POLITIK
30/09/2015 15:32 CEST

Flüchtlinge werden verändern, was wir im Supermarkt kaufen können

dpa
Flüchtlinge werden alles verändern. Auch was wir essen können

Für das Jahr 2015 rechnet die Bundesregierung mit circa 800.000 Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen werden. Ein großer Teil von ihnen stammt aus muslimischen Ländern, wie Syrien, Irak und Afghanistan.

Die Einwanderer sind auch für die Wirtschaft spannend - als neue Zielgruppe. Das wird sich unter anderem in der Lebensmittelindustrie bemerkbar machen. Denn der Islam sieht vor, dass Lebensmittel bestimmten religiösen Kriterien genügen, also "halal" sind.

Unter anderem dürfen Halal-Lebensmittel keine Produkte vom Schwein enthalten und keinen Alkohol. Außerdem müssen Tiere durch Schächten getötet werden.

Halal im strengen Sinn bedeutet außerdem, dass Tiere nicht aus Massentierhaltung stammen dürfen und für die Produktion von Lebensmitteln faire Löhne gezahlt werden.

Zahl neuer Halal-Produkte wächst rasant

So ergab eine Analyse der weltweit registrierten neuen Produkte im vergangenen Jahr, dass die Anzahl der Produkte mit Halal-Zertifikat im Vergleich zu 2010 stark gestiegen war, um 24 Prozent. Die Mehrzahl dieser Neueinführungen wurde zwar in Ländern des Nahen Ostens und Asiens verbucht, doch ist auch eine deutliche Zunahme auf den Märkten außerhalb dieser Regionen zu erkennen: 43 Prozent für 2014 im Vergleich zu 2010.

Dieser Trend wird sich laut Branchenkennern ausweiten. So findet in Köln vom 10. bis 14. Oktober die weltweit größte Ernährungsmesse statt, die Anuga. Dort wird das Interesse an halal-konformen Lebensmitteln als einer der Haupttrends vorgestellt werden.

Durcheinander in der Kennzeichnung

Problematisch ist jedoch, dass es hierzulande noch an einer zentralen Prüf- und Zertifizierungsstelle fehlt. Halal-Siegel werden freiwillig vergeben, aber die Vielzahl an Siegeln ist unübersichtlich und wird vom Handel und den Konsumenten nicht durchgehend akzeptiert.

Halal-Zertifikate sind für eine ganze Reihe an Warengruppen vorhanden, auch für Gebäck und Süßigkeiten. Denn wollen Muslime vermeiden, etwa Gelatine von Schweinen in Tortenguss zu finden.

Muslimische Vertreter fordern schon länger die Einführung verbindlicher Standards und Siegel, um den Konsumenten den kauf von Halal-Produkten zu erleichtern.

Der größer werdende Markt für Halal-Lebensmittel hierzulande wird also vermutlich auch dafür sorgen, dass mit Nachdruck an einheitlichen Standards gearbeitet wird. Fest steht allerdings schon jetzt: Das Angebot in unseren Supermärkten wird sich gerade auch durch den Zuzug der Flüchtlinge sehr bald weiter verändern.

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