Geldbeutel, deinen Worten, deiner Küche und deinen nimmermüden Armen.

Es macht keinen Sinn in Reue zu versinken, aber ich denke oft daran, wie falsch ich dich verstanden habe. Ich habe deine Großzügigkeit in einem falschen Licht gesehen. Meine Kinder, die jetzt Teenager sind, vermissen dich schmerzlich. Und sie vermissen nicht deine Süßigkeiten oder dein Geld. Sie vermissen dich.

Sie vermissen es, an die Tür zu laufen, wenn du gekommen bist und dich zu umarmen, bevor du überhaupt eintreten konntest. Sie vermissen es, zur Tribüne hochzuschauen und dich zu sehen, einen ihrer größten Fans, lachend und begeistert, ihre Aufmerksamkeit zu haben. Sie vermissen es, mit dir zu reden und deine weisen, aufmunternden und liebevollen Worte zu hören.

Wenn ich noch einmal mit dir sprechen könnte, dann würde ich dir sagen: Bei jedem besonderen Moment – jedes Mal, wenn sie einen neuen Abschnitt in ihrem Leben erreichen, jedes Mal, wenn sie mich mit ihrer Ausdauer, Talenten und Triumphen begeistern – denke ich an dich. Und ich wünschte, sie könnten dich wieder bei sich haben.

Komm zurück und schenk ihnen ein letztes Mal deine Liebe, wie es nur Großmütter tun können. Bring deine Süßigkeiten und Überraschungen. Überschütte sie für die kleinsten Leistungen mit Geschenken. Koch ihnen ihr Lieblingsessen, nimm sie mit, wohin sie auch wollen. Du tust das alles nur, weil du sie so liebst.

Oh, ich wünschte mir von ganzen Herzen, dass du wieder da sein könntest.

Du würdest wieder endlose Stunden mit mir auf der Tribüne sitzen. Wir könnten sein Gesicht sehen und würden genau wissen, ob er gerade zufrieden, eingeschüchtert, durstig oder gelangweilt ist.

Komm zurück und höre ihm beim Saxofon spielen zu. Wir beide sehen es in seinen Augen blitzen, wenn er seine Lieblingsstücke spielt. Du würdest zuschauen, wie er in seinem Sitz ihn und her rutscht, Blicke mit seinen Freunden tauscht und jedes Mal erleichtert seufzt, wenn ein Lied zu Ende ist.

Komm zurück und höre seine Stimme, den brüllenden Bass im High-School-Chor. Du würdest dich daran freuen, wie er aus vollem Herzen singt. Seine grünen Augen, die er bei den längeren Noten schließt, strahlen voller Leidenschaft.

Wenn ich dich dann anschaue, weiß ich, das niemand ihn so sehr liebt wie du und ich.

Komme zurück und schaue ihn dir jetzt an, mit seinem Hut und der Robe. Du würdest sehen, wie der Wind das Haar aus seinem Gesicht bläst und einen ehrfürchtigen Blick mit mir tauschen, wenn wir beide merken, dass er zu einem Mann geworden ist. Wir würden uns – ohne ein Wort zu wechseln – gleichzeitig wundern, wie schnell die Zeit vergangen ist.

Je mehr ich mich nach dir sehne, desto mehr fällt mir auf, dass du nie von uns gegangen bist.

Ich verstehe dich jetzt. Du hast sie auf jede erdenkliche Art und Weise geliebt. Ich weiß, dass es dir Freude und Erfüllung gegeben hat, ihre Großmutter zu sein. Und natürlich weiß ich, dass du nie zurückkehren wirst.

Aber deine Liebe für sie wird immer bleiben. Deine Liebe hat sie in einer Art und Weise geprägt, die ich nicht beschreiben kann. Deine Liebe macht einen Teil davon aus, wer sie jetzt sind und was aus ihnen werden wird. Für das und für jedes Geschenk, das du ihnen gegeben hast und für jedes Mal, als du sie zu lange gehalten und getröstet hast und sie zu lange hast aufbleiben lassen, dafür will ich dir danken.

Und ich wünsche mir so sehr, dass du es noch einmal tun könntest.


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