WIRTSCHAFT
29/09/2015 18:57 CEST | Aktualisiert 30/09/2015 02:05 CEST

Forscher rechnen aus, wie viele Menschen der VW-Skandal das Leben kosten wird

So viele Menschen soll VW durch den Skandal auf dem Gewissen haben
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So viele Menschen soll VW durch den Skandal auf dem Gewissen haben

Volkswagen (VW) hat mit seinem Abgas-Skandal kaum bezifferbaren Schäden angerichtet. Finanziellen Schaden, den nun die Firma, die Angestellten, die Aktionäre ausbaden müssen. Einen Imageschaden, der nicht nur VW und seine Tochterfirmen betrifft, sondern auch andere Produkte "Made in Germany" zu beschädigen droht. Und VW hat der Umwelt geschadet. Und damit Menschen gefährdet.

Forscher haben für die"New York Times" nun versucht zu berechnen, wie viele Menschen an den Folgen der zusätzlichen Verschmutzung durch die VW-Autos in den USA sterben werden.

Was Stickoxide in der Umwelt und im Körper anrichten

Dazu muss man wissen: Die Dieselautos von VW haben wesentlich mehr Stickoxid ausgestoßen als vom Hersteller angegeben. Eigentlich hätte die Einspritzung von Harnsäure den Ausstoß verringern sollen, doch durch Manipulation fand dieser Prozess nur dann statt, wenn die Autos auf dem Prüfstand waren, nicht aber während des normalen Fahrbetriebs.

Die Stickoxide können Atem- und Herzkreislaufkrankheiten auslösen. Vereinzelt kann es so auch zu einem verfrühten Tod kommen.

Außerdem sind Stickoxide sogenannte Vorläuferstoffe, aus denen sich etwa Feinstaub und Ozon bilden können. Feinstaub reizt die Lunge, kann Entzündungen in den Atemwegen hervorrufen und langfristig die Abwehrkräfte schwächen. Besonders schlimm trifft es chronisch Kranke wie Asthma-Patienten.

106 Tote mehr wegen der VW-Manipulation?

Ein Team dreier US-Wissenschaftler hatte kürzlich die Auswirkungen einer neuer Vorschrift untersucht, nach der einige Bezirke ihren Stickoxid-Ausstoß um 350 Tonnen im Jahr verringern mussten. Dort starben, gerechnet auf eine Bevölkerung von 100.000 Personen, fünf Menschen pro Jahr weniger als in Bezirken, wo die Grenzwerte nicht gesenkt worden waren.

Dieses Beispiel ließ die "NYT" von dem Energieexperten Michael Greenstone auf den aktuellen Volkswagen-Fall umrechnen. 46.000 Tonnen Stickoxid seien seit Ende 2008 zusätzlich ausgestoßen worden, was 106 zusätzliche Todesfälle zur Folge haben könnte – vorausgesetzt die Effekte sind ähnlich wie im Vergleichsbeispiel.

Oder 40 Tote?

Die M.I.T.-Professorin Noelle Eckley Selin kam dagegen auf eine andere Zahl. Sie verwendete die Zahlen der Environmental Protection Agency zur Auswirkung vom Stickoxid-Ausstoß auf die Sterblichkeitsrate. Sie geht von 40 zusätzlichen Todesfällen durch den Abgasskandal aus. Allerdings hat sie den Einfluss von beispielsweise Feinstaub nicht berücksichtigt.

Ob nun 106 oder 40 - jeder Tote ist einer zu viel. Allerdings muss man die Zahlen in Relation sehen. Laut "NYT" haben die defekten Zündungen in General-Motors-Fahrzeugen, die 2014 entdeckt wurden, mindestens 124 Menschenleben in Verkehrsunfällen gekostet. Im Jahr 2012 starben in den USA mehr als 36.000 Menschen in Unfällen mit Motorfahrzeugen.

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