POLITIK
29/09/2015 12:37 CEST | Aktualisiert 29/09/2015 15:16 CEST

Was diese Muslime vom Oktoberfest fordern, ist hoffentlich Satire

Was diese Muslime vom Oktoberfest fordern ist verrückt
anandoart / Shutterstock.com
Was diese Muslime vom Oktoberfest fordern ist verrückt

Es war der Aufreger vor dem Start der Wiesn. Wenige Tage bevor das Oktoberfest in München feierlich eröffnet wurde, sorgte eine Petition auf der Plattform change.org für bundesweite Empörung. Dort suchte ein User mit dem Namen "Morad Almuradi" Unterstützung für eine radikale Forderung: Der Absetzung des Oktoberfests.

Die Petition war direkt an die Stadt München gerichtet. Dort hieß es unter anderem:

"Das Oktoberfest ist eine intolerante und anti-muslimische Veranstaltung. Wir haben versucht, es zu ignorieren, aber es geschehen einfach zu viele nicht-muslimische Dinge dort, wie Alkoholgenuß und öffentliche Nacktheit."

"Das Oktoberfest ist zwar eine deutsche Tradition, aber wir Muslimen können es nicht tolerieren, es beleidigt Muslime weltweit. Wir fordern daher die sofortige Absage der Veranstaltung."

Nun ja. Und weiter:

"Denn wir glauben auch, dass es die vielen Muslime beleidigen könnte, die derzeit aus Syrien, dem Irak und Afghanistan nach Deutschland kommen."

Mit dieser Forderung wurde umgehend der Empörungs-Reflex ausgelöst. Weltweit reagierten Menschen in den sozialen Netzwerken mit Unverständnis und blanker Wut.

"Islamisten verbieten Musik, Tanz, die Gesichter von Frauen, Alkohol, Frauenbeine, Drachen steigen, Frauenarme. Warum sollten sie auch NICHT versuchen, das Oktoberfest zu verbieten?"

Ein User schrieb: "Muslim Invasion will dafür sorgen, dass das Oktoberfest verboten werden soll. Diese Petition können die sich in den A*** schieben."

Aber während auch einige User und Medien versuchten, sich seriöser mit der Forderung auseinanderzusetzen, wurde eine Möglichkeit völlig außer Acht gelassen: Das es sich um Satire gehandelt haben könnte.

Dafür gibt es einige Indizien. "Morad Almuradi", der Verfasser des Textes, taucht bei einer Google-Suche nur im Rahmen der Petition selbst auf. Es könnte sich natürlich um ein Pseudonym handeln, aber auch andere Hinweise verstärken den Satire-Verdacht.

So war die Petition erst richtig bekannt geworden, als sie am 11. September von Nutzern einer anonymen Website namens "4chan" geteilt wurde. Eine Seite, die im vorigen Jahr besonders durch Posts von Hacker-Inhalten und nackten Celebrities bekannt geworden war. Also eine Community, die nicht im Islamisierungsverdacht steht.

Almuradi selbst beendete die Petition übrigens - nachdem sich sagenhafte 474 Unterstützer für seinen Aufruf gefunden hatten.

Selbst wenn es also ein ernst gemeinter Beitrag gewesen sein soll: "Muslime weltweit" haben sich offensichtlich nicht davon angesprochen gefühlt. Was also zunächst als wahnwitzige Forderung von moralinsauren Muslimen als letzter Beweis für die Unvereinbarkeit zweier Kulturen dargestellt wurde, entpuppte sich als genau eins: Eine Luftnummer. Aber auch als potentiell gefährlicher Aufruf. Denn so werden auch unnötig weiter Ängste geschürt.

Das Oktoberfest findet übrigens gerade in München statt. Mit Menschen aus aller Welt.

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