NACHRICHTEN
30/09/2015 16:15 CEST

4 Gründe, warum Putins Bomber in Syrien eine gute Nachricht für Assad sind - und eine schlechte für den Westen

4 Gründe, warum Putins Bomber in Syrien eine gute Nachricht für Assad sind - und eine schlechte für den Westen
Getty
4 Gründe, warum Putins Bomber in Syrien eine gute Nachricht für Assad sind - und eine schlechte für den Westen

Russland greift militärisch in den Syrien-Krieg ein, das erste Mal in dem vier Jahre anhaltenden Konflikt.

Hier sind vier Gründe, warum das eine gute Nachricht für Syriens Diktator Baschar al-Assad ist. Und eine schlechte für den Westen.

1. Assad wird noch Jahre an der Macht bleiben

So lange Assad vom Kreml unterstütz wird, hat der syrische Diktator nichts zu befürchten. Mit der Unterstützung von Russlands Präsident Wladimir Putin kann Assad noch einige Jahre an der Macht bleiben, sagen Beobachter.

Der außenpolitische Sprecher der Union, Jürgen Hardt, sagte dazu der Huffington Post: “Selbst wenn das Engagement Putins bei der Bekämpfung des IS mit unseren Interessen übereinfällt, müssen wir davon ausgehen, dass er insbesondere darauf abzielt, das Kräfteverhältnis zugunsten Assads zu verschieben".

Noch deutlicher wird der Russlandbeauftragter der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD). “Die Luftschläge sind auch eine Kampfansage an alle Rebellen, auch wenn Putin sein Eingreifen weiterhin als Kampf gegen den Terror verkaufen wird”, sagte Erler der Huffington Post.

Der russische Präsident leiste vor allem militärische Unterstützung für Assad: “Putin hat mit den Luftschlägen ein starkes Signal an Assad gesendet, dass er einen mächtigen Verbündeten hat”, sagte Erler. “Putins Ziel ist es, einen Regime-Wechsel in Syrien zu verhindern, den die Amerikaner herbeiführen wollen.”

Putin beschützt damit einen wichtigen Verbündeten - und der Westen wird einen seiner größten Feinde nicht los. Erst auf der UN-Konferenz bezeichnete US-Präsident Barack Obama Assad als “Tyrannen”. Er ist verantwortlich für den Tod von 250.000 Menschen. Fast täglich bombardiert er seine eigene Bevölkerung.

2. Die Flüchtlingskrise wird sich nicht entschärfen

Europa hat mit der Versorgung Hunderttausender ankommender Flüchtlingen zu kämpfen. Viele von ihnen stammen aus Syrien. Aus der Allianz mit Putin erhofften sich die Europäer vor allem, dass sich das Problem entschärft. Doch mit Assad, warnen viele, ist das nicht möglich. Der außenpolitische Sprecher der SPD, Niels Annen, sagte der “Huffington Post”: Wir dürfen nicht vergessen, dass die meisten Syrer vor Staatschef Assad fliehen. Wenn wir jetzt Assad stärken, wird das eher zu mehr Flüchtlingen führen. Seine Hubschrauber werfen fast jeden Tag Fassbomben auf Wohngebiete. Auch deshalb wird es langfristig keine Lösung mit Assad geben können.” Im Klartext: Assad darf weiter seine Gegner ermorden.

3. Für den Westen ist es nun schwieriger geworden, in Syrien einzugreifen

Es ist eine klare Ansage: Putin soll US-Militärs aufgefordert haben, den syrischen Luftraum unverzüglich zu verlassen. Laut Medienberichten hat die Offensive schon begonnen. Und weil niemand einen Dritten Weltkrieg riskieren will, bei dem sich der Westen und die russischen Militärs gegenseitig abschießen, muss der Westen nun sein Vorgehen gemeinsam mit Russland absprechen. Das bedeutet auch, dass er an Einfluss verliert. Denn es gibt gegenläufige Interessen: Während die USA zum Beispiel syrische Rebellen unterstützt hat, will Putin für Assad bomben.

4. Der IS lässt sich so wohl kaum besiegen

Russlands Präsident Putin sagt, dass ein Sieg über den Islamischen Staat nur mit dem syrischen Diktator möglich sei. US-Präsident Obama behauptet hingegen das Gegenteil: Eine Lösung gebe es nur ohne Assad. Für Obamas Argumentation spricht vieles. Assad hat während seiner Zeit fast nichts gegen den IS unternommen - sondern vor allem gegen syrische Rebellen. Doch ohne Assads Unterstützung wird auch Russland den IS nicht besiegen können - dafür reichen Luftangriffe nicht aus.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.