POLITIK
01/10/2015 17:34 CEST | Aktualisiert 01/10/2015 20:24 CEST

Karl-Theodor zu Guttenberg ist wieder da: Die 4 wichtigsten Fragen zum Comeback des Ex-Ministers

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Er kommt zurück: Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU)

Er ist also wieder da. Bald. Gerüchte über ein Comeback des ehemaligen Wirtschafts- und Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg auf die politische Bühne hatte es immer wieder gegeben. Jetzt holt CSU-Chef Horst Seehofer den Shootingstar von einst, der wegen eines Plagiats in der Doktorarbeit von allen Ämtern zurückgetreten war, zurück.

Der inzwischen 43-Jährige soll dem Kompetenzteam angehören, das den Parteichef mit Blick auf die kommenden Wahlen beraten soll. Er habe Guttenberg gebeten, dass er "sein ganzes Wissen und Können gegenüber unserer Partei und mir persönlich einbringt", sagte Seehofer der "Süddeutschen Zeitung".

Was hat die Rückkehr zu bedeuten? Will zu Guttenberg mittelfristig wieder mehr sein als Seehofers Berater? Immerhin galt er schon mal als künftiger Kanzlerkandidat der Union. Das sind die vier wichtigsten Fragen zum Comeback des CSU-Politikers:

1. Soll Guttenberg wirklich nur Berater sein?

Erst mal ja. Sagt zumindest Horst Seehofer. Guttenberg werde die CSU "themenbezogen unterstützen", sagt der Parteichef, in der Außen- und Sicherheitspolitik und bei der Digitalisierung. Und er werde nur das tun. Aus der Zusammenarbeit seien "keine weiteren Schlüsse" über weitere Aufgaben Guttenbergs zu ziehen.

Dafür, dass Guttenberg wirklich nichts plant, spricht auch, dass er seinen Lebensmittelpunkt laut "Süddeutscher Zeitung" in den USA behalten will. Er wohnt an der US-Ostküste, reist von dort als Chef einer Beratungsfirma um die Welt, unter anderem im Auftrag der Europäischen Union.

Aber ob Guttenberg das perspektivisch auch noch vorhat? Im April hatte er schließlich auch ein Comeback noch ausgeschlossen. Sechs Monate später hat er es sich offensichtlich anders überlegt.

2. Was für Posten kämen denn theoretisch in Frage?

Sollte Guttenberg mehr sein wollen als nur Berater, gäbe es in absehbarer Zeit mindestens zwei interessante Ämter zu besetzen für jemanden, der schon zweimal Minister war: Ministerpräsident von Bayern – und natürlich Bundeskanzler.

Ministerpräsident Seehofer hat bereits angekündigt, dass er 2018 nicht noch einmal kandidieren will. Ein Nachfolger wird also gesucht – und der kommt ziemlich sicher aus der CSU. Finanzminister Markus Söder gilt derzeit als aussichtsreichster Kandidat. Aber Seehofer und er verstehen sich nicht besonders gut. Weswegen manche mutmaßen, Seehofer benutze Guttenberg auch dazu, Söder zu stoppen. Möglicherweise verfolgt also auch Seehofer andere Ziele, als er zugibt.

Was die Kanzlerschaft angeht: Die wird sich Angela Merkel nicht streitig machen lassen. Und parteiintern wird auch niemand ernsthaft in Erwägung ziehen, die Amtsinhaberin herauszufordern. Da könnte selbst zu Guttenberg fast nur scheitern.

Ein kleines Aber gibt es aber: die Flüchtlingskrise. Merkel hat das Thema erst unterschätzt, das sagt sie selbst. Jetzt hat sie es zur Chefsache gemacht. Und sie fährt einen Kurs, mit dem sie viele Parteikollegen gegen sich aufbringt.

Scheitert Merkel in der Flüchtlingspolitik – und die Herausforderung ist so gewaltig, dass man daran scheitern kann –, ist sie plötzlich doch angreifbar. Dann hätten Herausforderer eine Chance. Und so viele aussichtsreiche Merkel-Alternativen hat die Union nicht, dass ein zu Guttenberg einfach abgelehnt werden würde, sofern er denn wollte. Im Gegenteil. Sie würde ihn wahrscheinlich ganz gern nehmen.

3. Und die Plagiatsaffäre?

Scheint mehr oder weniger vergessen zu sein, zumindest von Guttenberg-Anhängern. Dutzende Passagen hatte Guttenberg in seiner Doktorarbeit bei anderen Autoren abgeschrieben. Die Kritik daran wies er zunächst als "abstrus" zurück, musste später aber "gravierende Fehler" eingestehen. Den Doktortitel verlor er, das Amt des Verteidigungsministers gab er ab.

Schon damals fragten einige, ob ein Mensch nicht ein guter Politiker sein könne und bleiben dürfe, auch wenn er sich so einen Fehler geleistet habe. Genau dieselbe Frage wird übrigens gerade im Zusammenhang mit Plagiatsvorwürfen gegen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gestellt. Wieder halten einige ein Plagiat schlicht für zu gravierend, um danach noch ein so herausragendes Amt weiter zu bekleiden. Und andere finden alles halb so wild.

Bei zu Guttenberg bliebe das Plagiat im Falle einer Kandidatur – für welches Amt auch immer – zwar ein Mittel für den politischen Gegner, den Ex-Doktor anzugreifen. Für die meisten dürfte inzwischen aber Gras über die Sache gewachsen sein. Er hat schließlich für seinen Fehler gebüßt.

4. Was bleibt noch zu sagen?

Sollte Guttenberg tatsächlich Ambitionen haben, wieder durchzustarten, bekommen wir auch eine alte Debatte von damals zurück: die, ob der Hochgelobte überhaupt ein so guter Politiker ist, wie so viele sagen. Und nicht nur ein junger, charmanter und eleganter Mann, der mit ein paar Worten alle Deutschen scheinbar um den Verstand bringt.

Kritiker warfen ihm nämlich vor, zwar smart zu sein und eloquent, aber inhaltlich nicht viel zu bieten zu haben. Keine gesellschafts-, sozial- oder wirtschaftspolitischen Ideen.

Damals funktionierte zu Guttenbergs Inszenierung als Gegenentwurf zum politischen Establishment so lange gut, bis ihn ein schwerer Fehler ziemlich abrupt zu Fall brachte. Aber wer weiß: Vielleicht geht es ja jetzt genauso schnell wieder bergauf für ihn, wie es damals bergab ging.

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