POLITIK
02/10/2015 01:39 CEST | Aktualisiert 02/10/2015 05:02 CEST

7 traurige Wahrheiten über den Amoklauf in den USA

Wieder ein Amoklauf an einer Schule in den USA. Am Umpqua Community College in Roseburg im US-Westküstenstaat Oregon sind nach Angaben der Polizei mindestens zehn Menschen getötet und sieben weitere verletzt worden. Polizeisprecher John Hanlin widersprach damit Staatsanwältin Ellen Rosenblum sowie Medienberichten, die von 13 beziehungsweise 15 Todesopfern sowie 20 Verletzten gesprochen hatten. "Diese Zahl ist die akkurateste Information, die wir derzeit haben", sagte Hanlin.

Der 26-jährige Schütze wurde von der Polizei erschossen. Nach mehreren Berichten soll der Täter die Schule gekannt haben und gezielt einen bestimmten Klassenraum betreten haben. Die 18-Jährige Studentin Kortney Moore sagte der "New York Times", während ihrer Literaturklasse sei ein Schuss durch das Fenster gekommen, der ihren Lehrer in den Kopf getroffen habe.

Der Schütze sei dann in den Klassenraum gekommen. Er habe allen befohlen, sich auf den Boden zu legen. Er soll dann die Schüler der Reihe nach gefragt haben, ob sie Christen sind. Wenn sie diese Frage bejahten, schoss er sie in den Kopf - wenn nicht, schoss er sie in das Bein.

1. Es gab in der gleichen Stadt bereits eine Schießerei an einer Schule

In der gleichen Stadt gab es bereits einige Jahre zuvor eine Schießerei an einer Schule. Im Februar 2006 betrat ein 14-Jähriger eine High School mit einer halbautomatischen Pistole. Er schoss auf dem Schulhof einen Schüler vier Mal in den Rücken. Der Angegriffene überlebte aber schwer verwundet.

2. Es ist die 45. Schul-Schießerei in den USA

Bildungseinrichtungen werden in den USA immer wieder Ziel von Amokläufen und bewaffneten Angriffen. Drei der schwersten Vorfälle ereigneten sich an Schulen oder Universitäten: Am 20. April 1999 töteten zwei Teenager zwölf Schüler und einen Lehrer an der Columbine High School in Littleton (Colorado). Die Täter töten sich. Im April 2007 eröffnete ein Student an der Universität Virgina Polytechnic Institute in Blacksburg (Virgina) das Feuer und tötete auf dem Campus 32 Menschen.

Und am 14. Dezember 2012 kamen beim Massaker an der Sandy Hook-Grundschule in Newtown (Connecticut) 20 Kinder und sechs Lehrer ums Leben. Der Schütze tötet sich selbst. Seit dem Vorfall an der Sandy Hook-Grundschule wurden an US-Schulen mehr als 140 Mal Schüsse abgefeuert, im Durchschnitt also einmal pro Woche, wie die Organisation Everytown zählte.

In 34 dieser Fälle kam mindestens ein Mensch ums Leben. Der inoffiziellen Website Shootingtracker.com zufolge ist der Vorfall in Roseburg das 45. Shooting an einer Schule.

3. Der Täter hatte wahrscheinlich ein halbautomatisches Gewehr - und dessen Besitz ist legal

In Mitschnitten des Polizeifunks ist zu hören, dass der Täter eine "lange Waffe" hatte - also ein Gewehr oder eine Schrotflinte. Bisher gab es noch keiner genaueren Informationen zu den Tatwaffen. Doch US-Vizepräsident Joe Biden ist sich sicher, dass es eine halb- oder vollautomatische Waffe sei. Seine Vermutung basiere auf der großen Zahl von getöteten und verletzten Menschen. Im Unterschied zu vollautomatischen Waffen könne halbautomatische an jeden Amerikaner, der älter als 21 Jahre ist, ohne Registrierung verkauft werden.

