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30/09/2015 02:00 CEST

3 Anzeichen, dass die Fifa völlig den Kontakt zur Realität verloren hat

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UEFA-Chef Michel Platini steht unter Verdacht

Die FIFA steht vor dem Kollaps: Gegen Noch-FIFA-Chef Joseph Blatter läuft ein Strafverfahren, gegen seinen Stellvertreter Jack Warner läuft ein Auslieferungsverfahren an die USA - und nun wird auch der einzige ernstzunehmende Nachfolgekandidat für den Chefposten, UEFA-Chef Michel Platini schwer belastet und ein Strafverfahren wird geprüft.

Es sieht so aus, als würde der Fußballverband schon bald ohne Führung dastehen. Doch noch immer scheint die FIFA-Spitze die Einschläge nicht näher kommen zu hören. "Was haben die eigentlich geraucht?", fragt sich die Welt.

Hier drei Anzeichen, dass die FIFA den Kontakt zur Realität völlig verloren hat:

1. Es ist unglaublich, wie lange die FIFA brauchte, bis sie gegen Jack Warner aktiv wurde

Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes verhängte am Dienstag im Zuge des Bestechungsskandals um die WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar eine lebenslange Sperre gegen den ehemaligen Präsidenten der Karibischen Fußball-Union CONCACAF.

Zwischen dem Beginn der Ermittlungen gegen Warner im Januar und dem Urteil nun im September verging mehr als ein halbes Jahr. Ob aber Warner nur ein erstes Bauernopfer ist und zeitnah auch eine juristische Entscheidung über die brisanten Personalien Blatter und Platini fällt, ist offen.

Wie korruptionsverseucht der Weltverband bis an die höchsten Stellen ist, lässt sich aus der Urteilsbegründung der Recht sprechenden Kammer der Ethikkommission unter dem Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert lesen. "Jack Warner verübte fortwährend und wiederholt verschiedene Vergehen, während er bei der FIFA und der CONCACAF als Funktionär verschiedene hochrangige und einflussreiche Ämter bekleidete", hieß es in der Mitteilung des Gremiums.

Warner sei "ein Drahtzieher von Systemen, die die Gewährung, Annahme und den Empfang verdeckter und illegaler Zahlungen beinhalteten, sowie anderer Systeme zur Bereicherung" gewesen. Warner war bereits im Juni 2011 von allen Ämtern zurückgetreten. Zuletzt hatte zudem im Zuge der Ermittlungen gegen Blatter ein Vorgang aus dem Jahr 2005 für Brisanz gesorgt. Blatter soll damals mit Warner einen für die FIFA ungünstigen Vertrag abgeschlossen haben.

Das Schweizer Fernsehen hatte Anfang September berichtet, dass Blatter die Übertragungsrechte für die WM in Südafrika für 250.000 Dollar, die für die WM in Brasilien für 350.000 Dollar veräußert haben soll. Warner soll demnach die TV-Übertragungsrechte zwei Jahre später nach Schätzungen in Medien für 15 bis 20 Millionen Dollar wieder weiterverkauft haben.

Warner ist derzeit gegen Kaution auf freiem Fuß. Die Justiz in Trinidad und Tobago wird wohl im Dezember über seine mögliche Auslieferung an die USA entscheiden. Hingegen lieferte die Schweiz den ehemaligen Präsidenten des Verbandes von Costa Rica, Eduardo Li, am Dienstag in die Vereinigten Staaten aus.

2. Blatter denkt immer noch nicht über einen Rücktritt nach

Gegen Blatter läuft derzeit ein Strafverfahren "wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung" und Veruntreuung. Der langjährige FIFA-Chef soll im Februar 2011 eine "treuwidrige Zahlung" an UEFA-Präsident Platini geleistet haben. Dabei sei es um geleistete Dienste zwischen Januar 1999 und Juni 2002 gegangen.

Doch für Blatter war selbst dieser Schritt der Behörden bislang kein Grund für einen Rücktritt. Bis zu dem bislang für den 26. Februar geplanten FIFA-Kongress mit Neuwahlen will er im Amt bleiben. Und über die Dauer der Ermittlungen der Ethikkommission gegen die beiden wichtigsten Funktionäre im Weltfußball lässt sich nur spekulieren.

3. Platini behauptet, er habe "keinen Grund zur Sorge"

Nach Medienberichten prüft die Bundesanwaltschaft der Schweiz auch ein Strafverfahren auch gegen UEFA-Chef Platini. Nach Information der "Welt" soll Platini insgesamt deutlich mehr als die bisher bekannten zwei Millionen Franken erhalten haben. Der Präsident der Europäischen Fußball-Union war am Freitag von den Schweizer Behörden als sogenannte Auskunftsperson vernommen worden.

Der Franzose beteuert weiter seine Unschuld. "An meiner Integrität gibt es keinen Zweifel", sagte Platini am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Bis zu dem eingeleiteten Strafverfahren gegen Blatter galt Platini als Topfavorit auf die Nachfolge auf dem FIFA-Thron. Sollte auch Platini zum Beschuldigten werden, wäre seine Bewerbung hinfällig.

Derzeit aber sieht er keinen Grund, seine Kandidatur zurückzuziehen. "Ich bin total ruhig und gelassen und habe keinen Grund zur Sorge", betonte Platini. Er fürchte auch keine Sperre durch die FIFA-Ethiker. Allerdings schloss der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber am Dienstag nicht aus, dass nach der FIFA-Zentrale auch das UEFA-Hauptquartier auf der Suche nach der Wahrheit durchsucht werden könnte.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach jedenfalls warnte davor, seinen guten Freund Platini an den Pranger zu stellen. Es gehöre zu einer seriösen Amtsführung, keine schnellen Vorverurteilungen auszusprechen, sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes in der "Frankfurter Rundschau" und bei Sport1.

Man müsse "erst einmal sehr genau hinschauen, um was es geht und ob hier tatsächlich ein Fehlverhalten vorliegt", sagte er und betonte, dass "wir als DFB eine aktive, transparente Darlegung der Vorgänge erwarten". Dies müsse "vor allem auch im ureigensten Interesse von Platini sein".

Mit Material der DPA

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