WIRTSCHAFT
01/10/2015 09:37 CEST | Aktualisiert 01/10/2015 10:15 CEST

Forderungen in Milliardenhöhe: Warum der Abgas-Skandal VW das Genick brechen könnte

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Der Skandal zieht immer größere Kreise

Für VW wird es teuer. Richtig teuer: Schadensersatzklagen, Rückforderung von Subventionen, Absatzrückgänge, weltweite Rückrufaktionen von mehreren Millionen VW-Autos.

Wie die "Bild-Zeitung" berichtet, könnten die Folgen des Abgasskandals die Wolfsburger Autobauer laut Schätzungen der Landesbank Baden-Württemberg bis zu 47 Milliarden Euro kosten. Der neue VW-Chef Matthias Müller spricht ganz unverblümt von der "größten Bewährungsprobe" in der Geschichte des Konzerns.

In einem Land könnte es VW noch schlimmer treffen als in den USA

Neue Horror-Forderungen kommen aus Australien: Wie die australische Verbraucherschutzbehörde mitteilte, könnten auch dort die Käufer mit falschen Angaben über die Umweltfreundlichkeit der Wagen getäuscht worden sein. Der Einbau manipulierter Software verstößt gegen die dortigen Gesetze. "Wir sind sehr besorgt über die potenziellen Verbraucher- und Wettbewerbsnachteile", teilte der Chef der Behörde, Rod Sims, mit.

Jeder Verstoß gegen die Gesetze könne eine Strafe von bis zu 1,1 Millionen australischen Dollar nach sich ziehen. Das sind etwa 692.000 Euro. Diese Strafe werde pro verkauftes Auto berechnet, in dem die manipulierte Software eingebaut war.

Eine Zahl macht deutlich, wie nahe der Bankrott ist

Seit 2009 sind in Australien nach Schätzungen nur rund 50.000 VW-Autos mit Dieselantrieb verkauft worden. Trotzdem könnte sich theoretisch für VW allein in Australien die gigantische Strafsumme von 34,6 Milliarden Euro ergeben. Die möglichen Strafen aus "Down Under" übersteigen selbst die Zahlen aus den USA: Dort stand bisher eine Summe von umgerechnet etwa 16 Milliarden Dollar (gut 14 Milliarden Euro) im Raum.

Zusammengenommen entspricht dies ziemlich genau dem aktuellen Börsenwert von VW: 48 Milliarden Euro. Wie steht es um einen Konzern, dem höhere Strafen drohen, als er selbst Wert ist? Die denkbaren Folgen reichen bis zum Bankrott.

Neue Hiobsbotschaften aus Frankreich und Spanien

Wie französische Medien berichten, sind auch in unserem Nachbarland etwa eine Million Fahrzeuge betroffen. Die Regierung in Paris erwägt nun eine Rückforderung von öffentlichen Fördergeldern. Dies teilte Umweltministerin Ségolène Royal am Mittwoch in Paris mit.

Auch Spanien denkt über rechtliche Schritte nach. Dort sind bis zu 700.000 Fahrzeuge von der Affäre betroffen, die Regierung in Madrid will daher die Rückforderung von Subventionen nicht ausschließen.

VW könnte sehr schnell das Geld ausgehen

Wie will VW das bezahlen? Bereits kurz nach Bekanntwerden der Aktion hatte der Konzern bekannt gegeben, dass 6,5 Milliarden Euro aus dem laufenden Geschäft "ergebniswirksam" zurückgelegt werde sollten. Doch diese Summe, die vor allem für Reparaturen und Service-Leistungen vorgesehen ist, reicht bei Weitem nicht aus.

Um sich zu retten, bleibt dem Konzern nur ein schmerzhafter Schritt

VW kann nun einzelne Marken verkaufen, sein Kapital durch Ausgabe neuer Aktion erhöhen und im Konzern sparen. Nach Berechnungen von Analysten könnten die Wolfsburger so etwa 60 bis 65 Milliarden Euro locker machen. Doch was, wenn all das nicht genug ist? "VW ist systemrelevant, wenn alle Stricke reißen, wird womöglich der Staat einspringen müssen", sagte der auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Rechtsanwalt Andreas Tilp, der "Bild-Zeitung". Seine Kanzlei könnte im Auftrag von VW-Aktionären Klagen gegen das Unternehmen in die Wege leiten.

VW ist für die deutsche Wirtschaft lebenswichtig. Mit seinen weltweit rund 600.000 Mitarbeitern und der Beteiligung des Landes Niedersachsen hat der Konzern eine ähnlich große Bedeutung wie die Banken, die in der Finanzkrise in finanzielle Nöte gerieten. Auch dort sprang der Staat mit rettenden Euros ein.

Mit Material von dpa.

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