4. Es gab ein Gesetz, das den Besitz halbautomatischer Waffen verboten hatte - aber es lief 2004 aus

Im Jahr 1994 wurde unter Präsident Bill Clinton der Federal Assault Weapons Ban verabschiedet, der den Kauf von halbautomatischen Kriegswaffen an Zivilisten verboten hatte. Das Gesetz richtet sich gegen halbautomatische "zivile" Versionen von vollautomatischen Waffen wie dem amerikanischen M16 oder Kopien des russischen AK47.

Allerdings lief dieses befristete Gesetz 1994 aus. Nach dem Amoklauf an der Grundschule in Newtown in Connecticut hatte das Weiße Haus sich massiv für ein Gesetz zur Waffenkontrolle eingesetzt. Die Erneuerung scheiterte jedoch am politischen Widerstand.

5. Der Sheriff, der den Fall untersucht, hat sich gegen eine Verschärfung von Waffengesetzten engagiert

Douglas County Sheriff John Hanlin ist mit der Aufklärung des Falls beauftragt. Hanlin hat sich in der Vergangenheit gegen eine Verschärfung von Waffengesetzen ausgesprochen. In einem Brief an den Vizepräsidenten Joe Biden in 2013 schrieb er: "Waffenkontrollen sind NICHT die Lösung, um schreckliche Verbrechen wie Schul-Schießereien zu verhindern."

Mehrmals in diesem Jahr hat er sich dagegen ausgesprochen, Hintergrund-Checks für Menschen einzuführen, die Waffen erwerben wollen.

6. Obama wird die Opfer besuchen - und hat darin schon Routine

US-Präsident Barack Obama hat sich nach dem Blutbad mit 13 Toten an einer Volkshochschule im Staat Oregon erneut für eine Verschärfung der Waffengesetze ausgesprochen. Wie könne irgendjemand allen Ernstes behaupten, dass Pistolen die Menschen sicherer machten, fragte Obama im Weißen Haus. Sichtlich verärgert sagte er, dass die USA "das einzige fortgeschrittene Land sind, das alle paar Monate diese Art von Massenschießerei" habe.

Sichtlich frustriert und mit einigem Groll in der Stimme beklagte er zudem eine Abstumpfung in Amerika. "Irgendwie ist das Routine geworden. Diese Berichterstattung ist Routine. Meine Antwort hier am Podium wird als Routine enden. Die Diskussion im Nachhinein ist Routine. Wir sind dem gegenüber abgestumpft."

Zudem wandte sich Obama an die Täter. Sie seien "krank" im Kopf. Wie der Präsident in seiner Rede selbst erklärte, hat er schon in der Vergangenheit ähnliche Stellungnahmen abgeben müssen: Im Laufe seiner Amtszeit reiste er nach Aurora in Colorado, Tucson in Arizona, Charleston in South Carolina und in etliche weitere Städte, um Opfern von Waffengewalt sein Beileid auszudrücken. "Jedes Mal, wenn dies wieder passiert, werde ich das Thema wieder ansprechen", kündigte er an.

7. Die Tat wurde vielleicht im Internet angekündigt - und der Täter ermuntert

Vor der Tat tauchte eine Nachricht im Internet-Forum 4Chan auf: "Einige von euch sind in Ordnung. Geht morgen nicht zu Schule, wenn ihr im Nordwesten lebt." Der Verfasser kündigte an, weitere Informationen zu seiner Tat in dem Thread zu veröffentlichen. Es gehört zur ironischen Subkultur des Internetforums, Amokläufer zu verehren. Sollte die Nachricht wirklich vom Täter stammen, hätte er diesen Sarkasmus auf tragische Weise missverstanden.

Andere Mitglieder feuerten ihn an. Sie schrieben "Mach es!" und gaben Tipps, wie er am meisten Menschen umbringen könne: "Versammele sie alle in einer Ecke und eröffne das Feuer". Das ganze könnte ein gut gemachter Hoax sein. Doch die US-Behörden sagten, sie würden die Konversation auf 4Chan untersuchen.

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